Wirtschaft

Angst vor den Folgen der Krise: Corona-Massnahmen bedrohen Hunderte KMU in der Region

Die KMU auf der Landschaft fürchten sich vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

Die KMU auf der Landschaft fürchten sich vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

Die angekündigte staatliche Unterstützung müsse rasch kommen, fordern Gewerbevertreter. Sonst würden viele Betriebe dicht machen.

So wie Alain Bruggisser, seit 19 Jahren Inhaber des Hobby-Shops in Gelterkinden, geht es derzeit unzähligen Gewerblern. Er muss seinen Laden wegen der Corona-Krise mindestens bis Ende April dichtmachen. «Ich bin verunsichert und habe Existenzängste», sagt er. Der 48-Jährige macht nun aus der Not eine Tugend und versucht, online Bestellungen zu erhalten; er bietet auch einen Hauslieferdienst an. So hofft er, den Schaden in Grenzen zu halten. Die Ausrufung der Notlage durch die Baselbieter Regierung sorgte gestern für Unsicherheit: Für einige Gewerbetreibenden war nicht klar, ob die Schliessungsweisung auch für sie gilt. Andere kritisierten die Regel: So forderte Pro Velo beider Basel, dass neben Tankstellen auch Velogeschäfte geöffnet haben dürfen.

Klar ist hingegen: Die rund 1000 Gastronomieeinrichtungen im Baselbiet müssen in den kommenden Wochen geschlossen bleiben. Die 400 Kleinstbetriebe unter ihnen sind laut Enrique Marlés, Präsident von Gastro Baselland, «existenziell bedroht». «Es ist eine Katastrophe, wirtschaftlich und organisatorisch stellt diese Situation alles auf den Kopf», betont Marlés. Er habe Anrufe von verzweifelten Mitgliedern erhalten. Marlés kritisiert, dass Selbstständigerwerbende kein Anrecht auf Entschädigung bei Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit hätten, obwohl sie verpflichtet seien, Prämien zu bezahlen. «Ein Lapsus im Gesetz, der nicht nachvollziehbar ist. Kleinbetriebe fühlen sich im Stich gelassen.» Mit einem politischen Vorstoss auf Bundesebene soll dies nun korrigiert werden.

Das bereits gesprochene Geld reicht nicht aus

Beim Basler Wirteverband tönt es nach der Shutdown-Ankündigung des Bundesrats von gestern Abend ähnlich: «Bereits jetzt ist klar: Viele Gastrobetriebe werden die Corona-Krise nicht überleben», sagt Verbandspräsident Maurus Ebneter. Wie viele der 900 Basler Hotels, Restaurants, Cafés, Bars und Clubs bedroht sind – darüber mag er angesichts der täglich veränderten Lage nicht spekulieren. Er sagt aber: «Die Auswirkungen werden verheerender sein, als wir noch vor wenigen Tagen dachten.»

Um einen Scherbenhaufen zu verhindern, müssten die von der Basler Regierung und vom Bundesrat angekündigten Massnahmen – Stundung von Strom- und Wasserzahlungen, Überbrückungskredite sowie die Einführung von Kurzarbeit – rasch umgesetzt und ergänzt werden. Der bisher kommunizierte Kreditrahmen werde kaum ausreichen. Daneben fordert Ebneter, dass die Mehrwertsteuer für gastgewerbliche Leistungen gesenkt wird – dies auch, um den Konsum nach überstandener Krise rasch wieder anzukurbeln. Zudem müsse nun auch für Inhaber und Geschäftsleitende von Kleinbetrieben die Möglichkeit von Kurzarbeit eingeführt werden. Auf dem Spiel steht Einiges: Allein in Basel arbeiten 8000 Menschen in Gastrobetrieben, davon sind 5000 Vollzeitstellen. «Unsere Branche ist personalintensiv und bietet auch Menschen ein Auskommen, die anderswo nicht so leicht einen Job finden», betont Ebneter.

Können Verfahren beschleunigt werden?

«Grundsätzlich wurden von Bund und Kanton die richtigen wirtschaftlichen Unterstützungsmassnahmen getroffen», ergänzt Gabriel Barell, Direktor des Basler Gewerbeverbands. «Wichtig ist, dass sie so rasch wie möglich greifen.» Bei den vom Bund angekündigten Überbrückungskrediten sei derzeit unklar, wann sie zur Verfügung stünden. Die von Basel-Stadt vorgesehenen Unterstützungsmassnahmen für die Wirtschaft würden, auch weil sie teilweise noch vom Grossen Rat abgesegnet werden müssten, erst ab 1. Mai greifen. «Wegen der langen Frist drohen bei vielen Betrieben Liquiditätsengpässe. Es muss diskutiert werden, ob die Verfahren beschleunigt werden können», sagt Barell.

Der Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer, Christoph Buser, macht dem Gewerbe Mut: «Wir werden unsererseits tun, was wir können, um den KMU in dieser schwierigen Lage zu helfen und die nötige Unterstützung zu geben.» Dazu steht die Wirtschaftskammer in «intensivem» Kontakt mit dem Kanton und den Behörden. Aus persönlichen Gesprächen wisse er, wie schwer diese Krise die Wirtschaft nur schon in den ersten Tagen getroffen habe, schreibt Buser auf Anfrage der bz. Die Wika hat für ihre Mitglieder eine Hotline eingerichtet und ist auf den sozialen Medien aktiv. Zudem hat sie die Gruppe «KMU helfen KMU» ins Leben gerufen.

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