Draussen ist es eisig kalt. Drinnen im Schloss Ebenrain in Sissach herrscht eine lockere Stimmung. 84 Leute treffen sich zum ersten Qualifikationsturnier um den bz-Jasskönig 2018 – eher Ältere und erstaunlich viele Frauen. Jassen sei tendenziell eher männerlastig, meint Turnierleiter Dominik Hadorn. Gut vertreten ist die landrätliche SP-Fraktion.

«Du hättest nicht Herz bringen sollen!» «Da kannst du nichts machen, wenn die anderen so gute Karten haben!» «Ich habe nur sechs Karten!» «Das darf man nicht fragen, da muss man schauen!» Das Turnier läuft. Nach den einzelnen Schieber-Partien wird an den 21 Tischen stets analysiert, diskutiert und gelacht. Während der Spiele ist der Wortwechsel karger. In der ersten von drei Passen je zwölf Spiele läuft es der 70-jährigen Verena Lauener aus Lupsingen zu Beginn «recht gut». Später habe es einen Match gegen sie gegeben, die Begegnung endet schliesslich fast ausgeglichen.

Thomas Leisibach an der Spitze

Aus dem Fricktal angereist ist Thomas Hollinger, der AZ-Jasskönig von 2017. Über die Jasskünste der Baselbieter kann der 60-Jährige nicht viel sagen. «Es hat sicher Leute dabei, die nicht so gut jassen, aber die Karten gut kennen. Es braucht beides, damit man es in die ersten Zehn schafft», meint der Aargauer, der sich als Zweiter in Sissach für den Final des bz-Jasskönigs in Bottmingen von Ende Mai qualifiziert. Er muss sich nur von Thomas Leisibach aus Rothenfluh geschlagen geben.

Verena Lauener ist nach dem zweiten Umgang ein bisschen geschockt. «Mit zwei Matches haben wir erwartet, dass wir am Schluss eine viel höhere Punktzahl hätten. Jetzt sind es nur 877 Punkte, weil wir leider auch ein paar Taucher gehabt haben», resümiert die Lupsingerin. «Ich hatte nichts, keine guten Karten», beklagt sich ein Mann. Von der gegnerischen Seite tönt es anders: «Ich hatte schöne Farben.» An einem anderen Tisch ärgert sich ein älterer Spieler: «Du hättest Kreuz spielen sollen, verdammt, ich hatte ja noch ein Ass.» Adil Koller, der Präsident der SP Baselland und Landrat, freut sich über einen Match. «Das ist einfacher zum Zählen», lacht er.

Der 14-jährige Binninger Benedikt Hächler ist der Jüngste aller, die sich für die vier Turniere angemeldet haben. «Als Teenager ist es schon komisch, man ist halt deutlich der Jüngste. Aber alle sind anständig zu mir.» Mit Rang 14 sei er zufrieden mit sich. Zum Schluss sei es noch rund gelaufen, über 1000 Punkte, strahlt Verena Lauener, die den 32. Platz belegt. «Es war eine gute Runde, auch mit lustigem Partner und lustigen Gegnern.» Lauener besucht regelmässig Jassturniere, aber erstmals in einem Schloss.

Dem früheren Bobfahrer Rico Freiermuth, einst Weltmeister und Olympiamedaillengewinner, lief es «schlecht». Er habe zwar gute Partner zugelost erhalten, aber schlechte Karten gezogen. «Jassen ist ein Konzentrationssport. Ich bin ein angefressener Jasser.»

Landratsvizepräsident Hannes Schweizer (SP) schätzt solche Jassturniere und geniesst die Atmosphäre. Als «Roter» legt er nicht unbedingt bevorzugt rote Karten auf den Jassteppich. «Ich liebe Schaufel, weil ich als Bauer mein Leben lang immer eine Schaufel in der Hand gehabt habe», scherzt er. «Sie hat mir heute Glück gebracht.»

Andreas Bammatter, ein weiterer SP-Landrat, meint nach dem Turnier: Er habe Hannes – aus Anciennitätsgründen und aus Respekt gegenüber dem Landratsvizepräsidenten – und Adil als seinen Parteipräsidenten den Vortritt gelassen. «Auch unsere Maskottchen, die roten SP-Socken, haben nur ein wenig zu den Mittelfeldrangierungen beigetragen.»