Glaubt man Politikern, gibt es in Allschwil derzeit nur ein Thema: die neue Gebührenordnung für die Benutzung von öffentlichen Anlagen wie Aulen und Turnhallen. Die Vereine klagen, die neue Abgabe bringe sie an den Rand des Ruins, so etwa «Badminton für alle». Der Vereinspräsident schreibt in einem Leserbrief im «Allschwiler Wochenblatt»: «Bisher konnten wir es uns sogar leisten, mit unserem bescheidenen Mitgliederbeitrag von 30 Franken pro Jahr ab und zu einen kleinen Umtrunk abzuhalten. In Zukunft werden wir uns das nicht mehr leisten können.» In einem anderen Brief heisst es: «Geschätzte, vom Volk gewählte Amtsträgerinnen und Amtsträger, beheben Sie diesen Unsinn!»

Der Wunsch wurde erhört. Das Orts-Parlament will den Betroffenen entgegenkommen. Der Einwohnerrat hat an seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause ein Postulat der FDP überwiesen. Es fordert den Gemeinderat dazu auf, die Gebühren zu überarbeiten. Am besten so, dass Allschwiler Vereine in die Tarifgruppe 0 verlegt werden. Sie könnten dann sämtliche Räume, Flächen und Anlagen im Gemeindeeigentum gratis nutzen – wie zuvor.

Immer wieder verschoben

Der Widerstand kam erst spät, aber er war dafür umso heftiger. Der Gemeinderat beschloss die neue Gebührenordnung bereits 2016. Die angepassten Tarife hätten ursprünglich bereits per August 2017 gelten sollen. Doch nach Protesten von Vereinen verschob der Gemeinderat die Einführung auf den 1. Januar 2018.

Damit nicht genug. Für die Allschwiler Vereine gab es eine Abfederung. Für sie wird die Gebührenerhöhung gestaffelt eingeführt. Im ersten Jahr haben die Mieter 30 Prozent der regulären Gebühr zu bezahlen, im zweiten 60 und im dritten 90 Prozent. Der volle Betrag ist also erstmals im Jahr 2021 fällig.

Weshalb kommt der Aufschrei so spät? Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP) hat eine Erklärung: «Die Vereine haben die Rechnung erhalten. Jetzt sehen sie konkret, welche Belastung auf sie zukommt, und sie verschaffen sich Gehör.» Der Gemeinderat werde, wie es das FDP-Postulat vorschlage, die Gebührenordnung überprüfen. Dafür hat er ein Jahr Zeit ab Überweisung des Antrags.

Nüssli verspricht, der Gemeinderat werde die Prüfungsphase demnächst einläuten. Für die Allschwiler Vereine bleibe aber vorerst alles beim Alten: «Die Gebührenverordnung bleibt gültig, die Rechnungen sind zu begleichen.» Begründet wurde die neue Gebührenordnung damit, dass die bestehenden Beträge weder kosten- deckend noch marktüblich seien. Zudem hätten umliegende Gemeinden höhere Gebühren, das könne zu einem Hallentourismus führen – so würden gerade Sportvereine dazu verleitet, sich in Allschwil anzumelden, um günstig an Turnhallen heranzukommen.

Bereits bei den ursprünglichen Entwürfen waren drei Tarifgruppen vorgesehen. Ortsansässige Mieter hätten weniger bezahlt als auswärtige, der teuerste Tarif wäre kommerziellen Anbietern in Rechnung gestellt worden. Schon von Beginn an gab es auch die Tarifgruppe 0 für Kinder und Jugendliche: Sie hätten in jedem Fall weiterhin gratis proben und trainieren dürfen.

Mit Subventionen verrechnen?

Kritiker der neuen Gebührenordnung beklagen auch, dass umliegende Gemeinden ihren Vereinen die Mietgebühren erlassen würden. In Bottmingen und Oberwil ist das der Fall, in Binningen teilweise. Laut Gemeindepräsidentin Nüssli könne man die Situation aber nicht 1:1 vergleichen. Allschwil richte, anders als viele andere Gemeinden im Leimen- und Birstal, Subventionen an die Vereine aus. Es fliesse also auch Geld von der Gemeinde an die Vereine.

Ursprünglich war vorgesehen, mit den Benutzungsgebühren rund 60 000 Franken pro Jahr einzunehmen. Der jährliche Förderbeitrag an Vereine beträgt rund 100 000 Franken. Deshalb wird auch immer wieder vorgeschlagen, die Nutzungsgebühr mit der Fördergebühr zu verrechnen.

Die SP Allschwil rät von einer solchen Vermischung ab. Sie schreibt in einer Medienmitteilung, das Verursacherprinzip sei richtig – wer eine Einrichtung nutze, solle dafür bezahlen. Doch auch die SP will den Vereinen unter die Arme greifen. Sie schlägt vor, die Förderbeiträge zu erhöhen.