Fall «Dojo»

Anwalt von Kampfsportler Beqiri klagt an: Ist der Staat fähig, einen solchen Fall zu erledigen?

Fast vier Jahre nach dem brutalen Überfall auf die Kampfsportschule des Kickboxers Shemsi Beqiri steht der Termin für die Hauptverhandlung fest. Endlich, sagt dessen Anwalt: Das Verfahren habe viel zu lange gedauert.

Dreieinhalb Jahre sind ins Land gezogen, bis die Anklage stand – jetzt, fast vier Jahre nach dem Vorfall, ist klar, wann die Hauptverhandlung im Fall «Dojo» statt findet. Das Strafjustizzentrum in Muttenz ist für zwei Wochen reserviert worden: vom Montag, 18. Juni, bis Freitag, 29. Juni. Es wird das aufwendigste Gerichtsverfahren, welches das Baselbiet je erlebt hat.

Das Strafgericht des Kantons Baselland hat die am Prozess beteiligten Parteien kürzlich per Brief über die Verhandlungsdaten in Kenntnis gesetzt. Auf Anfrage der bz bestätigt das Strafgericht das Datum. Den Termin für die Urteilseröffnung habe man noch nicht definiert, vorgesehen sei sie aber sicher noch in diesem Jahr. Per Anfang Februar werden weitere Details zur Hauptverhandlung bekannt gegeben.

Sechs Verletzte

Angeklagt sind 16 Männer. Sie sollen beim Überfall am 24. Februar 2014 auf die Kampfsportschule von Shemsi Beqiri in Reinach beteiligt gewesen sein, ebenso vier weitere Schläger, die jedoch noch nicht identifiziert werden konnten.

Der Hauptangeklagte ist Paulo Balicha. Der Thai-Boxer ist verfeindet mit Beqiri, einem seiner früheren Schüler. Bei den Aggressionen wurden sechs Personen verletzt, darunter auch Beqiri und Balicha. Die zwei Erzrivalen lieferten sich einen mehrminütigen Kampf, der gefilmt wurde – das Video ist ein wichtiges Beweisstück.

Vertrauen in Justiz beschädigt?

Jascha Schneider, der Rechtsvertreter des Opfers Shemsi Beqiri, sagt zur bz: «Beqiri wird Schadenersatz und Genugtuung fordern. Alle Täter haften nach Gesetz für die gesamte Summe gemeinsam.» Der Anwalt kritisiert die aus seiner Sicht zu lange Verfahrensdauer: «Der Glaube geht verloren, dass die Justiz in der Lage ist, einen solchen Fall innert angemessener Frist zu erledigen.»

Er sei gespannt, welche Lehren die Staatsanwaltschaft daraus ziehe, «und ob sie sich bei den Opfern entschuldigt.» Balichas Verteidiger Nicolas Roulet sagt auf Anfrage der bz, sein Mandant wolle sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Verfahren äussern.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft präsentierte ihre Anklageschrift im vergangenen Juli. Balicha werden als Haupttäter unter anderem versuchte schwere Körperverletzung, einfache Körperverletzung, Angriff, Freiheitsberaubung und Nötigung vorgeworfen. Ihm droht mehrjährige Haft, allenfalls auch die Ausschaffung; Balicha ist portugiesischer Staatsbürger.

Kinder und Jugendliche bedroht

Die Attacke im Februar 2014 begann gegen 19.40 Uhr. Zu dieser Zeit war das Abendtraining in vollem Gang. Rund dreissig Personen befanden sich im Dojo, darunter viele Jugendliche und Kinder. Die Angreifer gingen laut Anklageschrift äusserst rabiat vor, um die Anwesenden in Schach zu halten. 

Wegen der grossen Zahl an involvierten Personen hatte das Strafgericht erwogen, die Hauptverhandlung in eine Halle zu verlegen. Von diesem Ansinnen ist es jedoch wieder abgekommen: Verhandlungsort ist das Strafjustizzentrum in Muttenz.

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