Wohnraum

Arlesheim droht die Überalterung: Wachstumspläne sind vorerst gestoppt

Mit dem Nein zum Quartierplan Schneckenbündten 2 setzten sich am Ende die Anwohner durch. Sie hatten bereits an der Gemeindeversammlung im Juni für die Rückweisung des Quartierplans gesorgt. (Symbolbild)

Mit dem Nein zum Quartierplan Schneckenbündten 2 setzten sich am Ende die Anwohner durch. Sie hatten bereits an der Gemeindeversammlung im Juni für die Rückweisung des Quartierplans gesorgt. (Symbolbild)

Der Souverän versenkt die Überbauungspläne für das Gelände des früheren Schulungszentrums der Basler Versicherung zum zweiten Mal. Vorgesehen war auch ein 30 Meter hohes Gebäude. Das Nein fiel jedoch knapp aus – die Bevölkerung ist tief gespalten.

Mit 109 zu 97 Stimmen war das Ergebnis äusserst knapp. Die intensive Debatte zuvor hatte die Zerrissenheit der Bevölkerung aufgezeigt. Die einen wünschen sich mehr Wohnraum – vor allem preisgünstigeren –, andere sehen in den Wachstumsplänen des Gemeinderats eine Gefahr für Arlesheim.

Mit der Überbauung Schneckenbündten 2 der Basler Versicherung an der General-Guisan-Strasse am Standort ihres ehemaligen Schulungszentrums werde mit einem Baukörper von 30 Metern Höhe ein Präjudiz geschaffen, warnten Kritiker. Denn daran würde sich die bauliche Entwicklung der Umgebung orientieren.

Masterplan des Gemeinderats

Dabei wurde immer wieder der in den letzten Monaten viel diskutierte Masterplan des Gemeinderats für das Gebiet inklusive der benachbarten Wohnüberbauung Schneckenbündten 1 aus den 1970er-Jahren erwähnt. Dieser zeigt auf, wie sich das ganze Areal in den nächsten Jahrzehnten baulich entwickeln könnte und Schneckenbündten 1 womöglich einem Neubau im Stile des Projekts der Basler Versicherung weichen müsste.

Das Versprechen der Pensionskasse von Coop, der Besitzerin dieser benachbarten Überbauung Schneckenbündten 1, in den kommenden 15 Jahren baulich nichts zu verändern, konnte die spürbare Skepsis kaum mildern. Gemeinderätin Ursula Laager (Frischluft) betonte, dass ein Quartierplan von Coop überhaupt erst vom Gemeinderat angenommen werden und erst recht von der Gemeindeversammlung genehmigt werden müsste, bevor dort etwas gebaut werden könnte.

Hohe Ausnützungsziffer für mehr Grünfläche

Auch Laagers Erinnerung daran, dass nur dank der hohen Ausnützungsziffer von Schneckenbündten 2 so viel Grünfläche geschaffen werden kann, half am Ende nicht.

Mit dem Nein zum Quartierplan setzten sich am Ende die Anwohner durch. Sie sorgten bereits an der Gemeindeversammlung im Juni für Rückweisung des Quartierplans. Der Gemeinderat musste sich nun Kritik gefallen lassen, dass er trotz diesem Signal keine Anpassungen vorgenommen hat.

Der Gemeinderat sei vom Projekt nach wie vor überzeugt, stellte Ursula Laager klar. Auch sei die Rückweisung damals damit begründet worden, dass aufgrund der Coronakrise der Gemeinderat nicht genügend habe informieren können. Dies holte er an zwei Info-Veranstaltungen nach.

Arlesheim droht zu überaltern

Auch an diesen war spürbar: In Arlesheim grassiert die Angst, dass sich die Identität des Dorfs nachhaltig verändern könnte. Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP) widersprach den vorgebrachten Szenarien, dass Arlesheim zur Stadt werden könnte: «Die Einwohnerzahl ist seit 18 Jahren nicht mehr gewachsen. Und in den letzten 20 Jahren nahm der Anteil der 20- bis 40-Jährigen um ein Drittel ab.» Die Warnung war deutlich: Arlesheim droht zu überaltern. Es brauche mehr Wohnraum, um diese Entwicklung zu stoppen.

Noch hat es der Gemeinderat nicht geschafft, die Bevölkerung davon zu überzeugen. Dass sich sämtliche Ortsparteien von links bis rechts für den Quartierplan aussprachen, das Bauvorhaben aber trotzdem abgelehnt wurde, zeigt, wie umstritten die Pläne der Gemeinde sind.

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