Erich Brunner sprach bereits 2017 an der Aescher Gemeindeversammlung gegen den Quartierplan auf dem Areal der Firma Stöcklin. Zu hoch seien die geplanten Hochhäuser auf dem bisherigen Industrieareal zwischen Aesch und Reinach, zu dicht seien die 244 Wohnungen und die Gewerbebauten, beklagte er als Besitzer eines Einfamilienhauses in der Nähe.
Die Gemeindeversammlung sagte trotzdem Ja zum Quartierplan. Brunner kündete zuerst das Referendum an. Stattdessen schlug er aber den Rechtsweg ein und legte beim Regierungsrat Beschwerde ein. Das taten neben ihm noch Dutzende von anderen Aeschern.

Nach der abschlägigen Beurteilung durch die Regierung zog aber nur noch Brunner die Sache ans Kantonsgericht weiter. Für die Verhandlung gestern hatte er seine Kritik in fünf Punkte verpackt: Hochhäuser seien an dieser Stelle nicht zulässig; sie verunstalteten das Quartier; das Verkehrskonzept sei nicht durchdacht; der Kanton halte sich einen Korridor für den öffentlichen Verkehr vor seinem Haus frei; und ihm sei das rechtliche Gehör nicht gewährt worden, weil die Gemeinden und der Investor Absprachen betreffend Mehrwertabgeltung getroffen hätten, die nicht öffentlich seien.

Nur in einigen Punkten einspracheberechtigt

Vor den fünf Richtern argumentierte Brunner am Mittwoch aber nicht juristisch. Viel lieber sprach er von «nicht wahrgenommener Verantwortlichkeit der Behörden», sah die Bewohner von Neu-Aesch als «ein Mal mehr übergangene Minderheit», wetterte gegen die «Hochkapitalisierung des Bodens» durch die Firma Stöcklin – und räumte ein, dass er etwas «eigensinnig» sei, weil er «die Denkweise des Raumplanungsgesetzes des Bundes», nämlich Verdichtung, nachhaltig umgesetzt haben wolle.

Geduldig wies Referent Niklaus Ruckstuhl nach, dass Brunners Kritik am Vorgehen von Politik und Verwaltung rechtlich haltlos war – soweit Brunner überhaupt einspracheberechtigt war und die von ihm beanstandeten Punkte Gegenstand des Quartierplans waren. Am Verfahren, wie der Quartierplan zustande gekommen und genehmigt wurde, sahen die Richter keinerlei Makel. Es liege hier Verdichtung im Sinne des Raumplanungsgesetzes vor. Insbesondere stellten sie klar, dass nicht alle Probleme, die der Quartierplan auslöse, bereits jetzt im Detail und umfassend gelöst sein müssten.

Das betraf unter anderem den Veloweg, den der Kanton an der Bruggstrasse, also entlang der Neubauten, plant. Brunner hatte ein weiter gehendes Verkehrskonzept gefordert, etwa für die Velos auf der Brücke nach Dornach.

Einstimmig gab das Gericht Brunner in keinem Punkt Recht. Gleichzeitig anerkannte es ein «Unwohlsein» Brunners angesichts der wachsenden Verdichtung in Neu-Aesch. «Ihr Quartier wird immer städtischer», sagte Richter Daniel Ivanov zu Brunner. «Daran kann das Gericht nichts ändern, solange sich die Gemeinden ans Gesetz halten.»

Einen Anwalt wollte er sich nicht leisten

Sein Kollege Hans Furer nannte Brunner einen «Winkelried», denn «was Sie verlangen, kann man nicht rechtlich durchsetzen». Brunners Vorgehen sei eine «Laienbeschwerde», nicht zuletzt, weil Brunner sich vor Gericht selber verteidigte. Ein Anwalt sei ihm zu teuer, erklärte er der bz nach der Verhandlung. Zahlen muss er jetzt trotzdem, nämlich die 2200 Franken Gerichtskosten.

Nach seiner klaren Niederlage zeigte er sich teilweise befriedigt. «Ich habe gar nicht erwartet, dass meine Argumente in das rechtliche System Eingang finden», meinte er. «Aber wenigstens haben die Behörden alle meine Argumente mal lesen müssen.»