KSBL

Aderlass im Spital Liestal: Baselbieter Hausärzte sind alarmiert

Düstere Stimmung am Kantonsspital Liestal. Etliche Ärzte seien nicht mehr voll bei der Sache, sagen zuweisende Hausärzte.

Der personelle Aderlass am Kantonsspital Baselland (KSBL) versetzt zuweisende Hausärzte in Alarmstimmung. «Für uns gehen langjährige Ansprechpartner verloren», sagt ein Hausarzt aus Läufelfingen.

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) kämpft mit einem massiven personellen Aderlass: Alleine in den vergangenen drei Monaten haben zwölf Kaderärzte den Hut genommen, wie diese Zeitung am Samstag berichtet hat. War in der Vergangenheit vor allem der Standort Bruderholz betroffen, der in den nächsten Jahren ohnehin umgebaut werden soll, so treffen die jüngsten Abgänge hauptsächlich den Standort Liestal, das Grundversorgerspital und Hauptstandbein des KSBL.

Hausärzte aus Oberbaselbieter Gemeinden sind alarmiert. Dies zeigt eine Umfrage unter Ärzten, die dem Spital Patienten zuweisen. «Natürlich machen mir die Entwicklungen am Spital Liestal Sorgen», sagt Mathis Grehn von der Praxis Hauptstrasse 100 in Ziefen. Diese und frühere Abgänge seien mit einem Know-how-Verlust verbunden und zeugten von fehlender Stabilität. «Auch in Liestal sehen viele Ärzte keine Perspektive mehr.» Dabei wäre ein gutes Zentrumsspital für die Oberbaselbieter Bevölkerung sehr wichtig, fügt er an.

Wichtige Ansprechpartner verloren

2018 sorgte der Abgang von Urologie-Chefarzt und Universitäts-Dekan Thomas Gasser für Schlagzeilen. Auch berichtete die bz über den geplanten Absprung mehrerer Oberärzte und Leitender Ärzte am Standort Bruderholz. Zwar befinden sich unter den jüngsten Abgängen am KSBL keine Kapazitäten mit überregionaler Ausstrahlung.

Der Läufelfinger Hausarzt Stephan Gerosa ist dennoch beunruhigt: «Da gehen wichtige und langjährige Ansprechpartner für die Hausärzte verloren. Für unsere Patienten ist das eine schlechte Entwicklung.» Aus Sicht von Gerosa funktioniert die Zusammenarbeit mit dem KSBL noch immer gut, dasselbe gelte für die medizinische Qualität. «Doch noch vor wenigen Jahren war es besser.»

Als problematisch erachtet Gerosa die Departementalisierung: Das KSBL hat im Zuge der Zusammenführung der Spitäler Bruderholz, Liestal und Laufen seine Strukturen verschlankt. Im Gegensatz zu früher arbeiten die jeweiligen Abteilungen heute standortübergreifend und haben eine einzige gemeinsame Leitung. Dies habe dazu geführt, dass die KSBL-Ärzte zwischen den Standorten hin und her pendeln müssten. «Für uns Hausärzte sind sie schlechter erreichbar», sagt Gerosa.

Nicht mehr voll bei der Sache

Schärfer äussert sich der Itinger Hausarzt Daniel Schenk: Das KSBL sei derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt. Etliche Assistenz- und Oberärzte seien wegen der Umstrukturierungen nicht mehr voll bei der Sache.

«Seitens der Patienten erhalte ich immer mehr Reklamationen. So finden etwa die Austrittsgespräche teilweise nicht mehr statt», sagt Schenk. Er kennt das Spital Liestal als Zuweiser seit 20 Jahren. Mittlerweile könne er es seinen Patienten nicht mehr guten Gewissens empfehlen, was insbesondere für die Orthopädie gelte. «Diese hält den Ansprüchen an ein Kantonsspital nicht mehr stand.» Besser sei die Situation in der Medizin, wo Schenk allerdings Führungsdefizite ortet.

Von den grossen Abteilungen in Liestal sei nur auf der Chirurgie die Qualität gut. Andere von der bz angefragte Ärzte sehen ebenfalls Qualitätsunterschiede, äussern sich aber positiver: So sagt Johannes Manggold von der Gemeinschaftspraxis Reigoldswil, dass er die medizinische Qualität in der Orthopädie zwar für gut halte, die Zusammenarbeit aber seit langem im Argen liege und bezüglich der Abläufe einer Verbesserung bedürfe. Hingegen sei die Zusammenarbeit mit den Chirurgen sehr gut, die Ein- und Austritte der Patienten funktionierten «super», sagt Manggold.

Dennoch hat auch Liestals Vorzeigeabteilung ein Problem: Die angelaufene Kooperation des Unispitals Basel (USB) mit dem Claraspital torpediere die Chirurgie am KSBL, findet Schenk. «Ich finde es strategisch falsch und ärgerlich, dass das USB während des Fusionsprozesses mit dem KSBL Partnerschaften eingeht.» Das sieht auch Manggold so. Ärzte aus beiden Frenkentälern schrieben KSBL-Chef Jürg Aebi Ende Jahr einen Brief. Dessen Wortlaut liegt der bz vor. «Wir fürchten sehr, dass die Chirurgie am Standort Liestal politisch gewollt geopfert werden soll», heisst es.

Die Sorge der Hausärzte um das Spital im Kantonshauptort ist ungeteilt. Ob die geplante Fusion des KSBL mit dem USB den Königsweg aus der Misere darstellt, wird indes unterschiedlich beurteilt. Einige der angefragten Hausärzte sind für die Fusion, andere skeptisch. In der Ursachenforschung herrscht wiederum Einigkeit: «Im Endeffekt ist der Standort Liestal durch das serbelnde Bruderholz destabilisiert worden», sagt Johannes Manggold.

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