Gemeinderat

Allschwil knickt ein: Vereine dürfen doch wieder gratis trainieren

Auch Allschwils Volleyballerinnen dürfen sich auf Post von der Gemeinde freuen: Die Hallenmiete für das Jahr 2019 entfällt.

Auch Allschwils Volleyballerinnen dürfen sich auf Post von der Gemeinde freuen: Die Hallenmiete für das Jahr 2019 entfällt.

Nach heftigen Protesten kippt der Gemeinderat die neuen Gebühren für die Miete von Turnhallen und Sportplätzen für einheimische Vereine. Es handlet sich jedoch nur um eine zeitlich befristete Massnahme.

Plötzlich ging es schnell. Allschwil macht einen Rückzieher: Die Gemeinde verzichtet per sofort auf Jahresgebühren für die Benutzung von Turnhallen und Sportplätzen. Die Ausnahmeregelung gilt vorerst fürs laufende Jahr, in ihren Genuss kommen einheimische Vereine. Der Gemeinderat gab seinen Entscheid an der Einwohnerratssitzung vom Mittwochabend bekannt. Es handle sich um eine Sofortmassnahme, sagte Gemeinderat Robert Vogt.

«Wir freuen uns über diesen Beschluss», sagt Rolf Dennler, Präsident der IG Vereine Allschwil-Schönenbuch, zur bz. Die IG wehrte sich von Anfang an gegen die Hallengebühren. Im Oktober reichte sie eine Petition zur Wiederabschaffung ein. Es unterschrieben rund 2100 Personen.

«Wieder ins Gespräch kommen»

Auch viele Einwohnerräte reagierten am Mittwoch sichtlich erfreut auf die Nachricht. Wie die IG hatte auch das Gemeindeparlament mehrfach seinen Unmut über die Tarife geäussert. Eingeführt wurde die revidierte Gebührenordnung per 2018 – unter anderem mit der Begründung, die alten Tarife seien nicht kostendeckend.

Der Gemeinderat verspricht, rasch auf die Vereine zuzugehen. «Wir erachten den Verzicht als richtig und zielführend», sagt Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP). «Jetzt können wir mit den Betroffenen wieder ins Gespräch kommen, unbelastet und ohne Emotionen.»
Rolf Dennler sagt, die IG sei immer offen für den Dialog gewesen. «Wir sind natürlich gespannt, was uns der Gemeinderat vorschlägt.» Für Dennler ist aber auch klar, dass man auf der Kernforderung bestehe: keine Gebühren für Allschwiler Vereine. «Für uns ist jetzt entscheidend: Was passiert im nächsten Jahr?»

Dieser Frage will Nüssli nicht vorgreifen. Dem Gesamtgemeinderat sei jedoch schon seit längerem bewusst gewesen, dass er in der Angelegenheit nochmals über die Bücher müsse. So hatte der Einwohnerrat mehrere Vorstösse überwiesen, welche die Unterstützung der Vereine zum Thema hatten. Den Verzicht auf die diesjährigen Hallen- und Platzmieten beschloss der Gemeinderat am Dienstagabend.

Neue Gebühren für die Miete von Gemeindeinfrastruktur haben im Baselbiet einen schweren Stand. Allschwil war die erste Gemeinde im Landkanton, die es wagte, auch die Einheimischen zur Kasse zu bitten – andernorts scheiterten solche Versuche im frühen Stadium, jüngst etwa in Muttenz: 2017 wollte der Gemeinderat für Hallen und Plätze neu auch von den lokalen Vereinen Geld eintreiben. Doch die Betroffenen bodigten die neue Gebührenordnung an der Gemeindeversammlung.

Gegen den «Hallentourismus»

Für die an Basel grenzenden Gemeinden besteht ein gewisser Handlungsdruck. Da Basel die Nutzung seiner Infrastruktur in Rechnung stellt, weichen Vereine gerne ins Umland aus. Allschwil versuchte schon früher, dem «Hallentourismus» Einhalt zu gebieten – mit der Vorschrift, dass die Mehrheit der Vereinsmitglieder in der Gemeinde wohnen müssen. In Basel-Stadt wiederum kommt die gegenteilige Forderung auf: Lokale Vereine sollen gratis trainieren dürfen, fordert die SP.

Auch in Allschwil wurden die lokalen Anbieter bevorzugt bei der revidierten «Gebührenordnung für öffentliche Anlagen und Gebäude». Die Vereine aus dem Dorf gehören zur tiefsten von drei Tarifgruppen. Weiterhin nichts bezahlt hätten Allschwiler Kinder und Jugendliche. Die Tarife wurden gestaffelt eingeführt. 2018 war erst ein Drittel des Betrags zu bezahlen, 2019 zwei Drittel, 2020 die volle Summe.

Allschwil entgehen laut Nüssli durch den Verzicht Einnahmen im mittleren fünfstelligen Bereich. «Doch wir sparen auch Geld: Es entfällt Aufwand für Verwaltung und Rechnungsstellung.»

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