Liestal

Ärger in der Musikszene: Lohnerhöhung für den Stadtrat – aber keine Gagen für Bands am Stadtfest

(Archiv)

Wie die Lange Tafel an der Genusswoche, soll das Stadtfest im September Leben ins Liestaler Stedtli bringen.

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Bis jetzt steht das Liestaler Stadtfest, das vom 6. bis 8. September stattfindet, nicht unter einem glücklichen Stern. Zuerst als grosses Einweihungsfest der neuen Rathausstrasse im Juni 2018 geplant, wurde es nach dem Abgang von Stadt- und OK-Präsident Lukas Ott auf dieses Jahr verschoben. Dann wurde bekannt, dass die Bands ohne Gage spielen sollen, was sich auf das Teilnehmerfeld auswirkte.

So hat etwa die Band «We Invented Paris» abgesagt. Sie hat ihre Wurzeln in beiden Basel, strahlt aber mittlerweile über die Landesgrenzen aus; morgen startet sie zu einer Deutschland-Tour.

Der Band-Gründer und Liestaler Flavian Graber sagt: «Wir wären sehr gerne am Stadtfest aufgetreten und haben angeboten, für die Hälfte der an Festivals üblichen Gage zu spielen.» Gratis zu spielen, sei für sie aber nicht infrage gekommen, weil die Musik ihr Beruf sei, von dem sie lebten.

Noch nie hätten sie seit der Gründung ihrer Band im Jahr 2010 eine derartige Anfrage für so ein grosses Event erhalten, erzählt Graber. Und er fügt bei: «Das Problem ist das mangelnde Verständnis für freischaffende Künstler.» Was Graber offen sagt, sagen etliche andere Musiker nur hinter vorgehaltener Hand.

Lohnerhöhung ist Öl ins Feuer

Mit der Lohnerhöhung, die der Einwohnerrat dem Stadtrat auf dessen Antrag hin vor Ostern gewährte, hat sich die Auseinandersetzung um fehlende Gagen nochmals akzentuiert. Das macht sich vor allem auf sozialen Medien bemerkbar, so auch in der von Domenic Schneider ins Leben gerufenen öffentlichen Facebook-Gruppe «Liestal vernetzt» mit 4000 Mitgliedern.

Viele Leute hätten die beiden Themen verknüpft, sagt Schneider und nimmt den Stadtrat ein Stück weit in Schutz, obwohl er sich im Einwohnerrat als einziger gegen die Stadtrats-Lohnerhöhung gewehrt hat: «Lohnerhöhung und fehlende Gage sind zwei verschiedene Sachen. Ich finde es aber schwierig, wenn man Musiker, die von ihren Auftritten leben, unentgeltlich auftreten lassen will.»

Hansi Rudin, Mitgründer der «Steppin Stompers», begründete Anfang April in der bz mit einem diplomatischen Leserbrief, wieso die «Steppin Stompers» nicht am Stadtfest aufspielen: Sie könnten nicht an Dorf-Festen gegen Gage spielen und jetzt in Liestal gratis mitmachen. Damit hat er das Ganze eigentlich abgehakt, jetzt hakt er aber aus aktuellem Anlass nach: «Ich finde den Zeitpunkt der Lohnerhöhung heikel. Denn wenn mir der Stadtpräsident sagt, für ihn wäre es als Musiker eine Ehre, gratis für Liestal zu spielen, und gleichzeitig für seine nicht schlecht bezahlte Tätigkeit mehr Lohn verlangt, passt das nicht zusammen.» Dies um so mehr, da die «Steppin Stompers» schon wiederholt an gemeinnützigen Liestaler Veranstaltungen gratis aufgespielt hätten.

Stadtpräsident Daniel Spinnler verweist auf die Tausenden von ehrenamtlichen Stunden, die das Stadtfest-OK inklusive ihm leisten würde. Man verlange keinen Eintritt und das Rahmenprogramm werde mittels Sponsoring finanziert; Bands seien nie Bestandteil davon gewesen. Spinnler: «Die Idee war, regionale Bands, Vereine, Chöre, Orchester und andere einzuladen, gratis am Stadtfest mitzuwirken. Wir sorgen uns um die Technik, Werbung, Sicherheit und Verpflegung.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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