Niemand kann Susanne Leutenegger Oberholzer etwas vormachen. Zumindest nicht beim Tanz auf dem politischen Parkett. Die 66-jährige Sozialdemokratin bringt es – wenn auch mit Unterbruch – mittlerweile auf über 18 Jahre im Nationalrat. Samira Marti hingegen ist erst 20 Jahre alt. Als Co-Präsidentin der Juso Baselland steht sie am Anfang ihrer politischen Karriere – und kann nun von Leuteneggers Know-how ganz direkt profitieren. Möglich macht dies das Mentoring-Programm der Baselbieter SP, das im Februar startete.

18 Sozialdemokraten haben sich dafür angemeldet. Auswahlkriterium war dabei nicht nur das Alter, sondern generell das Interesse, sich weiterentwickeln zu wollen. «Gemeldet haben sich Leute, die Ambitionen haben, in der SP eine stärkere Rolle zu übernehmen», sagt Landrat und Parteisekretär Ruedi Brassel, der das Programm nach 2010 zum zweiten Mal organisiert hat. Dieser Rhythmus ist kein Zufall: «Natürlich steckt eine gewisse Dramaturgie dahinter», sagt Brassel. Die SP wolle jeweils vor den Gesamterneuerungswahlen von Landrat und Nationalrat (2015) sowie den Einwohner- und Gemeinderäten (2016) mögliche Kandidaten aufbauen. «Es ist aber sicher kein ‹Heranzüchten›, sondern lediglich das Öffnen von Perspektiven», betont Parteisekretär Brassel.

Marti bietet sich für Landrat an

Perspektiven hat Samira Marti zweifellos. Und Ambitionen. «Ich möchte gerne für den Landrat kandidieren. Dazu stehe ich», sagt sie selbstbewusst. Gleichzeitig betont sie, dass sie nicht wegen prestigeträchtiger Ämter in die Politik eingestiegen sei, diese aber Mittel zum Zweck seien, die eigenen Anliegen zu verwirklichen. Und Susanne Leutenegger Oberholzer soll ihr dabei helfen.

Das wird diese auch tun: «Ich finde es unumgänglich, dass junge Politikerinnen ihre Ambitionen äussern.» Dies sei für die SP im Hinblick auf 2015 sehr wichtig. Und Leutenegger fügt nicht ganz humorfrei an: «Ich glaube, über eine gewisse Erfahrung zu verfügen.» Nächste Woche steht das erste Treffen an. Viele weitere werden über das ganze Jahr verteilt folgen. Am liebsten würde Leutenegger Marti überall mitnehmen, ihr alles zeigen. «So lernt man am schnellsten dazu.» Sicher auf dem Programm stehen wird ein Besuch des Nationalrates. Das hofft auch Marti. «Ich möchte die Arbeit in einem Parlament kennenlernen. Wie schafft man es etwa, mehrheitsfähige Lösungen zu finden, ohne die eigenen Grundwerte zu verleugnen?»

Es ist offensichtlich, dass sich hier zwei Frauen gesucht und gefunden haben. Marti nennt Leutenegger «eine beeindruckende Person». Und: «Sie blieb immer standhaft, verweichlichte nicht wie andere und setzte sich als Frau in der von Männern dominierten Politik durch.» Leutenegger ihrerseits hatte nur eine Bedingung, welcher Schützling ihr zugeteilt wird: Es musste eine Frau sein.

Nur die SP hat so ein Programm

Die 66-Jährige mag die Mentorin mit der grössten politischen Erfahrung sein. Die Einzige ist sie aber beileibe nicht. Neben vielen SP-Landräten – etwa Brassel, Pia Fankhauser oder Martin Rüegg – und Kommunalpolitikern hat auch Leuteneggers Nationalratskollege Eric Nussbaumer einen Schützling übernommen. Es ist der zweite Co-Präsident der Juso, Jan Kirchmayr.

Dieser sei bereits einem Tag nach Bern schnuppern gekommen, berichtet Nussbaumer. «Jan ist ein politisch denkender Mensch, hat das Gespür dafür und sicher das Potenzial, weitere politische Ämter zu übernehmen.» Er wolle ihn unterstützen, nicht aber bevormunden: «Ich sage ihm sicher nicht, was für eine Politik er machen soll.» Auch wenn das Mentoring-Programm nur ein Teil der Nachwuchs-Förderung der SP ist – es hat Erfolg. Brassel: «Wenn sich andere Parteien dafür interessieren, können sie sich gerne bei mir melden.»