Hörbehinderte

Alles unter einem schalldichten Dach

Das Zentrum für Gehör, Sprache und Kommunikation in Aesch ist ein funktionaler Zweckbau.

Das Zentrum für Gehör, Sprache und Kommunikation in Aesch ist ein funktionaler Zweckbau.

Das Zentrum für Gehör, Sprache und Kommunikation ist von Riehen nach Aesch Nord umgezogen.

Es war für das Zentrum für Gehör, Sprache und Kommunikation (GSR) ein langer Weg, bis es gestern seinen Neubau in Aesch Nord eröffnen konnte. Die ehemalige Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen (daher die noch gültige Abkürzung «GSR») wollte ihre drei Standorte Riehen, Bottmingen und Basel ursprünglich in Arlesheim vereinigen. Dort aber erlitt das ausgearbeitete Projekt an der Urne Schiffbruch, wegen gerade mal 35 Stimmen.

Danach fasste der GSR-Stiftungsrat Aesch Nord ins Auge. Doch die Gemeinde war zunächst skeptisch. Denn sie wollte auf ihrem Gewerbegebiet von kantonaler Bedeutung Steuergelder abschöpfen, was bei der GSR kaum möglich ist. Sowohl die Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger als auch GSR-Stiftungsratspräsident Sven Cattelan sprachen an der gestrigen Eröffnungsfeier von «schwierigen Verhandlungen».

Man einigte sich schliesslich auf einen Kompromiss, auf einen Doppelbau mit 8500 Quadratmetern Nutzfläche. Im östlichen Teil befindet sich jetzt die Sprachheilschule mit ungefähr 115 Schülern aus den beiden Basel, aber auch aus Solothurn, dem Aargau und dem Jura. Im anderen Flügel sind der Audiopädagogische Dienst, das Autismuszentrum, die Verwaltung der GSR – und damit die Gemeinde zu ihren Steuereinnahmen kommt, werden 2500 Quadratmeter an externe Gewerbebetriebe vermietet.

Sinkende Schülerzahlen

Gestern zeigten sich alle Beteiligten hoch erfreut über den neuen Standort in Aesch. Inzwischen ist Cattelan sogar «den 35 Stimmbürgern von Arlesheim dankbar», wie er sagte. Denn im Domdorf war die GSR mitten im Siedlungsgebiet in einer Zone für öffentliche Werke geplant. In Aesch hingegen steht es jetzt in einem Gewerbegebiet. Damit sei die GSR flexibler, den Neubau entsprechend einem veränderten Bedarf extern zu vermieten.

Cattelan sprach damit die Schülerzahlen der GSR an, die in den vergangenen Jahren gesunken sind. Grund ist das Sonderpädagogik-Konkordat, demnach Schüler mit Sprachentwicklungsstörungen möglichst in Regelklassen integriert werden sollen. Insbesondere der Kanton Basel-Stadt setzt stark auf Integration, nutzt aber weiterhin Dienstleistungen der GSR. «Der Wegzug aus Basel hat uns erst befremdet», sagte gestern der Leiter der Basler Volksschulen, Dieter Baur. Doch mit dem Standort Aesch kann er sich aufgrund der «erträglichen Distanz» zu Basel einverstanden erklären.

Demgegenüber lobte die Baselbieter Erziehungsdirektorin Monica Gschwind den Willen der GSR, sich weiterhin für Hör- und Sprachbehinderte einzusetzen. «Wir sind stolz darauf, die GSR als anerkanntes und versiertes Fachzentrum in unserem Kanton zu haben», sagte sie. Der Kanton Baselland übernimmt die Aufsicht über die GSR vom Stadtkanton.

Im Arlesheimer Projekt hatte sich die GSR Synergien von der Gemeindeschule unmittelbar nebenan erhofft. Das fällt im Aescher Gewerbegebiet weg, doch Cattelan sagt: «Wir stehen in Kontakt mit lokalen Schulen.» Zudem hat die benachbarte International School Basel (ISB) Interesse an einer Zusammenarbeit gezeigt.

Der Innenraum des Autismuszentrums ist bunt.

Der Innenraum des Autismuszentrums ist bunt.

Zubringer soll Verkehr aufnehmen

Die ISB-Eltern verursachen fast täglich ein Verkehrschaos. Die GSR wird deutlich weniger Verkehr generieren, versichert die Schulleitung. Die meisten Kinder kämen per Sammelbus oder mit dem nahen Tram. Hollinger setzt zudem auf die Verlängerung des Autobahnzubringers bis zum Gewerbegebiet Aesch Nord in den kommenden Jahren. Dieser werde die Verkehrssituation entlasten.

Was die Gemeindepräsidentin besonders freut: Im Gewerbeteil des GSR-Neubaus soll ein Café einziehen. «Das ist genau das, was Aesch Nord braucht.»

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