1099 Unterschriften konnten Nicole Wehrli, Irene Maag und Roger Leu am Dienstag der Gemeinde Reinach überreichen. «Und das in der Weihnachtszeit», freuen sich die drei Mitglieder des Referendumskomitees Jupiterstrasse II. Gebraucht hätten sie 500, damit die Bevölkerung über den Quartierplan entscheiden kann, der in Reinach Nord eine Überbauung mit fünf drei- bis viergeschossigen und zwei achtgeschossigen Gebäuden mit Platz für 89 Wohnungen vorsieht. Im November hatte der Einwohnerrat dem Quartierplan mit 25 zu 6 Stimmen zugestimmt.

Gemeindepräsident Urs Hintermann sieht in den vielen Unterschriften keinen Hinweis darauf, dass das Unbehagen gegenüber solcher Bauvorhaben in der Bevölkerung gross ist. «Es ist kein Problem, genügend Unterzeichnende für so ein Referendum zu finden. Es gibt gegen jeden Quartierplan Widerstände», sagt er. «Wenn ich die Details zum Quartierplan Jupiterstrasse II nicht gekannt und man mir den Referendumsbogen vorgelegt hätte, hätte ich wohl auch unterschrieben.».

Verkehr im Zentrum

Das Komitee stellt auf dem Unterschriftenbogen drei Themen ins Zentrum. Den längsten Abschnitt widmet es dem Verkehr. Schon jetzt staue sich dieser während der Stosszeiten. Zudem seien die Quartierstrassen eng und unübersichtlich. Der Quartierplan habe hierfür keine Lösung.

«Ich würde gerne vom Komitee hören, welche Massnahmen wir ergreifen sollen», ärgert sich Hintermann. Mit keinem anderen Quartier habe man so eng zusammengearbeitet wie mit Reinach Nord. «Die Bevölkerung konnte Ideen zur Verkehrsberuhigung einbringen und wir haben sogar extreme Vorschläge wie eine verbundene Tiefgarage unter dem ganzen Quartier prüfen lassen. Was sich umsetzen lässt, wird umgesetzt.» Man habe ausserdem zwei externe Verkehrsgutachten machen lassen, die beide sagen, dass die Verkehrskapazität des Quartiers auch dann nicht ausgelastet sein werde, wenn alle Quartierpläne realisiert sind.

In den vergangenen Monaten hat der Einwohnerrat nämlich nicht nur dem Quartierplan Jupiterstrasse II, sondern auch den Quartierplänen Oerin und Stockacker zugestimmt. Sie alle sehen in Reinach Nord die Entstehung von mehr Wohnraum vor. «Es ist einfach zu viel», sagt Wehrli. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen Bauen oder gegen Verdichtung, aber es muss mit Mass geschehen.» Oerin und Stockacker würden sich wenigstens ins Quartier einfügen. «Aber Jupiterstrasse II nicht. Das Quartier ist von Einfamilienhäusern geprägt.» Achtstöckige 24-Meter-Gebäude würden nicht reinpassen.

Jeder Quartierplan werde einzeln durchgewinkt, fügt Maag an. «Wir wollen das Ganze anschauen und Grundsätzliches diskutieren.» So würde nun jede Grünfläche überbaut. «Das sind eben keine Grünflächen», wendet Hintermann ein. «Es ist eingezontes Bauland. Die Eigentümer haben das Recht, dieses zu überbauen.» Mit dem Referendum könne nichts gegen die Bebauung an sich unternommen werden, nur gegen die Art und Weise. «Es gibt zwei Möglichkeiten, etwas zu überbauen: möglichst dicht oder mit mehr Freifläche, dafür in die Höhe.» Beides gehe eben nicht: viel Grünfläche ohne in die Höhe zu bauen. «Die Zeit grossflächiger Einfamilienhäuser ist einfach vorbei.»

Verdichtung als Auftrag

«Die Gegner stellen die Verkehrsbelastung ins Zentrum», sagt Hintermann. «Gerade so gut könnte man ins Zentrum stellen, dass über 70 Prozent der Reinacher sich bei der Abstimmung über die schweizerische Raumplanung 2013 für Verdichtung ausgesprochen haben. Für uns ist das ein Auftrag.» Hier gehe es um die Interessen einzelner Quartierbewohner gegenüber der gesamten Bevölkerung. Das bestreiten die Komitee-Mitglieder. «Es sind nicht nur vereinzelte Stimmen aus dem betroffenen Quartier. Wir haben auch in anderen Quartieren viele Unterschriften gesammelt und Wohlwollen gespürt.»

Auf welcher Seite die Bevölkerung wirklich steht, wird sich wohl bei der Abstimmung zeigen. So weit sein wird es frühestens zum Blanko-Termin im Mai.