Es gibt kaum einen Meter Rheinufer in der Region Basel, den Anmari Wili nicht kennt. Notanlegestelle Huningue, Klybeck-Quai, Auhafen Muttenz, alter Fährsteg Grenzach-Wyhlen – das sind nur einige der Orte am Rheinknie, an denen die freischaffende Künstlerin und Komponistin «Lorin» vertäute, ihren umgebauten Frachtkahn. Doch fix bleiben durfte Wili nie.

Jetzt hat Anmari Wili ihre – vorerst – letzte Reise zu Wasser angetreten. Am Dienstagnachmittag fuhr sie vom Muttenzer Auhafen nach Mulhouse. Dort bleibt «Lorin» einen Monat lang in einer Werft. Der Frachter muss in die Revision, Böden, Decke und Wände werden durchgecheckt. Ein Routinevorgang.

Eine letzte Fahrt durch Basel: Anmari Wilis «Lorin» unterwegs nach Mulhouse

Eine letzte Fahrt durch Basel: Anmari Wilis «Lorin» unterwegs nach Mulhouse

Künstlerin und Komponistin Anmari Wili hat mit ihrem Frachter ihre vorerst letzte Reise zu Wasser angetreten. Am Dienstagnachmittag fuhr sie vom Muttenzer Auhafen nach Mulhouse. Dort bleibt «Lorin» einen Monat lang in einer Werft. Der Frachter muss in die Revision.

Neun Jahre ohne fixen Platz

Wili nutzt die Zwangspause für eine Neuorientierung. Die vergangenen neun Jahre erlebte sie eine Odyssee. Ein Frachter, der als Atelier, Ausstellungsraum und Wohnung dient – das ist nicht vorgesehen in den Verordnungen und Reglementen zur Rheinschifffahrt. Die Behörden waren überfordert, wollten das Schiff meist rasch wieder loswerden. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil es alle Dimensionen der Nichtberufs-Schifffahrt sprengt: «Lorin» ist 5 Meter breit und 45 Meter lang.

Frust spüre sie keinen, sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern: «Es war immer Goodwill da. Ich komme mit allen gut aus: mit den Schweizerischen Rheinhäfen, den Schleusen, mit der Schifffahrtspolizei, mit den Verwaltungen der Häfen und mit meinen Nachbarn auf dem Wasser, also den Kapitänen und Matrosen der an- und ablegenden Schiffe. Es hat einfach noch nicht geklappt, dass ich irgendwo fix bleiben durfte.»

Performances und Ausstellungen

Wilis Reise begann im Juni 2009. Damals kam sie mit «Lorin» in Kleinhüningen an. Den Frachter hatte sie kurz zuvor in Holland erworben. Doch die Schiffseignerin wurde wieder aus dem Hafen gewiesen. Mit der Begründung, Anlegen sei nur für Warenumschlag vorgesehen.

Willkommen war sie auf der anderen Seite des Bachs, in Huningue. Sieben Jahre lang war «Lorin», kürzere Ausfahrten ausgenommen, an einem Notsteg vertäut. Dort veranstaltete Wili im grosszügigen Bauch des Schiffes Partys, Konzerte und Ausstellungen.

2015 gaben die Wasserwege Frankreich der Baslerin zu verstehen, dass sie den Steg wieder freizugeben habe.Nach diversen Zwischenstationen – unter anderem während der «Art» – fand Wili im Sommer 2016 einen Anlegeplatz in Grenzach-Wyhlen. Doch wieder passte das nicht allen. Sogar das Regierungspräsidium Freiburg schaltete sich ein. Nach eineinhalb Jahren war Schluss mit Liegen an Deutschen Ufern. Im Januar wechselte Wili mit «Lorin» in den Auhafen.

«Ich komme wieder»

Wo es Anmari Mëtsa Yabi Wili, wie sie sich mit vollem Namen nennt, nach ihrem Abstecher nach Mulhouse genau verschlägt, weiss sie noch nicht. «Es geht in Richtung Strasbourg, irgendwohin, wo ich sein darf.»

Ihren Traum, einen festen Anlegeplatz in Basel zu erhalten, hat sie nie aufgegeben. «Es zeichnen sich bei diversen Institutionen und Instanzen deutliche Interessen ab, für mein Projekt in Basel eine Lösung zu schaffen.» Konkreteres könne sie noch nicht sagen, alles sei noch im Werden.

Bei der Fahrt von Muttenz nach Mulhouse macht «Lorin» am Klybeck-Quai halt. Der Lotse, er war bei der Schleuse Birsfelden zugestiegen, und die Gäste verlassen das Schiff. Nur Wili bleibt an Bord, ebenso Kapitän und Matrose, beide angeheuert

«Ich komme wieder», sagt Wili beim Abschied. Dann verschwindet der Frachter gemächlich in Richtung Dreiländereck.