Es gibt Drohnen, die bringen Pakete. Es gibt Drohnen, die überwachen Fussballfans. Es gibt Drohnen, die begleiten Vogelschwärme. Und es gibt Drohnen, die werfen Wespeneier ab. Die Agrardrohnen standen in den letzten Wochen im Dauereinsatz – im Kampf gegen einen fiesen Schädling, der auch die Bauern in der Region Basel plagt: den Maiszünsler.

Entwickelt hat das System, den Maiszünsler aus der Luft zu bekämpfen, ein Betrieb in Aesch. Es ist «UFA-Samen Nützlinge», ein Bereich der Agrargenossenschaft Fenaco, die auch die Landi-Läden betreibt. Die Drohne zur Schädlingsbekämpfung ist ein Erfolgsprodukt. Die Spezialanfertigung wurde erstmals 2012 gebaut und seither stets weiterentwickelt. Landwirte können den Anti-Maiszünsler-Service der UFA mittlerweile bequem online buchen. Dazu tippen sie auf der Webseite der UFA die Koordinaten des Feldes ein, das überflogen werden soll. Danach gibt die UFA die Koordinaten an Pilotenorganisationen weiter, die den Auftrag ausführen.

Millionen von Parasiten, die den Parasiten befallen

Bei der Optidrone, wie die UFA das Fluggerät nennt, handelt es sich um einen Hektakopter, das ist eine Drohne mit sechs Rotoren. Sie hat im Kofferraum eines Kombis Platz. In der Mitte des Gestänges ist die Auslassvorrichtung angebracht, ein durchsichtiger Kunststoffbehälter mit einem Loch. Aus diesem Trichter werden die Kugeln mit den Wespeneiern über den Maisfeldern abgeworfen. Alle sieben Meter eine Kugel reichen für einen effektiven Einsatz.

Eine Drohne fasst 1000 Kugeln. In jeder befinden sich 2000 Eier der sogenannten Trichogramma Schlupfwespen. Sie sind Parasiten – genau das macht man sich in der Landwirtschaft zunutze: Die geschlüpften Trichogramma legen ihre Eier in die Eier des Maiszünslers. Aus den Maiszünslereiern schlüpfen wiederum Trichogramma, die sich erneut auf die Suche nach Eiablagen des Schädlings machen. So kann der Maiszünsler fast vollständig eliminiert werden. Die Optikugeln mit den Eiern sind ebenfalls eine Spezialanfertigung. Sie bestehen aus biologisch abbaubarem Material: Nach einer gewissen Zeit verrotten die Behälter.

Juni und Juli sind Hauptflugzeit des fiesen Falters

Bei UFA in Aesch sind zehn Personen tätig. In den vergangenen Wochen jedoch benötigte die Abteilung, wie immer zu dieser Jahreszeit, viele Temporär- und Aushilfskräfte. Denn in den Räumlichkeiten, die in der Landi in Aesch Nord untergebracht sind, werden die Trichogramma-Eier gezüchtet. Der Maiszünsler wiederum fliegt vor allem im Juni und Juli in die Maisfelder aus, um seine Eier abzulegen.

Aber nicht nur die Trichogramma-Wespen hat UFA als biologisches Pflanzenschutzmittel im Angebot. So gibt es etwa auch Pilze gegen Maikäferlarven und Mauerbienen für die Bestäubung von Steinobst. Drei weitere Arten von Schlupfwespen wiederum machen etwa lästigen Stallfliegen oder gefrässigen Motten in Kleiderschränken das Leben schwer.

Die Dienstleistung der UFA schätzen gelernt hat Christoph Pfirter aus Pratteln. «Das ist eine gute Sache», sagt der Landwirt zur bz. «Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal die Drohne bestellt. Früher trug ich die Trichogramma-Eier von Hand aus. Doch dafür brauchte ich viel länger.» Tatsächlich dauert die manuelle Verteilung der Eier zwanzig Minuten bis eine halbe Stunde pro Hektar. Dann müssen jeweils etliche mit Eiern beklebte Rähmchen, eine Art Kartonkärtchen, an die Pflanzen gehängt werden. Dieselbe Fläche fliegt die Drohne in wenigen Minuten ab.

Multikopter «imprägniert» für 150 Franken pro Hektare

Pfirter sagt, ihm gefalle es auch, dass UFA eine High-Tech-Lösung anbiete: «Die Landwirtschaft hat einen verstaubten Ruf – zu Unrecht.»

Die Drohnen mit den Wespeneiern sind auch deshalb gefragt, weil es in der Schweiz – mit wenigen Ausnahmen – verboten ist, dem Maiszünsler chemisch zu Leibe zu rücken. Laut UFA werden in der Schweiz rund 8500 Hektar Maisfläche mit Trichogramma behandelt. Bei etwa vierzig Prozent der Felder kommen die Multikopter zum Einsatz. Pro Hektare kostet der Flugservice 150 Franken.

Die Wurzeln des Fenaco-Standorts in Aesch Nord gehen auf die Landi Reba zurück, die Landi Region Basel. Schon vor Jahrzehnten begann die Landi Reba damit, nach natürlichen Mitteln gegen Schädlinge zu suchen.

Ein noch junges Angebot von UFA: Spritzdrohnen für den Rebbau. Die Winzer mit Reben an steilen Hängen haben wohl nur darauf gewartet, dass ihnen die Multikopter die Arbeit abnehmen.