Bundesrat in Muttenz

Berset auf Kontrollbesuch im Baselbiet: «Lage ist beunruhigend, besonders mit dem Blick auf die Festtage»

Alain Berset und Thomas Weber an der Medienkonferenz im Muttenz.

Alain Berset und Thomas Weber an der Medienkonferenz im Muttenz.

Der Bundesrat zeigt sich angesichts der stagnierenden Coronazahlen in der Schweiz besorgt. Trotzdem verzichtet er an einer Pressekonferenz im Baselbiet auf scharfe Worte.

Die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz muss weiter runter, das ist für Alain Berset klar. Besonders besorgt schaut er auf Weihnachten und Neujahr. Zufrieden dürfte der Bundesrat also auch nicht mit der Situation im Baselbiet sein, wo die Zahlen stagnieren. Bei seinem gestrigen Besuch im Kanton machte er aber öffentlich keinen Druck zu einer Verschärfung der Massnahmen.

Der Bundesrat lässt den Kanton walten

Der Bundesrat besuchte das Baselbiet, um einen Augenschein der Situation vor Ort zu nehmen. Zusammen mit Gesundheitsdirektor Thomas Weber und Kathrin Schweizer, Vorsteherin der Sicherheitsdirektion, besuchte er das Spital Bruderholz, das in der ersten Welle als Corona-Referenzspital gedient hatte. Auch dem Testzentrum Feldreben in Muttenz stattete er einen Besuch ab. Nach dem Austausch mit der kantonalen Regierung trat er auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz vor die Medien. «Die Gespräche waren für beide Seiten sehr ergiebig», bilanzierte der Bundesrat.

Bezüglich den Coronazahlen in der Schweiz äusserte er sich aber besorgt: «Zwar hat man besonders in den Westschweizer Kantonen die Zahlen drücken können, doch jetzt verharren diese auf einem hohen Niveau». Das sei beunruhigend, besonders mit dem Blick auf die Festtage. Denn wenn man schon auf einem hohen Niveau starte, dann könnten die Zahlen schnell wieder explodieren. Das habe man bereits im Herbst zu Beginn der zweiten Welle gesehen.

Alain Berset betonte, dass man die Fallzahlen nur «gemeinsam» in den Griff kriegen könne. Ausserdem müssten genügend früh verschärfte Massnahmen ergriffen werden, wenn die Zahlen Anlass dazu geben würden. In Baselland verharren die Zahlen auf einem hohen Niveau. Und auch im Stadtkanton fallen die Zahlen trotz geschlossenen Bars und Restaurants nicht wie gewünscht. Dass das Baselbiet eine mildere Strategie fährt, stösst nicht überall auf Verständnis.

Doch Berset verzichtete am Donnerstag auf einen scharfen Appell ans Baselbiet: «Es ist momentan nicht die Aufgabe des Bundes, den Kantonen vorzuschreiben, was sie tun sollen. Ich glaube, wir sind alle alt genug». Er zeigte sich zudem zufrieden über die Zusammenarbeit der beiden Halbkantone: «Die Koordination im Gesundheitswesen ist vorbildlich».

Thomas Weber sieht aktuell keine kurzfristige Verschärfung der Massnahmen vor: «Es geht auch darum, dass man die Akzeptanz der Bevölkerung hat, diese ist bei längerfristig geltenden Massnahmen höher.» Der R-Wert, der anzeigt wie viele weitere Menschen eine infizierte Person anstecken, liegt im Baselbiet momentan etwa bei eins. Das reiche allerdings noch nicht, sagte Weber. «Mit Blick auf die Festtage müssen wir diesen Wert weiter runter bringen.» Während er sich beim Kanton zurückhielt, appellierte der Bundesrat bezüglich Weihnachten an die Bevölkerung: So solle man sich auch über die Festtage mit Kontakten zurückhalten. Denn auch ein Infektionsherd im privaten Kreis könne sich gefährlich entwickeln.

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