Reformierte Kirche

Als wäre nichts gewesen: Pfarrerin Sabine Brändlin nach Eklat mit Godi Locher in Liestal auf Kurs

Trotz allem: Sabine Brändlin will in der Synode bleiben.

Trotz allem: Sabine Brändlin will in der Synode bleiben.

Die Baselbieter Pfarrerin Sabine Brändlin sorgte für nationalen Wirbel. Das schadete ihrer Nomination in Liestal als Synodale aber kaum.

Noch ist der Flächenbrand, den die Baselbieter Pfarrerin Sabine Brändlin bei der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) mitverursacht hat, bei Weitem nicht gelöscht. Dort ist die 47-Jährige im April Knall auf Fall und ohne Erklärung aus dem Rat, der Regierung der EKS, zurückgetreten. Erst in den Folgemonaten wurde bruchstückweise bekannt, dass sie eine längere Beziehung mit dem mittlerweile ebenfalls zurückgetretenen Ratsvorsitzenden Gottfried Locher hatte, welche die beiden vor den übrigen fünf Ratsmitgliedern geheim hielten.

Nach dem Ende der Beziehung letzten Herbst behandelte Brändlin zusammen mit der Ratsvizepräsidentin dann trotz ihrer eigenen Vergangenheit eine Beschwerde einer ehemaligen Kirchenmitarbeiterin gegen Locher wegen «Grenzverletzungen». Sie reüssierten im Rat aber mit ihren Anträgen nur teilweise, weshalb Brändlin dann eben demissionierte. Was es mit diesen «Grenzverletzungen» auf sich hat, liegt wie vieles andere in der EKS noch im Dunkeln und wird derzeit untersucht.

Antrag auf Aufschiebung von Brändlins Wahl ungültig

Das ist der Hintergrund, der Mitte Juli auch in die Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirche Liestal-Seltisberg hineinspielte. Dort stand nebst etlichen andern Geschäften die Nomination der drei Synodalen an, die der Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg für die nächste Legislatur von Anfang 2021 bis Ende 2024 im kantonalen Kirchenparlament zustehen.

Eine der drei wieder kandidierenden Frauen heisst – Sabine Brändlin. Und das sorgte für Opposition: Kirchenmitglied Silvio Steiner reichte im Vorfeld der Versammlung den Antrag ein, Brändlins Wahl zurückzustellen, bis die Vorkommnisse in der EKS geklärt sind.

Doch Kirchenpflegepräsidentin Katharina Wahl liess nicht über den Antrag abstimmen, weil er ungültig sei. Auf Nachfrage erklärt sie: «Herr Steiner reichte seinen Antrag zu spät ein, das heisst drei statt wie vorgeschrieben zehn Tage vor der Versammlung. Und der Antrag war inhaltlich ungültig.» Denn eine Annahme hätte dazu geführt, dass Liestal seine drei Sitze nicht von Beginn weg hätte besetzen können. «Die Abklärungen in der EKS können noch zwei bis drei Jahre dauern. Entsprechend verkürzt wäre Sabine Brändlins Amtsperiode ausgefallen», so Wahl. Und das gehe nicht.

Begründung für ihre Kandidatur ist nicht bekannt

Die Hürde Nomination nahm Brändlin problemlos, nachdem sie der Versammlung ihre erneute Kandidatur trotz der Geschehnisse bei der EKS begründet hatte. Wie Brändlin argumentierte, wissen wir nicht. Denn sie war für die bz diese Woche trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar, und Wahl wollte sich nicht zu Brändlins Rede äussern. Laut der Kirchenpflegepräsidentin wurde Brändlin von den 32 Stimmberechtigten «grossmehrheitlich bei drei Enthaltungen» gewählt.

Die beiden andern Kandidatinnen – Wahl selbst und Christina Stingelin – schafften die Nomination einstimmig. Weil die Versammlung stille Wahl als Wahlmodus beschloss, dürfte es zu keinem Stimmungsbild im grösseren Rahmen für oder gegen Brändlin kommen. Es sei denn, es würden sich bis Ende August noch zusätzliche Kandidaten melden; dann käme es am 27. September zu einer Urnenwahl.

Einsprache gegen Wahlprozedere zurückgezogen

Nicht zufrieden mit dem Prozedere an der Kirchgemeindeversammlung war Antragssteller Silvio Steiner: Er erhob dagegen beim Kirchenrat Einspruch. Dabei bezog er sich auf Artikel 12 der Kirchenverfassung, in dem es heisst, dass bei Wahlen das geheime Wahlverfahren gilt. In Liestal sei dagegen offen gewählt worden. Doch nach einem Gespräch mit der Leitung der Kantonalkirche zog er seine Einsprache zurück. Für ihn sei die Verfassung unklar, sagt Steiner.

Kirchenratspräsident Christoph Herrmann erläutert: «Das Ganze ist etwas knifflig. Denn die Frage heisst: Wird an einer Versammlung gewählt oder nominiert für eine Wahl.» Bei der Kürung der Synodalen handle es sich um eine Nomination zuhanden des Wahlkörpers, unabhängig davon, ob dieser dann sein Recht in einer stillen Wahl oder einer Urnenwahl wahrnehme. Eine Nomination aber müsse nicht geheim durchgeführt werden.

Auf die staatlichen Institutionen übertragen heisst Brändlins Switchen zwischen den kirchenpolitischen Ebenen: Sie demissioniert unter heftigen Nebentönen als Bundesrätin und politisiert im Landrat weiter. Was eigentlich unvorstellbar ist.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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