Menschenrechtsaktivistin

Anni Lanz hat Geschenke an Asylanten verteilt: Während Journalisten per Telefon verscheucht wurden

Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz überraschte die Betreiber des Ausreisezentrums in Allschwil mit Aktion.

Zwei Kinder rennen über den Spielplatz. Ein Musiker baut seinen Notenständer auf, stimmt seine Gitarre. In glitzerndes Papier eingepackt stehen dutzende Geschenke auf dem Rasen vor dem Bundesausreisezentrum Atlas (BAZ) in Allschwil. Es könnte ein friedlicher Anlass sein. Es könnte einzig um die Menschen im BAZ gehen, die seit Wochen oder Monaten dort leben und nicht wissen, wann sie die Schweiz für immer verlassen müssen. Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz hat diese Aktion geplant. Sie wollte den Asylsuchenden eine Freude machen und etwas Druck auf die Betreiber des BAZ ausüben.

Lanz kennt mehrere Familien im Zentrum. Von zweien hat sie die Vollmacht. Darum versucht sie seit Längerem, Zugang zum BAZ zu erhalten. «Ich durfte sie bisher nicht besuchen», sagt Lanz. Dies sei nur Verwandten erlaubt. Weiter beobachtet die 73-Jährige, dass viele Menschen, die im Allschwiler Ausreisezentrum in einem gesundheitlich schlechten Zustand seien. Eine Mutter eines neugeborenen Babys leide unter einer schweren Depression, der Vater habe eine posttraumatische Belastungsstörung, die Schwester des Mannes habe einen psychotischen Schock erlitten. Vor Kurzem musste die gesamte Familie ins Spital eingewiesen werden.

Die Überraschungsaktion von Lanz war gelungen. Als die Flüchtlingshelfer sich auf dem Rasen aufstellen und einige bereits die mitgebrachten Geschenke ausbreiten, blicken mehrere Asylsuchende neugierig aus den Fenstern des alten Hauses. Schnell kommt die Leiterin des Ausreisezentrums zusammen mit Mitarbeitenden aus dem Gebäude. Als sie die Videokamera einer «Telebasel»-Journalistin sowie mehrere Fotokameras anderer Journalisten entdeckt, wird sie unruhig. Sie greift zum Smartphone. Einige Minuten später die Ansage: Das Staatssekretariat für Migration (SEM) – Betreiber des BAZ – verbietet sämtliche Aufnahmen. Haus, Gelände und Personen dürften weder gefilmt noch fotografiert werden. Nach einem zweiten Anruf wird das Verbot minim gelockert. Ein Journalist der «Wochenzeitung» wird nach rund einer Viertelstunde vom Gelände verwiesen. Er interviewte einen Asylsuchenden.

SEM bestreitet Vorwürfe von Menschenrechtsaktivistin

Auf die Vorwürfe von Anni Lanz angesprochen, teilt das SEM mit: «Die sind konstruiert.» Die Zugangsregeln seien für alle Bundeszentren gleich. Das Zentrum sei «jederzeit zugänglich für die relevanten Akteure der Zivilgesellschaft». Asylsuchende könnten täglich von 14 bis 20 Uhr Besucher empfangen. «Der Kontakt ist keinesfalls unterbunden», stellt das SEM klar. Weiter sei die medizinische Versorgung der Personen umfassend und jederzeit sichergestellt.

Derzeit leben im BAZ 54 Personen. Sie kommen aus Afghanistan, der Türkei oder dem Iran. Nach rund 70 Tagen werden sie ausgeschafft. Meist aufgrund des Dublin-Schengen-Abkommens: Wurden sie bereits in einem anderen Land als Asylbewerber registriert, wird ihr Asylgesuch in der Schweiz negativ beantwortet. In Allschwil heisst ihre Hauptbeschäftigung warten.

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