Der Kanton Baselland veröffentlichte nicht nur die Kriminalstatistik. Auch die Verkehrsunfallstatistik 2017 ist bekannt. Stefanie Eymann, Chefin der Verkehrspolizei, konnte an der Medienkonferenz in Liestal einerseits eine Abnahme der Unfälle im Kanton um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr präsentieren. Andrerseits musste Eymann aber auch verkünden, dass die Zahl der Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss stieg. Ebenso die Unfälle mit Fussgängern und Kindern.

Besonders für den Anstieg von 63 Prozent bei den Verkehrsunfällen mit Kindern gebe es keine schlüssige Erklärung, denn insgesamt registrierte die Polizei 2017 180 Vorfälle weniger als im Jahr 2016 (1175 Unfälle). 2017 gab es 464 Unfälle mit Personenschaden (2016: 506), bei 531 Unfällen (2016: 669) blieb es beim reinen Sachschaden. Hauptursache für alle Unfälle auf den Strassen im Kanton bleibt Unaufmerksamkeit beziehungsweise Ablenkung.

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Aktuelle Polizeibilder vom März:

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Auch die Gesamtzahl der Verunfallten sinkt: 2017 wurden 605 Personen Opfer eines Verkehrsunfalls, 20 Personen weniger als 2016 (625). Bei den Leichtverletzten registrierte die Polizei mit 532 erfassten Verunfallten eine Abnahme um 1 Prozent (2016: 538). Die Zahl der Schwerverletzten sank um 14 Prozent oder 11 Personen auf 68 (2016: 79). Am grössten ist der Rückgang bei den Verkehrstoten. 2016 starben acht Menschen bei Verkehrsunfällen, 2017 sank die Zahl auf 5, ein Rückgang um 38 Prozent.

Zahl verunfallter Kinder steigt

So erfreuliche die sinkende Gesamtzahl ist, gestiegen ist die Zahl der Verkehrsunfälle, in die Kinder und Jugendliche verwickelt waren. Bei den bis 14 Jährigen stieg die Zahl der Verunfallten um 63 Prozent auf 44 Personen (2016: 27). Aufgeschlüsselt nach Art der Verkehrsbeteiligung waren 17 Kinder als Fussgänger (2016: 13), 9 als Fahrrad-Lenkende (2016: 6) und 13 als Mitfahrende in einem Personenwagen in (2016: 6) in einen Unfall verwickelt. 24 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren verunfallten 2017, 13 davon als Lenker von Motorrädern. In der Gruppe der 18 bis 24 jährigen stieg die Gesamtanzahl der Verunfallten um 15 Prozent oder 12 Personen auf 90 (2016: 78). 53 der Verunfallten waren Lenker oder Mitfahrende in Personenwagen, 19 verunfallten mit Motorräder.

Was dort auffällt: Nahezu alle Lenker oder Mitfahrenden waren angegurtet. Eine mögliche Interpretation ist, dass junge Erwachsene ein Bewusstsein für die Sicherheit im Auto haben, gleichzeitig die Vorsicht im Umgang mit dem Personenwagen zu wenig vorhanden ist. Auf Nachfragen, ob mit Blick auf die hohen Zahlen bei Kindern und jungen Erwachsenen auch die Eltern oder Fahrschulen in mögliche Präventionsaktionen mit einbezogen werden, sagte Eymann, dass man «diese auf jeden Fall auf dem Radar habe».

Ebenfalls steigend ist die Zahl der Unfälle mit Fussgängerbeteiligung: 18 Prozent Steigerung oder 12 Personen mehr (2016: 66). Davon verunfallten 23 Personen an Fussgängerstreifen (2016: 20). Ob die steigenden Zahlen auch mit Elektroautos zusammenhängen, die überhört wurden, ist unklar, da nicht erfasst wird, ob es sich bei Personenwagen um herkömmliche oder elektrische Autos handelt. Unfälle mit E-Bikes sanken um 13 Prozent von 23 Vorfällen im Jahr 2016 auf 20 Unfälle.

Alkoholisierte Lenker

Hauptursache für alle Unfälle ist nach wie vor Unaufmerksamkeit und Ablenkung, doch ihr Anteil an den Unfallursachen sinkt. Gemäss Statistik steigt bei den wichtigsten Unfallursachen der Zustand des Lenkers/Fussgängers an. Die Statistik weist bei 75 Verkehrsunfällen (2016: 68) und 35 Verunfallten (2016: 28) Alkohol als Hauptursache aus. Insgesamt und auf mehrere Jahre betrachtet, sinkt der prozentuale Anteil des Zustands des Lenkers/Fussgängers als Ursache von Unfällen nach einem hohen Wert im Jahr 2011 kontinuierlich. Unfallursachen wie das Missachten des Vortritts und die Geschwindigkeit nehmen prozentual ebenfalls ab. Andere Fahrbewegungen, wie zu nahes Aufschliessen oder Rückwärtsfahren, stagnieren als Ursache.

Ausruhen, so fasste Eymann die Verkehrsstatistik zusammen, sei trotz der insgesamt hohen Verkehrssicherheit nicht angezeigt. Es gehe um eine gute Mischung aus präventiven und repressiven Massnahmen. Verkehrskontrollen seien nicht beliebt, doch die Kontrollen zu reduzieren berge die Gefahr, dass sich die Zahlen wieder verschlechtern, so Eymann.