Wachstumspläne

Aktivisten drohen, den Euro-Airport mit einem Sitz-Streik lahmzulegen

Sonntag: Flughafen Euro Airport Easyjet

Sonntag: Euroairport

Sonntag: Flughafen Euro Airport Easyjet

Eine Gruppe um den Grünen-Politiker Ueli Keller will dem Euro-Airport die Wachstumspläne austreiben – notfalls mit harten Bandagen.

Ueli Keller ist einer der lautesten Kritiker des Euro-Airports. Der Grünenpolitiker kämpft seit Jahren gegen einen Anstieg des Fluglärms an – mit Leserbriefen, Veranstaltungen und Vorstössen im Allschwiler Ortsparlament, in dem Keller seit 2012 sitzt. Das jüngste Vorhaben des Pensionärs ist radikal. Er will mit Gleichgesinnten einen Sitzstreik organisieren, um die Flughafenverantwortlichen von ihren Wachstumsplänen abzubringen.

Als Vorbild der Aktion dient dem Allschwiler die Besetzung des Hongkonger Flughafens im vergangenen Juli und August. Dort musste der Flugbetrieb mehrere Tage eingestellt werden. Aktivisten demonstrierten gegen ein vorgesehenes Auslieferungsgesetz mit Festlandchina. Das Vorhaben wurde wieder verworfen.

Tierschützer wurden kurzerhand festgenommen

Ueli Keller hat für sein Vorhaben laut eigenen Angaben bereits fünfzig willige Mitstreiter beisammen. Sie meldeten sich unter anderem nach zwei Aufrufen, die Keller im «Allschwiler Wochenblatt» publiziert hatte. «Ich habe zwanzig Jahre Erfahrung im Umgang mit dem Euro-Airport», sagt Keller. «Wir glauben nicht, dass ohne wirkliche Manifestation der Interessen der Bevölkerung ein Umdenken herbeigeführt werden kann.» Wann und wo das Sit-in stattfinden könnte, steht laut Keller noch nicht fest. «Denkbar wäre, in der Abflughalle oder auf einer Zufahrtsstrasse zu demonstrieren. Einige gehen soweit, dass sie eine Piste besetzen wollen.»

Mit der Unterstützung Allschwils können die Sitzstreiker nicht rechnen. Keller fragte an der Sitzung des Einwohnerrats vom Mittwochabend den Gemeinderat an, ob er das Vorhaben unterstützen wolle. Philippe Hofmann sagte, mit solchen Mitteln würde in der Fluglärmdebatte eine «Eskalationsstufe» angestrebt, die nicht im Sinne des Gemeinderats sei. «Wir wollen die bewährten Mittel ausschöpfen», sagte der CVP-Gemeinderat. Keller sagt zur bz, seine Anfrage sei in Absprache mit den Fraktionskollegen der EVP/GLP/Grüne gestellt worden.

Flughafensprecherin Vivienne Gaskell sagt auf Anfrage, eine Kundgebung benötige zwingend die Genehmigung der Präfektur in Colmar. «Ansonsten wird die Aktion für illegal erklärt.» Was das bedeutet, mussten Basler Tierrechtsaktivisten erfahren. Nach den Terroranschlägen in Paris 2015 erhielten sie keine Bewilligung mehr für ihre Demonstrationen gegen Tiertransporte. Als sie trotzdem auf dem Flughafen auftauchten, wurden sie von französischen Polizisten vorläufig festgenommen.

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