Dass der Kühlschrank merkt, wenn das Joghurt ausgeht, selber Nachschub bestellt und dieser per Drohne angeliefert wird – dies ist eine der landläufigen Varianten, die unter dem Stichwort «Digitalisierung» kursieren: Alles wird irgendwie «smart». Doch werden wir uns so einen Kühlschrank überhaupt noch leisten können, wenn uns die selbstständigen Roboter den Job weggenommen haben?

«Wir investieren in Roboter, um produktiver zu werden, nicht um Leute zu entlassen», betont Roman Schneider, Geschäftsleitungsmitglied der Schreinerei Schneider in Pratteln. Diese stellt in industriellem Rahmen Fenster und Toilettensysteme für Züge oder Fahrzeugteile her, ist aber auch im individuellen Innenausbau tätig. «Um die Maschine zu programmieren braucht es weiter Fachleute mit handwerklichem Know-how. Und für Detaillösungen, die Montage und Kundenkontakte sind weiterhin Spezialisten gefragt.»

Um dem Preisdruck – nicht zuletzt durch Konkurrenz aus dem Ausland – etwas entgegenzusetzen, sieht er in der Digitalisierung grosse Chancen von der 3-D-Vermessung auf der Baustelle, der Übertragung dieser Daten ins CAD-System, der Ressourcenplanung bis hin zur digitalen Rechnung. Risiken ortet er in der Abhängigkeit von Maschinen, der Abhängigkeit von externem Wissen für die Software-Anpassung und den kurzen Amortisationsfristen wegen der Schnellebigkeit der grossen Investitionen durch die kurzen Innovationszyklen.

Mit 150 Mitarbeitenden hat die Schreinerei Schneider eine kritische Grösse, um digitales Know-how auch intern aufbauen zu können. Was ist mit den Kleinen? «Da sollte man nicht in Panik geraten», rät Schneider. «Aber man sollte die Augen offen halten, sich mit anderen austauschen und weiter Faktoren wie Arbeitszeitmodelle oder die Motivation der Mitarbeitenden nicht vergessen.»

BLKB digitalisiert Kerngeschäft

Die Digitalisierung gilt als «disruptive Entwicklung», als Entwicklungssprung, der das Bisherige infrage stellt – vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine oder später der Elektrifizierung. So versprechen Internetwährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple ein Finanzsystem ohne staatliche Zentralbanken und ohne Banken. Und mit dem in Kenia entwickelten System «M-Pesa» ist in verschiedenen Ländern eine Zahlungsmethode von Handy zu Handy in Betrieb, die ohne Bankkonten auskommt.

Diese Entwicklungen beobachte man bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) aufmerksam, berichtet Mediensprecherin Monika Dunant. «Wir sind uns bewusst, dass da Umwälzungen im Gang sind. Doch ist es gerade bei virtuellen Währungen nicht einfach, diese Entwicklungen auf konkrete Produkte herunterzubrechen.» Deshalb implementiere die BLKB die Digitalisierung im Alltag dort, wo es Anknüpfungspunkte an ihr Kerngeschäft und den regionalen Leistungsauftrag gebe. «So haben wir in Zusammenarbeit mit True Wealth unsere Online-Vermögensverwaltung Digifolio entwickelt.» Dafür wurden auch die Kundenberatenden intern geschult.

Handelskammer unterstützt KMU

Am «Tag der Wirtschaft» der Wirtschaftskammer Baselland werden morgen unter anderem BLKB-CEO John Häfelfinger und Roman Schneider vor einem KMU-Publikum über die Digitalisierung diskutieren. Einen anderen Weg geht die Handelskammer beider Basel (HKBB): Auf der Website www.are-you-digital.ch bietet sie KMU an, durch individuelle Workshops mit Spezialisten die digitalisierungsfähigen Prozesse des Unternehmens zu eruieren. Dafür übernimmt die HKBB drei Viertel der Kosten. Seit dieses Programm im August aufgeschaltet wurde, hätten sich bereits 26 Firmen angemeldet, schreibt die HKBB in ihrem Communiqué zum gestrigen schweizerischen Digitaltag.

Weiter bezuschusst sie Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur digitalen Transformation von Unternehmen mit bis zu 80'000 Franken. Und im kommenden Frühling will die HKBB entscheiden, ob sie auch Start-ups aus dem Digitalisierungsbereich unterstützen wird.