Strafgericht

Antike Münzen stanken zum Himmel

(Symbolbild)

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Wer antike Münzen aus dubiosen Quellen kauft, macht sich strafbar: Das musste ein 54-jähriger Münzsammler erfahren.

«Es war für mich eine Leidenschaft, ich hatte viel Freude daran. Aber die ganze Geschichte hat es mir jetzt verleidet, ich löse meine Münzsammlung auf», sagte der 54-jährige Mann aus dem Oberbaselbiet am Montag vor dem Strafgericht in Muttenz.

Auslöser des ganzen Ärgers war eine Sammlung von 175 antiken Münzen, die der Mann für 757 Franken im April 2012 von einem ebenso erfahrenen wie dubiosen Münzhändler gekauft hatte. Die Strafverfolgungsbehörden waren diesem Händler bereits auf der Spur, Telefone wurden überwacht, und so geriet auch der Sammler in das Visier der Staatsanwaltschaft. Kurz nach dem Kauf klingelte die Polizei an der Tür, und der Mann kam für einen Tag in Untersuchungshaft. «Ich war immer gutgläubig. Ich hatte zwar schon einen Verdacht bei dem Händler, konnte es aber nicht beweisen.»

Der Numismatikspezialist von Augusta Raurica erstellte ein Gutachten: Die 175 Münzen stammten demnach hauptsächlich aus dem Balkan oder der Türkei; offenbar handelte es sich um griechische, byzantinische und römische Prägungen. Keines der betroffenen Länder würde Ausfuhrgenehmigungen vergeben, und es sei ausgeschlossen, dass es sich um einen sogenannten Altfund handle, der über Generationen weitergegeben worden sei. Das Fazit: «Die Münzen stammen wohl nicht aus offiziellen Grabungen», so der Bericht.

«Es war dem Beschuldigten genau bewusst, wie der Händler die Münzen beschafft hat. Die Vermutung der deliktischen Herkunft hat sich geradezu aufgedrängt», sagte Staatsanwältin Ludovica Del Giudice. Aus der Telefonüberwachung sei deutlich geworden, wie der 54-Jährige mit dem Händler jeweils Abkürzungen wie «H» oder «F» verwendet habe, wenn sie über Herkunftsländer oder Dritthändler gesprochen hätten. Sie forderte eine bedingte Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu 50 Franken wegen Hehlerei.

Vermutlich aus Raubgrabungen

Das Gericht kam allerdings zum Schluss, dass wegen der nicht völlig geklärten Herkunft der Münzen keine Verurteilung wegen Hehlerei möglich ist. «Sie mussten aber aufgrund der Umstände annehmen, dass das illegale Münzen sind», sagte Einzelrichter Beat Schmidli und sprach den Mann wegen versuchter Hehlerei schuldig. Das Strafmass lag mit 20 Tagessätzen zu 50 Franken damit etwas tiefer, hinzu kommen aber noch mehrere Tausend Franken an Verfahrenskosten. «Es ist nicht ganz klar, woher die Münzen stammten, und welche bilateralen Vereinbarungen mit der Schweiz hier verletzt sein könnten», hatte die Verteidigerin zuvor vergeblich argumentiert. Nur weil die 175 Münzen von einem dubiosen Händler stammten, heisse dies nicht zwingend, dass sie illegal eingeführt worden seien. Weil ihr Mandant über Monate hinweg überwacht worden und vorübergehend seine gesamte Sammlung beschlagnahmt worden war, forderte er eine Genugtuung von 10’000 Franken. Das Gericht schmetterte diese Forderung aber ab.

Die 175 vermutlich aus Raubgrabungen stammenden Münzen werden eingezogen. Noch ist unklar, was mit ihnen geschehen soll. Der besagte Verkäufer der Münzen wird sich ebenfalls bald vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten müssen: Bei ihm hat man rund 20’000 Münzen aus dubioser Herkunft beschlagnahmt.

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