Zonen-Abo

Angst vor dem Zweiklassen-U-Abo

Viele Passagiere lösen ihr U-Abo gleich an einem Billettautomaten wie hier am Barfüsserplatz. Foto: Archiv

Viele Passagiere lösen ihr U-Abo gleich an einem Billettautomaten wie hier am Barfüsserplatz. Foto: Archiv

Basel-Stadt will das U-Abo in Zonen einteilen – Baselbieter Politiker sind dagegen. Die Grünliberalen haben eine Petition für die Beibehaltung des U-Abos eingereicht. Sie befürchten, dass sonst Leute aufs Auto umsteigen.

Die Basler Regierung prescht vor und spricht sich beim U-Abo für differenzierte Preise aus: Je nach Zone müssten die Passagiere dann tiefer in die Tasche greifen. Das ist umstritten. Der Tarifverbund Nordwestschweiz prüft zwar wirklich, den Preis für das U-Abo nach Zonen zu unterteilen (bz berichtete). Doch die Grünliberalen Baselland haben bereits eine Petition für die Beibehaltung des U-Abos eingereicht: Sie befürchten, dass sonst mehr Leute wieder aufs Auto umsteigen würden.

Andreas Büttiker, Leiter des Tarifverbundes Nordwestschweiz, erklärt, die Initiative, eine Zonierung des U-Abos zu prüfen, komme aus der Stadt. Nun müsse man ausrechnen, ob eine Zonierung einen Mehrertrag bringe oder ob Nachteile überwiegen. «Wichtig ist mir, dass die beteiligten Kantone und Transportunternehmen alle Zusammenhänge erkennen.» In zwei Punkten sei man sich einig: Der öV müsse erstens einfach und attraktiv sein und seine Marktanteile gegenüber dem Individualverkehr ausweiten. «Zweitens müssen wir unsere Kosten besser decken. Am Ende müssen wir auf der Basis fundierter Fakten Chancen und Risiken abwägen.»

Das U-Abo soll einfach bleiben

«Das U-Abo ist günstig, einfach und umfasst ein sinnvolles Gebiet», betont dagegen Grünen-Landrätin Sarah Martin die Vorteile des heutigen Systems. Sie sei nicht generell gegen eine moderate Preiserhöhung, solange das Abo für gewisse Leute nicht unbezahlbar wird. Die Zonierung des U-Abos sei aber eine schlechte Idee. «Es wäre dann nicht mehr so einfach, wie jetzt und die Leute würden unterschiedliche Zonen nicht goutieren.» Auch SVP-Landrat Urs Hess findet, dass man das U-Abo so einfach sein lassen könne, wie es ist. «Eine Zonierung ist kompliziert und der öV sollte attraktiv bleiben.» Das Abo dürfe aber auch mehr kosten. Den Vorstoss von Basel-Stadt möchte Hess nicht kommentieren. «Die Kantone und Transportunternehmen müssen dies zusammen ausjassen.»

Markus Meisinger von der Baudirektion hat hingegen Verständnis für Basel-Stadt: «Basel hat viele Kurzstrecken-Pendler und ist somit am stärksten betroffen.» Denn: «Bei einer Tariferhöhung besteht die Gefahr, dass der öV jene Kunden verliert, die nur kurze Strecken fahren.»

«Mir ist es ein zentrales Anliegen, dass eine umfassende Diskussion stattfindet», betont Büttiker. Für ihn ist das Problem denn auch komplexer: «Es geht nicht nur um die Distanz, sondern auch um die Qualität des Angebots. Nur 15 Prozent fahren lange Strecken und die 85 Prozent, die zwar kurze Strecken fahren, benützen den öV wiederum auch öfter.» Je weiter entfernt jemand wohnt, desto attraktiver sei das Auto. Doch auch für diese Pendler müsse man einen Anreiz bieten, auf den öV umzusteigen. Auch gäbe es im Baselbiet viele Schüler, die nur kurze Strecken fahren. «Man soll die Thematik nicht eindimensional angehen.»

Meistgesehen

Artboard 1