Bachgraben

Allschwil rüstet mit 6000 neuen Stellen auf: KMU fühlen sich bedroht

Beim Wirtschaftsförderungsanlass 2019 wird diskutiert.

Beim Wirtschaftsförderungsanlass 2019 wird diskutiert.

Im Allschwiler Bachgraben sollen 6000 neue Jobs entstehen. Was eigentlich wie eine gute Nachricht klingen soll – doch das begrüssen nicht alle.

«Wenn neue Unternehmen nach Baselland ziehen, ziehen sie nach Allschwil», sagt Christof Klöpper. Der Geschäftsführer von «Basel Area Swiss», der Innovationsförderung und Standortpromotion der Kantone Basel-Stadt, Baselland und Jura, weiss, wovon er spricht: Kein Wirtschaftsstandort in der Nordwestschweiz soll in den kommenden Jahren derart wachsen wie das Gebiet Bachgraben an der Grenze zu Basel, wo mit 6000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet wird.

Am diesjährigen Wirtschaftsförderungsanlass am Mittwochabend sprachen Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli und der Chef der kommunalen Bauverwaltung, Adrian Landmesser, vor Vertretern aus Politik, Verwaltung und KMU von Allschwil und Schönenbuch über die Auswirkungen dieses enormen Wachstums auf die Infrastruktur in Allschwil. Für das Podium hatten sie neben Klöpper Vertreter des Kantons eingeladen.

Roland Naef als Präsident der KMU Allschwil-Schönenbuch äusserte sich kritisch zu den Plänen der Gemeinde. Die KMU, befürchtet Naef, würden aus Allschwil verdrängt, würden tatsächlich 1000 neue Wohnungen in der Gemeinde gebaut – ein Bedarf, von dem die Planer bei 6000 neuen Arbeitsplätzen ausgehen.

Mögliches Klumpenrisiko Life Sciences

Naef sprach sich vor allem gegen Mischzonen aus, wie sie auch für die Bebauung der Alten Ziegelei in der Binningerstrasse geplant sind. Das Nebeneinander von Wohnungen und Gewerbe werde nicht funktionieren: «Da genügen zwei Lärmbeschwerden aus der 6000-Franken-Wohnung; und die Schlosserei nebenan ist geschlossen.» Ausserdem warnte Naef vor einem Klumpenrisiko im Bereich Life-Science im Bachgraben: «Actelion kann ganz schnell weg sein.» Alternativen für die jetzige Planung hatte Naef auf Nachfrage allerdings nicht.

Nüssli wies darauf hin, dass die Gemeinde drei Planungsbüros mit der nochmaligen Prüfung des Konzepts der Mischzone in der Binningerstrasse beauftragt habe. Mit der Mischnutzung wolle die Gemeinde die Mietpreise für Gewerbebetriebe bezahlbar halten: «Nicht nur der Lärm, die Preise sind genauso ein Grund, warum das Gewerbe immer mehr an den Rand gedrängt wird.» Ausserdem gebe es im Bachgraben noch freie Flächen, auf denen sich die Gemeinde eine Zone für die heimische KMU, etwa ein Gewerbehaus, vorstellen könne.

Landmesser betonte, Allschwil habe auch ausserhalb der Alten Ziegelei Potenzial für Verdichtung, um einen Teil der 1000 neuen Wohnungen zu schaffen. «Wir versuchen, vorbereitet zu sein», sagte Nüssli: Das Regionale Entwicklungskonzept Allschwil 2035 (REK) umfasst auch die Bereiche Bildung und Siedlungsqualität. Nüssli erinnerte daran, dass dem Gemeinderat vom Einwohnerrat «Grössenwahnsinn» vorgeworfen worden sei, als er die neue Schule Gartenhof geplant habe: «Nach nur drei Jahren sind die Kapazitäten dort bereits ausgeschöpft.»

«Beim Fuss- und Veloverkehr muss im Bachgraben sehr viel passieren»

Den grössten Teil der Podiumsdiskussion nahm das Thema Verkehr ein: Gemeinde und Kanton sehen den «wichtigsten Mosaikstein» im geplanten Autobahnzubringer zur A3 – ein Bauwerk, von dem Naef nicht glaubt, dass es je gebaut wird. Nüssli hingegen geht von der Fertigstellung innert fünf Jahren aus. Teil des «Gesamtmobilitätsplans» der Gemeinde zusätzlich zum REK ist laut Nüssli und Landmesser zudem der Ausbau des Hegenheimermattwegs und des Grabenring-Kreisels. Landmesser räumte ein: «Beim Fuss- und Veloverkehr muss im Bachgraben sehr viel passieren.»

Ein weiterer wichtiger Standortfaktor, vor allem für global tätige Firmen, ist laut Klöpper eine gute öV-Anbindung an die Bahnhöfe SBB und St. Johann. Laut Daniel Schoop vom Amt für Öffentlichen Verkehr der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD), wird das Angebot bislang aber nur mässig genutzt.

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