Sissach

An der Fasnacht werden Nachbarn mit satirischen Giftpfeilen eingedeckt

An der Fasnacht ist (fast) alles erlaubt. Die Bezirksmetropole Sissach konnte sich am Umzug kleine Spitzen gegen Zunzgen und Gelterkinden nicht verkneifen.

Der Strichcode, die Sissacher Begegnungszone, kommt, was den Fasnachtsumzug betrifft, wie massgeschneidert daher. Wie in den Vorjahren säumten Tausende die Ränder der Strassen und Gassen der Innenstadt der Oberbaselbieter Bezirksmetropole, um der fasnächtlichen Streetparade beizuwohnen. Mit 72 Formationen, die sich auf 51 Wagen, 13 Guggen und 7 Cliquen verteilten, hat der Umzug wohl die logistische Obergrenze erreicht.

Lokale und regionale Ereignisse der letzten dreizehn Monate nahmen bei den Sujets breiten Raum ein. Einigen Spott mussten nicht unerwartet der liebe Nachbar Zunzgen hinnehmen. Der bundesrätliche Besuch von Micheline Calmy-Rey an der Bundesfeier am Fusse des Büchels fand zur Schadenfreude der Sissacher bekanntlich doch nicht statt.

Die Nuggi Clique Sissach nützte dies genüsslich aus und widmete dem verhinderten Besuch gleich noch einen Vers mit einem Seitenhieb auf Gemeindepräsidentin Ruth Sprunger, Titel: «E Sprung im Büchel».

Gefundene Fressen

Tröstlich für die Zunzger: Satirische Giftpfeile wurden über die Köpf der Böckter hinweg auch nach Gelterkinden abgeschossen. Dort war die Badi und das Wasser, das in der Ergolz seine Spuren hinterliess, ein Thema. Ein gefundenes Fressen für mehrere Formationen war auch die Theaterabstimmung.

Die Schluckspächte Oltingen, jedes Jahr für eine Überraschung gut, sind froh, die Theaterfäden inskünftig selber ziehen zu können und demonstrierten dies auf ihrem Wagen mit einem Kasperlitheater. Auch gaben sie noch einen Vers zum Besten: «Das Gstürm wäg dene 17 Millione isch verbi. Bi eus bisch scho mit 20 Stutz als Passiv derbi.»

Grandiose Wagenschau

Die Räbhübel-Schlurgi freuten sich sichtlich, dass Lidl in Böckten bald Einzug halten wird und die, abgesehen vom Hosenladen, ladenlose Zeit des Dorfes beenden wird. Auf internationaler Ebene war es Berlusconi, der mit Gespielin Ruby aufkreuzte und sich auf der Sissacher Vergnügungsmeile zum Gespött machte.

Eine ganze Anzahl Cliquen und Guggen feierten einen runden Geburtstag. Die Gugge der Fasnachtsgesellschaft Sissach wird heuer ein halbes Jahrhundert alt und legte sich extra eine goldene Galauniform zu. 30 Lenze auf dem Buckel haben die Ergolzglungge-Waggis. Vergleichsweise jung mit 25 Jahren sind die Republikaner Glünggi aus, der Name sagt es, der Republik Diepflingen. Die Note Heuer aus Witterswil hatten noch nicht genug von ihrer Fasnacht und feiern nun wacker im Baselbiet weiter nach dem Motto «8611 – Mir jubiliere». Der Umzug in Sissach ist auch stets eine Schau der Wagen. Die Guggä-Rugger aus Buus läuteten vor Jahren den Boom mit einem Riesenmotorrad ein. Heuer stellten sie sich auf einem gewaltigen Wagen als Kelten vor. Kaum kleiner war das Piratenschiff der Räblüs aus Wintersingen. Schreckliches widerfuhr der «Volksstimme». Die Gruppe Chatanga trat als Drachen auf mit dem Motto «Mir frässe dVolksstimm». Wie das gemeint ist, blieb offen. Der Drache beschränkte sich auf das Verspeisen einer Zeitung.

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