Erbschaft

Anzahl der Firmenkonkurse und Betreibungen nimmt seit Jahren zu: Erben wollen Schulden nicht übernehmen

Eine Erbschaft heisst nicht in jedem Fall, dass man etwas erhält. (Symbolbild)

Eine Erbschaft heisst nicht in jedem Fall, dass man etwas erhält. (Symbolbild)

370 Konkurse gab es 2012 im Baselbiet, vergangenes Jahr waren es 484. Die Zahlen schwanken stark von Jahr zu Jahr, aber die Tendenz ist eindeutig steigend. In gleichem Mass zunehmend sind die Betreibungen. So steht es im Infoheft der Kantonsverwaltung.

Doch daraus den Schluss zu ziehen, dass es der hiesigen Wirtschaft schlecht geht, wäre voreilig. Denn spektakuläre Konkurse von grösseren Unternehmen wie neulich bei der Rohner AG in Pratteln bleiben Ausnahmefälle, wie Reto Tschudin, Leiter des kantonalen Betreibungs- und Konkursamtes, erklärt: «Die grosse Masse der Konkurse machen Ein-Mann-AGs aus.»
Betroffen seien oft Kleinstbetriebe im Baugewerbe, die von einem Auftraggeber abhängig seien. Meist seien die Firmen weniger als fünf Jahre alt. Was Tschudin auffällt: In den vergangenen zehn Jahren werden im Baselbiet immer häufiger Erbschaften ausgeschlagen.

Diese muss dann sein Amt nach den Regeln eines Konkurses abwickeln. Inzwischen ist gemäss seiner Beobachtung ungefähr jeder dritte Konkurs im Kanton ein solcher Fall.

Warum Erben die Erbschaft ausschlagen, ist unklar

Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, aber den Trend bestätigt die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB). «Bei den Privatkunden sehen wir eine starke Zunahme von Nachlasskonkursverfahren», schreibt die Medienstelle auf Anfrage. «Dabei handelt es sich um ausgeschlagene Erbschaften.»

Warum sich Erben immer seltener für die Schulden ihrer Vorfahren verantwortlich fühlen, darüber kann man nur spekulieren. «Vielleicht hatte man früher einen gewissen Familienstolz und wollte nicht, dass öffentlich ausgeschrieben wird, dass der Grossvater Schulden hatte», meint Tschudin. Jetzt hingegen denke sich manch ein Erbe, er könne die Schulden mit einem Konkurs erledigen. Diese Möglichkeit bietet das Gesetz allerdings schon lange.

Auch nur mutmassen kann Regina Weibel, Leiterin des Erbschaftsamtes. «Vielleicht ist tatsächlich die Familienbande nicht so stark wie noch vor einigen Jahren», sagt sie. Denkbar sei auch, dass die Erben finanziell nicht mehr in der Lage seien, Schulden zu übernehmen. Das würde auf eine höhere Verschuldung der Verstorbenen hinweisen. Dagegen spricht allerdings, was die BLKB feststellt: «Bei den Privatkunden sehen wir keine Zunahme von Betreibungen oder Konkursen aufgrund einer nicht mehr tragbaren Belastung auf ihrem Wohneigentum.»
Tschudin rechnet jedenfalls mit einer kontinuierlichen Zunahme der Konkurs- und auch der Betreibungsfälle im Kanton, auch bei Betrieben. Einen Grund zur Beunruhigung sieht er darin nicht. «Natürlich schmerzt jede Stelle, die wegfällt.» Die steigende Anzahl an konkursiten Firmen sei für ihn aber auch ein Zeichen für den vorhandenen Mut, etwas zu riskieren. Es gehe der Wirtschaft nicht schlecht, darum würden auch immer wieder neue Stellen entstehen. «Es ist ein rollender Prozess», so Tschudin.

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