Ein-Blick

Alfa Romeo Club «Tempi passati»: Der Verein will weg vom Rentner-Image

In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft. Die Redaktoren beleuchten lustige Vereine, angefressene Sammler oder abgedrehte Nerds. Natürlich kann sich melden, wer sich angesprochen fühlt.

Stolz führen Fredy Bisang und Franz Bätscher durch ihr Clublokal. Hier kennen sie jeden Winkel, haben in den letzten zwanzig Jahren dekoriert, neue Böden verlegt und eine zusammengewürfelte Küche eingebaut. Das Lokal des Alfa Romeo-Clubs «Tempi passati» befindet sich im Keller eines Lausener Industriegebäudes. Einst gehörte es Vereinspräsident Bisang, dessen Eltern darin eine grosse Schneiderei betrieben haben. Weil es mit der Zeit immer mehr zur Last wurde, verkaufte Bisang und mietete mit seinem Verein die Kellerräume an.

Sechs Autos sind zu viel

Bisang und Bätscher sind beide mit dem Alfa Romeo angereist. Der 81-jährige Bisang mit dem Oldtimer, der 80-jährige Bätscher mit einem modernen Modell. Beide tragen Hemden mit dem Alfa Romeo-Logo, Bätscher in Rot, Bisang in Weiss. Sie passen perfekt ins Clublokal, wo Decken, Wände und Heizung in den Italien-Farben gestrichen sind. An der Wand hängen Bildcollagen, neben einer Vitrine mit Modell-Autos steht ein Regal mit verschiedenen Fachmagazinen.

Bätscher und Bisang wissen viel über ihre «Alfas», deren Geschichte und Gegenwart. Nicht immer waren sie gleich beliebt wie heute, die Firma hatte lange einen schlechten Ruf. Die beiden Baselbieter störte das nie. «Es gab Zeiten, in denen hatte ich sechs bis acht Alfas, heute sind es noch zwei», erzählt Bisang. Der Aufwand mit den Oldtimern wurde zu gross. In Bätschers Garage steht neben dem neuen «Giulietta» auch noch ein Alfa Romeo Spider, den er vor allem für Ausflüge braucht. Die wenigsten Vereinsmitglieder kauften ihre Autos als Wertanlagen, so Bätscher. «Es gibt zwar Vorkriegs-Modelle, die bis zu einer Million wert sind», erklärt er. «Die neueren steigern sich im Wert aber nicht stark genug, dass man damit grosse Gewinne machen könnte.» Bisangs «Alfetta GTV 2000» mit Jahrgang 1978 hat aktuell einen Wert von rund 20'000 Franken. «Es gibt nur noch wenige von der Sorte, die in so gutem Zustand sind», erzählt er stolz.

Der Alfa Romeo Club ist ein Verein wie aus dem Lehrbuch. Beim monatlichen Treffen sind meist mehr als die Hälfte der 72 Mitglieder dabei. Für alle, die es nicht zum Treffen schaffen, schreibt Bisang ein Informations-Blättchen mit Aktualitäten. Es gibt Ausflüge wie die Sommerfahrt und den jährlichen Brunch. Einen Grossteil dieser Aktivitäten stemmen Bisang, Vize-Präsident Bätscher und dessen Frau selbst. Dabei möchten sie längst kürzertreten.

Der Verein war ursprünglich Bisangs Idee. Seit er 20 Jahre alt ist, hat er immer Alfa Romeos besessen. 1995 schloss er sich mit 14 anderen zusammen, die seine Leidenschaft für die italienischen Autos teilten und übernahm bis 2009 das Präsidium. Sieben Jahre später hatte sein Nachfolger genug und mangels Alternativen übernahm Bisang erneut. Franz Bätscher war dabei immer an seiner Seite. «Wir arbeiten gut zusammen», erzählt dieser. «Auch mit uns beiden alten Knochen läuft der Laden ganz gut, wir dürften einfach nicht mehr älter werden.»

Dennoch ist spürbar, dass sie sich um die Zukunft sorgen. «Wir wollen nicht, dass unser Club wie ein Altherren-Verein daherkommt.» Denn das sei er überhaupt nicht, betonen die beiden Rentner. Viele Mitglieder seien zwischen 30 und 40 Jahre alt, die Altersdurchmischung sei sehr gut. Doch bis jetzt wollte sich niemand stärker im Verein engagieren. «Heute ist man viel stärker ins Berufsleben eingebunden und hat weniger Zeit für Hobbys», versucht Bisang das fehlende Engagement zu erklären. Doch dieses Mal machen die langjährigen Präsidenten ernst: Bis zur nächsten Generalversammlung muss ein Ersatz her. Gleichzeitig tritt auch die Kassierin aus dem Vorstand zurück. Wenn sich trotzdem niemand fände, würden Bätscher und Bisang das Steuer wohl doch noch für ein weiteres Jahr übernehmen – den Verein im Stich lassen, das kommt nicht infrage.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1