Plötzlich ist alles grün. Wohnblocks machen blühenden Wiesen Platz, später breiten sich am Strassenrand Reben aus. Der Verkehrslärm des Dorfzentrums verschwindet, es ist nur das Zirpen der Grillen und Summen der Bienen zu hören. Am Ende der Strasse durch das Aescher Weinbaugebiet ist das Weingut Tschäpperli zu finden. Es ist seit 400 Jahren hier.

«Und seit 400 Jahren ist es im Besitz der Familie», betont Dieter von Blarer, gemeinsam mit Ulrich Baenninger Geschäftsführer von Tschäpperli Weine. Der Fürstbischof von Basel mit Sitz in Pruntrut hatte der Familie Blarer von Wartensee 1619 den «Klushof und dessen Zugehört» als Erblehen übergeben. Dieter von Blarer zitiert den Lehensbrief: «Als Zins mussten sie jedes Jahr ‹Fünf Saum (675 Liter) Cluserwein vom Vorschuss also suess von der Trotten› abliefern.»

Enteignung und Flucht bei Einmarsch der Franzosen

Das Weingut wurde in der Familie weitergegeben – bis zum Einmarsch der Franzosen 1792, als die von Blarers enteignet wurden und fliehen mussten. «Das war die einzige Zeit, in der es nicht im Familienbesitz war», sagt Christoph von Blarer, der Bruder des Geschäftsführers. Nach dem Tod ihres Mannes Jakob von Blarer kehrte Maria Gabriele Rotberg 1815 nach Aesch zurück. Ein Teil der Güter wurde ihr zurückerstattet, einen Teil musste sie sich erkämpfen und einen Teil mit den Reparationszahlungen der Franzosen – sogenannte Assignate – zurückkaufen.

Das Weingut blieb im Besitz der Familie, während sie sich durch die Basler Trennungswirren kämpfte – Maria Gabriele Rotbergs Sohn Anton gehörte zu den Anführern der Baselbieter Aufständischen.

In der nächsten Generation versuchte sich Arnold von Blarer neben dem Weinbau am Bierbrauen – und endete im Konkurs. Seine Schwiegermutter erwarb darauf seinen Anteil am Weingut aus der Konkursmasse. «Zum zweiten Mal innert 100 Jahren hat eine Frau das Tschäpperli für die Familie gerettet», sagt Dieter von Blarer. Sein Grossvater und die Grosstante Bertha waren die nächsten Eigentümer des Weinguts, bevor sein Vater Christoph von Blarer und seine Tante Marianne übernahmen.

Für den Wein ist ein Profi zuständig

Einen gewissen Druck, das Geschäft vom Vater zu übernehmen, habe es schon gegeben, erzählt Dieter von Blarer. «Den habe ich wahrscheinlich weniger gespürt als ihr Männer», sagt Marie-Thérèse von Blarer do Norte. Sie und Christoph von Blarer hätten damals weder Interesse noch die finanziellen Möglichkeiten gehabt. Gemeinsam mit dem Betriebsleiterehepaar Ueli und Barbara Bänninger führen Dieter von Blarer und seine Frau Steffi Wirth von Blarer das Weingut Tschäpperli seit 1986. Von Blarer, der als Anwalt tätig war und dies heute wieder ist, kaufte seinem Vater und seiner Tante das Tschäpperli 1990 ab. Wie es nach ihm weitergeht, ist noch offen.

Am 7. September feiern die von Blarers und Bänningers das 400-Jahr-Jubiläum mit einem offenen Haus: «Mit Geschichten aus all den Dokumenten, die wir noch haben», sagt von Blarer. «Und Sängern, die alte Sauflieder singen.»