An der Ladestation beim Werkhof in Anwil herrscht am Morgen reger Betrieb. Gleich mehrere Fahrzeughalter wollen tanken, oder besser gesagt: ihre Batterien laden. Sie gehören zu den rund 60 Prozent der Haushalte, die in Anwil während dieser Woche elektrisch unterwegs sind.

Rund 100 Autos, Motorräder, Velos, Gewerbefahrzeuge, Scooter und sogar die Müllabfuhr fahren auf den Anwiler Strassen. Dazu kommen ein Energieeffizienz-Wettbewerb zweier Familien, kostenlose Energieberatungen, E-Shuttles, die Pendler an die Bahnhöfe Gelterkinden, Frick und Aarau fahren, und ein E-Fahrzeug, das man spontan für Ausflüge mieten kann. Das Oberbaselbieter Dorf mit seinen rund 580 Einwohnern wird für die Elektra Baselland (EBL) zum Feldversuch und so für die Energiezukunft Schweiz zu einem Test.

Hält die Stromversorgung der Belastung stand, wenn gleich mehrere Fahrzeughalter ihre Batterien an den 30 Langsam- und den zwei Schnellladestationen gleichzeitig laden möchten? Was passiert über Nacht, wenn viele Anwiler ihre geliehenen Autos an die hauseigenen Steckdosen anschliessen? EBL-CEO Tobias Andrist ist gespannt, welche Erkenntnisse das «Experiment Anwil» am Ende liefern wird. Daraus liessen sich erste Schlüsse für die Energiezukunft der Schweiz und somit für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 gewinnen. Doch für Andrist ist klar: «Eine Elektromobilität ohne den Strom aus erneuerbaren Energien macht keinen Sinn.» Von der optimalen Zukunft ist Anwil deshalb noch weit entfernt.

Grosse Nachfrage nach Autos

Während die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Anwil zuerst harzte, nahm das Experiment in den vergangenen Wochen Fahrt auf. Die EBL konnte am Ende die letzten spontanen Anmeldungen nicht mehr annehmen. «Wir hatten schlichtweg zu wenig Autos», erklärt sich Tobias Andrist.

Da gleichzeitig zum Experiment in Anwil die Automesse Auto Basel stattfindet, konnten auch die Autohäuser der Region nicht genügend Elektrofahrzeuge bereitstellen. Nur dank Privaten, die ihre Fahrzeuge grosszügig zur Verfügung stellten, konnte die Nachfrage in Anwil gestillt werden.

Wichtiger Baustein

Für Regierungsrätin Sabine Pegoraro (FDP), selber seit drei Jahren sehr zufriedene Tesla-Fahrerin, ist das Experiment Anwil ein «wichtiger Test» für die Zukunft. Die Elektromobilität sei ein wichtiger Baustein in der Umsetzung der Energiestrategie 2050. «Und dafür braucht es eine gut ausgebaute Infrastruktur», so Pegoraro. Damit meint sie ein möglichst dichtes Netz an Schnellladestationen, mit denen die Fahrzeuge in rund 30 Minuten geladen werden können.
In Anwil wird sich diese Woche zeigen, wie nah oder fern zumindest der Kanton Baselland von einer grossflächigen Elektromobilität ist.