Aesch

Arbeit, soziale Tätigkeit, Volleyball und Familie – das erfordert Management

Vielseitig und am Weltgeschehen interessiert: Catherine Brunold-Hollinger.

Vielseitig und am Weltgeschehen interessiert: Catherine Brunold-Hollinger.

Die Aescherin Catherine Brunold-Hollinger erklärt, was ihr Einsatz für lokalen Nachwuchssport mit dem Engagement für Afrika verbindet.

Catherine Brunold-Hollinger ist eine Top-Alltagsmanagerin. Ob bezahlter Job, soziales Engagement oder Familienarbeit: Die 35-jährige Aescherin, die kürzlich mit ihrer Familie von Basel nach Therwil umgezogen ist, packt die Dinge mit Herz, Seele und Verstand an. Was immer sie tut, ist durchdacht, hat Hand und Fuss und heisst Gutes tun.

Catherine Brunold, die einen Master in Erziehungswissenschaften hat, arbeitet erstens seit über zehn Jahren bei Terre des Hommes Schweiz. Die Entwicklungsorganisation in Basel engagiert sich in der Jugendarbeit in Afrika, Lateinamerika und der Schweiz, in der Region kennt man sie für das zweitägige Musik-Festival imagine, das jedes Jahr im Juni unter dem Motto «Für Vielfalt – Gegen Diskriminierung» Zehntausende auf den Basler Barfüsserplatz lockt (in diesem Jahr ist das imagine-Festival wegen Corona ins Wasser gefallen).

Zweitens wirkt sie in der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe für Burkina Faso der Gemeinde Aesch mit. Und drittens liebt sie es, Zeit mit ihrer bald dreijährigen Tochter zu verbringen, wenn sie nicht gerade Zügelkisten auspacke, so Catherine: «Die Baustelle ist vorbei, aber das Puff ist noch gross.»

Im politischen Haushalt aufgewachsen

Woher bezieht diese stets kooperative Powerfrau mit der frischen, direkten Art, ihre positive Energie? Und weshalb setzt sie sich für Jugendliche und junge Erwachsene ein, die als Gruppe nicht sehr beliebt sind? «In meinem Elternhaus war es immer selbstverständlich, dass man in der Gesellschaft zueinander schaut», erzählt sie. «Unsere Devise ist: Wenn man helfen und teilen kann, macht man das gerne.»

Brunold-Hollinger ist in einem politischen Haushalt aufgewachsen, in dem die Lokal- bis Weltpolitik, das Zeitunglesen und der Gang zum Wahl- und Abstimmungslokal an der Tagesordnung waren und mit dem sozialen Engagement einhergingen. Ihre Mutter ist die bekannte Aescher Vollblut-Gemeindepolitikerin Marianne Hollinger und auch ihr Grossvater mütterlicherseits, Rolf Schmidlin-Langlotz (1920–2019) habe sich bis ins hohe Alter bei den angeregten Debatten im Familienkreis eingebracht, erinnert sie sich.

Sie sei zwar «viel linker» als ihre Mutter, meint sie, auch wenn sie keiner politischen Partei angehöre. «Aber immer, wenn es um soziale Fragen geht – Flüchtlinge, Entwicklungspolitik, Sozialhilfe – sind wir uns hundertprozentig einig.» Empathie und Hilfsbereitschaft könne man parteiunabhängig haben, fügt sie an, «ausser vielleicht im rechtsaussen Lager».

Ein Leben für den Volleyball-Nachwuchs

Gutes tun könne man auch im Kleinen, so Brunold-Hollinger, die während des Corona-Notrechts mit ihrer kleinen Tochter für die alte Nachbarin einkaufen ging. Aber natürlich mache es enorm Spass, wenn man etwas Grosses und Tolles mit auf die Beine stelle, sagt sie im Hinblick auf ihren langjährigen Einsatz für den Nachwuchs beim Volleyballclub Sm’Aesch Pfeffingen.

1994 begann sie dort als Spielerin. «Irgendwann hatte ich Lust, den Kindern selber Trainings zu geben», erzählt sie. 2012 wurde die Nachwuchsakademie des Sm’Aesch Pfeffingen ins Leben gerufen. Brunold-Hollinger wirkte von Anfang an an vorderster Front mit. «Alle sagten, das geht nicht, ihr spinnt und niemand will das», erzählt sie. «Es ging super, die Kinder wollten es unbedingt und Nawak war auch sportlich sehr erfolgreich.»

Es sei eine intensive Zeit gewesen, meint sie rückblickend – und das neben dem 80-Prozent-Job bei Terre des Hommes. «Es war recht stressig, aber es machte auch unheimlich Spass!» Seitdem sie Mutter ist, tritt sie etwas kürzer. «Es wäre unmöglich gewesen, alles unter einen Hut zu bringen und es ist auch gut, den Weg für Jüngere freizumachen», sagt sie. Heute trainiert sie den Volleyballnachwuchs einmal die Woche und wirkt im Vorstand des Sm’Aesch Pfeffingen mit.

Chancengleichheit für alle

Bei Terre des Hommes kann sie ihre sozialpolitische Ader nach wie vor ausleben. Catherine koordiniert die Projekte in Tansania und beschäftigt sich schwerpunktmässig mit dem Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte. «Ich wollte schon immer in der Nonprofit-Szene arbeiten», sagt sie. «Hier kann ich mit engagierten Menschen zusammenarbeiten und mich auf innovative Weise für Jugendliche in anderen Weltregionen einsetzen, die es schwieriger haben als wir.»

Ihre eigene Mutterschaft habe ihr nochmals vor Augen geführt, wie wichtig es sei, dass alle jungen Menschen dieselben Chancen haben sollen, unabhängig davon, in welchem Land sie aufwachsen, sagt sie. In Tansania zum Beispiel seien ungewollte Teenager-Schwangerschaften nach einer Vergewaltigung weit verbreitet. Viele Jugendliche haben HIV, ihre Eltern sind an Aids gestorben und die älteren Kinder müssen sich auch wirtschaftlich um die jüngeren Geschwister kümmern.

Eine gute Ausbildung und eine bezahlte Arbeit sei für viele nicht in Sicht, sagt sie: «Und die Corona-Krise macht alles noch viel schlimmer.» Für die Aescherin ist deshalb klar: Die Solidarität mit den anderen darf nicht an der Landesgrenze aufhören. Catherine Brunold-Hollinger: «Ich weiss, dass ich zu den Privilegierten gehöre. Dafür bin ich einfach nur dankbar.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1