Dass die Fluktuation bei den Kaderärzten am Kantonsspital Baselland (KSBL) kurz vor der Abstimmung zur Spitalfusion nach wie vor hoch ist, ist eine Tatsache. CEO Jürg Aebi macht selbst kein Geheimnis daraus, dass bei seinem Personal eine gewisse Verunsicherung vorhanden ist. Nicht nur wegen der geplanten Fusion mit dem Basler Universitätsspital (USB), sondern auch schon seit der Verselbstständigung des KSBL 2012 und der inneren Fusion der drei Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen.

Wogegen sich das Haus aber vehement wehrt, ist, dass ein Grossteil der Abgänge von Oberärzten oder Leitenden Ärzten in den letzten Monaten in direktem Zusammenhang mit dieser Verunsicherung stehen, ein Zeichen eines unattraktiven Arbeitsorts sein oder sogar eine direkte Reaktion auf die mögliche Spitalfusion darstellen könnte. «Von den zwölf von Ihnen festgestellten Abgängen geschah nur ein einziger wegen der unsicheren Situation vor der Spitalfusion», sagt Jörg Leuppi zur bz.

Der Chefarzt der Medizinischen Uniklinik des KSBL stört sich am negativen Bild, das in der Öffentlichkeit vom KSBL gezeichnet werde. «Es ist schwierig, den vielen Ärzten, die einen guten Job machen und gerne hier arbeiten, zu erklären, weshalb gegen ihren Arbeitgeber so ein Bashing betrieben wird. Das drückt auf die Motivation.»

Oberärzte ziehen oft weiter

Die Abgänge an sich dementiert Leuppi nicht. Sie stellen für ihn aber nichts Aussergewöhnliches dar: «So eine Abgangsliste könnte man von jedem Schweizer Spital aufstellen.» Er weist darauf hin, dass neun der zwölf Kaderärzte, die zwischen Ende Oktober 2018 und Ende Januar 2019 den Hut nahmen, Oberärzte seien und nur drei Leitende Ärzte.

Das sei entscheidend: «Oberärzte sind Fachärzte, welche die eigene Weiterbildung abgeschlossen haben. Sie bleiben oft noch mehrere Jahre, doch irgendwann wollen sie den nächsten Schritt machen und suchen sich eine Stelle als Leitender Arzt.» Dass sie weiterziehen, sei eine ganz normale Karriereplanung, die das KSBL auch unterstütze. «Es ist ein gutes Zeichen, wenn ein von uns weitergebildeter Oberarzt eine Stelle in einem anderen Spital erhält», so Leuppi.

Die Abgangs-Analyse der bz zeigt auch, dass in denselben drei Monaten fünf Oberärzte innerhalb des KSBL zu Leitenden Ärzten befördert wurden. Leuppi: «Auch wir wollen natürlich Karrieremöglichkeiten bieten und so können wir einen Teil von unseren Leuten bei uns halten.» Die Karrieren können aber auch anders verlaufen: Drei der zwölf Ärzte würden ihre eigene Hausarztpraxis eröffnen. Das KSBL verstehe sich explizit auch als Weiterbildner der zukünftigen Hausärzte.

Spitalfusion brächte Sicherheit

Überhaupt betont Leuppi, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit mit den zuweisenden Ärzten sei. Dass diese die wechselnden Ansprechpartner am KSBL kritisieren, kann er nur bedingt nachvollziehen: «Wir haben viele Chefärzte, die schon seit über 20 Jahren bei uns tätig sind.» Dass die Wiederbesetzung von Kaderstellen nicht immer einfach ist, leugnet Leuppi nicht. Er verallgemeinert aber: «Der Schweizer Markt für Oberärzte oder spezialisierte Fachärzte ist ausgetrocknet, da kann Ersatz schwierig sein.»

Umso stolzer ist das KSBL, dass es zuletzt Leitende Ärzte verpflichten konnte, die teils nationales oder internationales Renommee mitbringen (siehe Kasten). «Sie alle hatten Angebote von Privatkliniken oder anderen Kantonsspitälern, kamen aber zu uns», sagt Leuppi. Was auffällt: Vier der fünf Genannten kündigten beim USB eine Festanstellung. Man habe sie aber nicht aktiv abgeworben, sondern die Stellen normal ausgeschrieben, beschwichtigt Leuppi. Mit Gregor Leibundgut hätte sich auch ein Kardiologe vom renommierten Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen für das KSBL entschieden.

«Trotz Bashing bilden wir also Ärzte aus, betreiben Forschung, erhalten Zertifizierungen und – so behaupte ich – machen einen guten Job», sagt Leuppi. Dass mit einem Ja zur Spitalfusion am Sonntag mit einem Schlag alle Unruhe beseitigt wäre, glaubt er zwar nicht. Schliesslich wäre die Transformation zum Unispital Nordwest erst 2026 abgeschlossen. Bei einem Nein sei die Unsicherheit aber grösser. Denn kommt die Fusion, so soll jeder Angestellte im Sommer 2019 seinen neuen Arbeitsvertrag erhalten. Für Leuppi zählt aber vor allem etwas: «Ob Ja oder Nein, jetzt muss endlich ein Entscheid her.»