Gelterkinden

Antennengegner Adrian Hasler zum Vereins-Aus: «Der Zeitgeist ist heute ein anderer als damals»

Adrian Hasler, Präsident von «ABtennenverein» Gelterkinden.

Adrian Hasler, Präsident von «ABtennenverein» Gelterkinden.

Der Präsident des «ABtennenvereins» Gelterkinden, Adrian Hasler, erklärt, weshalb bald Lichterlöschen ist.

Bald verstummt der Ende 2012 gegründete «ABtennenverein» Gelterkinden. Er stellt seine Tätigkeit am 31. März ein nach gut sieben Jahren Kampf gegen eine Mobilfunkantenne im Quartier an der Rickenbacherstrasse. «AB» im Vereinsname steht für Abtun oder Abbauen.

Warum löst sich Ihr Verein auf?

Adrian Hasler: Der Zeitgeist ist heute ein anderer als damals. Man muss nicht mehr eine einzelne Antenne bekämpfen, sondern ein Konzept verfolgen. Mit der neuen 5 G-Technologie wären wir als Quartierverein zu unbedeutend, um Nägel mit Köpfen zu machen. Wir können die Zeit nicht aufhalten.

Leute in Ihrem Quartier haben sich vor ein paar Jahren zusammengetan, um sich gegen eine Mobilfunkantenne zu wehren.

Genau. Es braucht diese Antenne, aber sie steht am falschen Ort – mitten im Wohnquartier, zu nahe an einem Kindergarten und im Rickenbachertal am tiefsten Punkt. Der Vertrag war abgelaufen. Er wurde vom Liegenschaftsbesitzer, der diesen Kontrakt unterschrieben hatte, fristgerecht beim Telekommunikationsanbieter gekündigt. Danach übertrug der Hauseigentümer die Vollmacht an seinen Sohn, der hinter unserem Rücken und in Absprache mit dem Vater die Kündigung widerrief. Nun läuft der Vertrag weiter. Die Gesprächsbereitschaft ist nicht mehr vorhanden.

Welche Bilanz ziehen Sie aus der Vereinstätigkeit?

Es war eine interessante und lehrreiche Zeit. Wir haben einiges erreicht, aber unsere Möglichkeiten als Quartierverein sind ausgeschöpft. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Entscheide bezüglich Mobilfunk-Infrastruktur heute national gefällt werden und einzelne Kommunen nur geringen Einfluss haben.

Sie hätten Ihren Verein doch grösser aufstellen und breiter abstützen können.

Das haben wir diskutiert. Wir hatten immer wieder Anfragen von Sympathisanten und aus anderen Quartieren. In Gelterkinden ist die Thematik mit Mobilfunkantennen nun aber geregelt.

Was konnten Sie im Dorf bewegen?

Wir haben die Bevölkerung sensibilisiert und Gespräche mit Verantwortlichen der Schule geführt. Die Gemeinde rief eine Mobilfunk-Kommission ins Leben, die das Thema aufarbeitete; danach wurde sie auflöst. Die Eckpunkte flossen in die kommunale Raumplanung ein. Die Anbieter wissen jetzt, dass es schwierig ist, hier anzufragen. Die Gemeinde stellt keine Parzelle oder Liegenschaft zur Verfügung. Die Telekommunikations-Unternehmen müssten auf Private zugehen. Diese kämen dann aber vermutlich unter Druck, sodass sie sich das gut überlegen müssten, für einen Standort Hand zu bieten.

Auch Sie besitzen ein Natel. Ihr Kampf gegen Mobilfunkantennen ist doch ein Widerspruch, oder?

Nein. Ich bin nicht gegen Antennen, sondern kämpfe gegen ungünstige Standorte. In Gelterkinden stehen alle Antennen falsch. Die neue 5 G-Technologie sollte erst eingeführt und bewilligt werden, wenn man neben dem «Nutzen» auch die Risiken kennt.

Wurden Sie wegen Ihrer Aktivität im Dorf angefeindet?

Das kann ich nicht behaupten. Mit der Partei, die nicht gleicher Meinung ist wie wir, hat es intensive Diskussionen gegeben. Im Dorf hat man die Debatte interessiert verfolgt.

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