Spital-Neubau

Ärzte schwenken um: Spitalneubau soll nach Liestal statt nach Pratteln

Die Ärzteschaft möchte das Spital in Liestal am liebsten zurückbauen und es durch ein neues nebenan ersetzen. (Archivbild)

Die Pläne in Salina Raurica werden nicht umgesetzt. Die Verantwortlichen befürchten, das Neubau-Projekt würde zu lange verzögert. Wenn nicht in Pratteln, dann eben woanders – das KSBL brauche eine rasche Lösung. In Liestal stünde eine Fläche bereit.

Es war kein Schnellschuss, kein hastig zusammengeschustertes Projekt. Die Ärztegesellschaft Baselland (AeGBL) und der Verband der Assistenz- und Oberärzte beider Basel (VSAO) hatten detaillierte Pläne ausgearbeitet, sich mit der Gemeinde abgesprochen und eine Machbarkeitsanalyse des Generalplaners Losinger-Marazzi vorgelegt: Für sie lag die Zukunft des Kantonsspitals Baselland (KSBL) in einem Neubau in Salina Raurica.

Doch die Pläne, die die bz im Juni publik machte und welche die Verbände im August nochmals mit einer grossen Präsentation in Pratteln untermauerten, werden nie umgesetzt werden. Gestern widmete die AeGBL dem Thema eine Sonderausgabe ihrer Zeitschrift «Synapse». Darin kommt Präsident Tobias Eichenberger zum Schluss: «Die politische Diskussion hat ergeben, dass die für einen Neubau in Pratteln benötigten politischen und planungsrechtlichen Prozesse zu einer mehrjährigen Verzögerung führen könnten – eine Zeit, die das KSBL schlichtweg nicht hat.»

Auf Nachfrage der bz präzisiert Eichenberger: Mit SP, Grünen, Teilen der FDP und auch Umweltschützern, die sich gegen das Projekt gestellt hätten, wäre eine zeitnahe Umsetzung gefährdet gewesen. Das KSBL aber brauche eine rasche Lösung. Er verweist auf den Bettenturm des Bruderholzspitals, der nur noch eine feuerpolizeiliche Bewilligung bis 2025 habe.

Neubau direkt neben dem bisherigen Spital Liestal

Für Eichenberger und seine Mitstreiter war klar: Wenn nicht in Pratteln, dann eben woanders. «Unsere Botschaft an Regierung, Spital und Parlament ist: Bitte baut ein neues, modernes Spital, wo ist gar nicht so entscheidend.» Just zu dieser Zeit sei die Stadt Liestal auf ihn zugekommen, im Gepäck eine eigene Machbarkeitsanalyse für einen Neubau in der Kantonshauptstadt. Direkt angrenzend an das heutige Spital-Areal an der Rheinstrasse, wo aktuell noch die Schul- und Büromaterialverwaltung, die Primarschule Mühlematt sowie die Gewerblich-industrielle Berufsfachschule stehen, sei ein Neubau umsetzbar. Die Grundstücke gehören Kanton und Gemeinde.

«Weil das Kantonsspital mit seinen 2000 Arbeitsplätzen für uns ein wichtiger Standortfaktor ist, haben wir auch die Möglichkeit eines Neubaus abgeklärt. Wesentlich für den Gesundheitscluster Liestal ist aber, dass der Spitalstandort an sich erhalten bleibt», sagt Stadtpräsident Daniel Spinnler. Zum genannten Areal möchte er sich noch nicht im Detail äussern.

Spinnler wie Eichenberger heben aber die gute Anbindung an den Verkehr hervor. Weil Patienten aus dem Leimen-, dem Birs- und dem Laufental nach Basel abwandern, sollte das Bruderholz wie von der AeGBL gefordert zurückgebaut werden, relativiert Eichenberger: «Wenn das topmoderne Spital in Liestal 2025 fertig ist, fangen sie am Unispital erst an zu bauen. Und die neue Generation wird immer mobiler.»

KSBL hält einen Neubau für nicht finanzierbar

Gleichzeitig gibt sich Eichenberger realistisch. Da die Regierung bei ihrer Präsentation morgen wohl an den bisherigen Spitälern Liestal und Bruderholz festhalten wird, werde es der Neubau-Vorschlag schwierig haben. Das stützt auch die Reaktion des KSBL. Es schreibt der bz: «Wir müssen alle Anspruchsgruppen einbeziehen und unsere Investitionen selber finanzieren können. Das spricht gegen einen Neubau – wo auch immer.» Immerhin fügen die Verantwortlichen an: «Als Generationenprojekt wird ein Neubau weiter in der Diskussion bleiben.»

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