Zur Investitionssumme von 8,75 Millionen Franken kommt noch die Mehrwertsteuer dazu, wie einer Regierungsmitteilung vom Mittwoch zu entnehmen ist. Die Kostengenauigkeit ist in der Vorlage mit +/-10 Prozent beziffert. Finanziert wird der Bau via Gebühren, zulasten der Abwasserrechnung des Amtes für Industrielle Betriebe (AIB).

Gemäss Landratsvorlage werden mit dem neuen unterirdischen Becken auch ein neues Entlastungsbauwerk erstellt, Schächte und Leitungen angepasst sowie ein neues Betriebsgebäude gebaut. Nicht Teil des Projektes ist die Sanierung des Zulaufkanals unter der Autobahn. Mit dem neuen Becken sollen auch gesetzliche Grenzwerte eingehalten werden.

Vor ARA-Neubau nötig

Das neue Mischwasserbecken ist eine Bedingung für den später geplanten Neubau der veralteten Abwasserreinigungsanlage (ARA) Rhein. Vorgesehen ist, beim Neubau die Zulaufmenge der ARA zu reduzieren, was ohne neues Becken "zu deutlich höheren Schmutzausstössen in den Rhein führen" würde.

Bei der im Baselbiet mehrheitlich üblichen Siedlungsentwässerung per Mischsystem kann bei Regen die Abwassermenge bis zum Hundertfachen von Trockenperioden ansteigen. Für solche Spitzen-Volumina sind die ARA aus technischen und Wirtschaftlichkeitsgründen nicht ausgelegt. Meist sind die ARA für den zweifachen Trockenwetteranfall konzipiert.

Als Puffer haben ARA meist Mischwasserrückhaltebecken. Sind diese jedoch voll, werden die Abwasserkanäle ab einer bestimmten Regenmenge mancherorts in Bäche und Flüsse "entlastet": Abwässer fliessen so ungereinigt in Gewässer. Just im grossen Einzugsgebiet Pratteln/Augst gibt es heute noch keine Mischwasserbehandlung.

"Massive Verschmutzungen"

Das AIB schreibt von teils "massiven Verschmutzungen" wegen dieser Überläufe. Der "Effekt" sei namentlich nach längeren Trockenperioden und bei Starkregen "deutlich messbar". Nicht nur Dreckfahnen und Schaum im Gewässer, sondern auch WC-Papier-behangene Ufergehölze sind unterhalb von Abwasser-Einleitstellen ein vertrautes Bild.

Für die Regierung hat das Mischbecken für die ARA Rhein in Pratteln "sehr grosse Priorität", obwohl der Rhein ein "sehr starker Vorfluter" sei, also das eingeleitete Abwasser in vergleichsweise sehr viel Flusswasser verdünnt wird. Ein solches Becken erhöht zudem die Betriebssicherheit der ARA etwa bei einer Havarie oder Revision.

Auslöser der Planungen ist das neue Schweizer Gewässerschutzgesetz, auf dessen Basis das Baselbiet seine Generellen Entwässerungspläne erarbeitet hat. Zu den Massnahmen daraus gehören rund 20 neue Mischwasserrückhaltebecken für verschiedene ARA im Kanton - bisher bestehen 40 solche Becken plus drei Staukanäle.

Stimmt das Baselbieter Parlament dem Projekt noch im Herbst zu, soll das Ausführungsprojekt im ersten Quartal 2020 erarbeitet werden. Wegen der 13 Meter tiefen Baugrube muss man übrigens bestehende Bauten speziell sichern. Der Baubeginn ist im dritten Quartal 2020 vorgesehen, die Inbetriebnahme 2022.

In der 1975 in Betrieb genommenen ARA Rhein in Pratteln werden neben kommunalen auch industrielle Abwässer behandelt. Seit 2001 ist sie eine Aktiengesellschaft in gemeinsamem Besitz des Kantons und der regionalen Industrie, darunter BASF, Bayer und Cabb.