Dem verweigerten Händedruck zweier muslimischer Sek-Schüler sei Dank: Die ganze Welt kennt jetzt Therwil in «Basel-Country». Nachdem internationale Medien zwischen Washington und Sydney ausführlich über den Fall berichtet haben, ist die Baselbieter 10'000-Einwohner-Ortschaft ins allgemeine Bewusstsein gerückt.

Bloss hat sich für die Leimentaler Agglo-Gemeinde diese neu erlangte Popularität in erster Linie als Belastung herausgestellt. Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und selbst die Bürgergemeinde wurden mit zahlreichen, oftmals sehr beleidigenden Zuschriften eingedeckt. Zeitweise standen die Telefone auf der Verwaltung nicht mehr still. Da konnte Gemeindepräsident Reto Wolf in den vergangenen Tagen noch so oft wiederholen, dass die Gemeinde nichts mit dem Fall zu tun hat, weil die Trägerschaft der Sekundarschule im Gegensatz zu jener der Primarstufe beim Kanton liegt.

Ganz anders in Ettingen. Was die Händedruck-Geschichte angeht, so gleicht Therwils Nachbar einer Oase der Stille und Beschaulichkeit. Gemeindepräsident Kurt Züllig weiss laut eigenen Angaben nichts von «nennenswerten» Reaktionen. Medienanfragen, geschweige denn ausländische, sind nicht überliefert. Ebenso wenig wie sein Amtskollege Wolf sieht er für Gemeinderat oder Gemeindeverwaltung irgendeinen Handlungsbedarf. An der gestrigen Gemeinderatssitzung war der verweigerte Händedruck kein traktandiertes Thema, wenngleich dieser selbstredend für Gesprächsstoff sorgte.

Ein Fall für die Gemeinde

Das alles wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn Ettingen tatsächlich nicht viel mehr als eine von einem halben Dutzend Therwiler Nachbargemeinden wäre. Doch eigentlich ist Ettingen ein Hauptort des Geschehens. Die Familie und die beiden muslimischen Brüder wohnen in Ettingen, ebenso ist die Ettingerin Christine Akeret Präsidentin des gemeinsamen Sekundarschulrats, in dem drei Vertreter aus Ettingen und vier aus Therwil Einsitz haben. Das Pech der Therwiler war einfach, dass einst entschieden wurde, die gemeinsam betriebene Sekundarschule Therwil-Ettingen ins Therwiler Känelmatt-II-Schulhaus einzuquartieren. Also bekam in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit der Händedruck-Verweigerung Therwil das gesamte Fett ab, während Ettingen elegant auf Tauchstation gehen konnte.

Gemeindepräsident Kurt Züllig verhehlt nicht, dass er froh ist, dass dieser Kelch an Ettingen vorübergegangen ist: «Das hätten wir nicht auch noch gebraucht.» Natürlich kennt er besagte muslimische Familie. Bevor die unabhängige Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde entstand, hatte die Gemeinde mit ihr zu tun. Zu den genauen Gründen will Züllig aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nichts sagen.