Im Handumdrehen waren 30 Unterschriften auf dem Antrag, der an der Muttenzer Gemeindeversammlung am 1. Dezember eingereicht wird. Er soll im Zonenreglement festhalten, dass auch mithilfe von Quartierplänen in Muttenz künftig nicht höher als 40 Meter gebaut werden darf. Auslöser ist ein Bauprojekt im Gebiet Hagnau in umittelbarer Nähe zum St. Jakob-Park.

Es sieht fünf Hochhäuser zwischen 45 und 88 Metern Höhe vor – «für Muttenz völlig neue, nach unserer Ansicht weit überrissene Dimensionen», finden die unterzeichnenden Anwohner der Schweizeraustrasse. Diese liegt 16 Meter erhoben über dem Areal, auf dem die Hochhäuser gebaut werden sollen. Damit würde das höchste der geplanten Gebäude ihr Quartier um gut 72 Meter überragen, so die Anwohner in den Ausführungen zu ihrem Antrag. Ausserdem befinde sich das dem Hagnau-Areal nächste Haus gerade einmal 20 Meter von der zu überbauenden Parzelle entfernt.

Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) beschwichtigt: Die Hochhäuser werden zu den nächstgelegenen Wohnparzellen mindestens so viele Meter Abstand haben, wie sie hoch sind. Der 88-Meter-Turm würde also mehr als 88 Meter vom äussersten Haus im Gebiet Schweizerau entfernt liegen. Damit wird ausserdem ein Lichteinfallswinkel von 45 Grad eingehalten. «Für das Empfinden der Anwohner ist dieser Winkel entscheidender als die Höhe des Bauwerks.»

Jourdan begrüsst den Antrag der Anwohner. «Ich sehe darin für die Bevölkerung die Möglichkeit, unabhängig vom Hagnau-Projekt über das Thema Hochhäuser zu diskutieren», begründet er. Dass sich die Einwohner einbringen, sei erwünscht. Deshalb hätten zum Hagnau-Bauvorhaben auch schon Info- und Beteiligungsveranstaltungen stattgefunden. Die nächste steht Anfang November an.

Begrenzung als Denkverbot

Inhaltlich aber kann Jourdan dem Antrag, die Gebäudehöhe auf dem gesamten Gemeindegebiet auf 40 Meter zu begrenzen, nicht viel abgewinnen. «Das kommt einem Denkverbot gleich», meint er. «Wir müssen die Möglichkeit haben, jeweils bezogen auf den Standort von Gebäuden über deren Höhe zu diskutieren.» Laut Jourdan würde die Begrenzung konkret für das Hagnau-Areal bedeuten, dass die Gebäude eben breiter würden und weniger Abstand zur Parzellengrenze hätten. «Dies hätte eher eine Mauerwirkung für die Bewohner im Gebiet Schweizerau als die geplanten schlanken Hochhäuser», ist er überzeugt.

Dies sei ihm bewusst, sagt einer hinter dem Antrag stehenden Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. «Nur weil die Investoren möglichst viel Rendite erzielen wollen, muss jetzt möglichst verdichtet gebaut werden», ärgert er sich. Man könne aber auch einfach weniger Wohnungen vorsehen, dann würde auch eine Beschränkung der Höhe nicht automatisch zu breiten Gebäuden führen. «Es ist doch nicht das Problem der Gemeinde, wie viel Rendite erzielt wird. Sie sollte sich darauf konzentrieren, schön und nachhaltig zu bauen. Das wurde in Muttenz bisher auch gut gemacht, etwa beim Freidorf oder im Dorfkern, zu dem man immer Sorge getragen hat.»

Breiten Gebäuden gegenüber ist dieser Anwohner nicht grundsätzlich abgeneigt. Er möchte dem Gemeinderat sogar vorschlagen, ein langes, breites Gebäude entlang der Birsfelderstrasse beziehungsweise der Bahngeleise zu errichten. «Dies würde auch den Lärm etwas aus den dahinterliegenden Quartieren abhalten.»

Es sind denn auch die Themen Lärm und Verkehr, die den Anwohnern besonderes Kopfzerbrechen breiten. «Grosse Wohnüberbauungen gehören an einen ruhigen Ort», findet der Anwohner. «Das Hagnau-Areal eignet sich eher für Uni- oder Bürogebäude. In einer Wohnung an dieser lauten Lage ist die Lebensqualität beeinträchtigt, man kann ja nicht einmal das Fenster öffnen.» Er geht davon aus, dass die Wohnungen wegen des Lärms durch die Bahngeleise, die beiden Autobahnanschlüsse sowie den sonstigen Durchgangsverkehr leer bleiben würden.

Dies schliesst er auch aufgrund eines Augenscheins im St. Jakobs-Turm. Weil der Lärm dort enorm sei, gäbe es ständig Mieterwechsel. Manche Mieter könnten ihren Balkon nur noch als Abstellkammer benutzen. Eine kurze Umfrage der bz bei Bewohnern des St. Jakobs-Turms zeigt: Die Meinungen gehen auseinander. Während einige die Informationen des Hochhaus-Gegners bestätigen, bestreiten andere, dass es in den Räumen oder auf den Balkons laut sei.

Sollten die Wohnungen tatsächlich schlecht vermietet werden können, sei dies nicht nur für die Investoren ein Problem, sagt Thomi Jourdan. «Auch wir als Gemeinde haben Interesse an attraktivem Wohnraum. Dadurch erhoffen wir uns entsprechende Steuererträge.» Er glaubt allerdings nicht, dass der Lärm Mieter abhalten könnte. «Dieser Standort hat genügend Qualitäten, um attraktiven Wohnraum schaffen zu können.»

Droht Verkehrskollaps?

Die Muttenz nähme die Themen Lärm und Verkehr ernst, verspricht Gemeinderat Jourdan. «Aber die Probleme wie die Autobahnanschlüsse bestehen bereits. Das lässt sich nicht ändern und hat auch mit dem Neubauprojekt nichts zu tun.» Im besten Fall könne dieses sogar eine Verbesserung für die Situation in der Nachbarschaft schaffen. Das bezweifeln die Anwohner – besonders in Anbetracht der anstehenden Sanierung der A 18 auf Höhe Schänzli.

Diese sieht Umleitungen via St. Jakob-Strasse, Birsstrasse und Hagnaustrasse sowie über eine temporäre Hilfsbrücke vor. «Das wird zu einem Verkehrschaos führen», so ein Anwohner. «Ich will gar nicht daran denken, wenn parallel noch die Bauarbeiten auf dem Hagnau-Areal beginnen.» Dass diese sich teilweise überschneiden könnten, hält auch Thomi Jourdan für möglich. «Aber auch die Areal-Entwickler sind an einem möglichst effizienten Betrieb interessiert und werden entsprechend planen.»