Es hätte noch schlimmer kommen können. Heutige Luftfahrtexperten wie der Basler Patrick Schlenker bezeichnen es als «Wunder», dass der Grossteil der Besatzung die Bruchlandung der «Lazy Baby» überlebt hat. Von der zehnköpfigen Besatzung bezahlte einzig der Navigator Donald Rowley den Flug mit seinem Leben. Der 22-jährige Leutnant der US-Luftwaffe gehörte damit zu den 590 getöteten Besatzungsmitgliedern des fatalen Luftangriffs auf die deutschen Kugellagerwerke in Schweinfurt.

Man schrieb den 14. Oktober 1943, die schwerste Niederlage der 8. US-Luftflotte im Bombenkrieg über Europa. Die Luftwaffe und Fliegerabwehr Nazi-Deutschlands war auf dem Höhepunkt ihrer Stärke, die alliierten Jagdmaschinen technisch noch nicht so weit, dass sie ihren Bombern während des ganzen Fluges hätten Begleitschutz geben können. Haarsträubende 77 von 291 eingesetzten B-17-Bombern kehrten von der «Mission 115» nicht oder nur schrottreif nach England zurück. Von den 15 Maschinen der 305. Bombergruppe, zu denen auch die «Lazy Baby» gehörte, überstanden ganze drei den deutschen Kugel- und Raketenhagel. Danach sprach man angesichts des Fiaskos nur noch vom «Schwarzen Donnerstag» der US-Air-Force im Zweiten Weltkrieg.

Tief ins Bewusstsein eingeprägt

Die Notlandung der «Lazy Baby» nahe des Schlatthofs zwischen Aesch und Ettingen hat das Datum tief ins Bewusstsein der Region Basel eingepflanzt. Der Grenchner Militärluftfahrt-Historiker Peter Brotschi hat im Vorwort seines Buches «Gebrochene Flügel» (Orell Füssli, 2006) festgehalten, dass sich Flugzeugabstürze in betroffenen Gemeinden fest einprägen, und Augenzeugen sich noch nach Jahrzehnten präzise an die Vorfälle erinnern können, die Dorfgemeinschaften «wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel» aus dem Alltag herausgerissen haben.

Das trifft in keinem geringen Mass auf die spektakuläre Notlandung der «Fliegenden Festung» im Birseck zu. In den vergangenen 70 Jahren sind die Ereignisse von damals in zahlreichen Artikeln und Publikationen nacherzählt worden. Extra für die bz haben die beiden Augenzeugen René Salathé und Anton Haller ihre Erinnerungen niedergeschrieben (Seite 24). Bereits 1995 enthüllten interessierte Kreise um Werner Gallusser und Jean-Pierre Wilhelm beim Schlatthof ein Denkmal, das seither immer wieder Schauplatz von Gedenktagen und Besuchen von Angehörigen der ehemaligen Besatzungsmitglieder gewesen ist. Zum 70. Jahrestag am kommenden Montag findet eine öffentliche Veranstaltung statt, die von Aesch und Ettingen unterstützt wird (siehe Box).

Maschinengewehr als Souvenir

Was die Besatzung der «Lazy Baby» angeht, so hatte die Crew von Oberleutnant Edward Dienhart allen Grund, sich später gerne und dankbar an ihre Internierung in der Schweiz zurückzuerinnern. Der nach einem Raketentreffer über Aachen tödlich verwundete und blutüberströmte Navigator Rowley wies Dienhart mit letzter Kraft die Fluchtroute in die Schweiz. Nachdem die übrig gebliebene Besatzung aus der schwerbeschädigten Maschine alles an Ballast hinausgeworfen hatte, was nicht niet- und nagelfest war, glückte dem Piloten nach mehrmaligem Kreisen gegen 15.30 Uhr die Notlandung auf einem Kartoffelacker neben dem Schlatthof – selbst nach heutigen Massstäben eine fliegerische Meisterleistung.

Unmittelbar danach begannen neugierige Zivilisten und Militärs zum Flugzeugwrack zu strömen. Unter den zahlreichen Geschichten, die sich um die Notlandung ranken, sticht jene des Ettinger Landwirts Leo Brodmann hervor, der ein ausgebautes Browning-Maschinengewehr von der Absturzstelle als «Souvenir» entwendete, bei sich vergrub, den ausgedehnten Suchaktionen und Verhören der Behörden entging und die Waffe erst 1987 wieder zum Vorschein brachte. Die Überlebenden der «Lazy Baby» ihrerseits verbrachten den Rest des Krieges in einem Internierungslager in Adelboden und kehrten 1945 in die USA zurück.