Gemeindeversammlung

Arlesheim will nicht mehr weiter wachsen

«Wir wollen besser werden und qualitativ wachsen» sagt Gemeindepräsident Zeller. (Archiv)

«Wir wollen besser werden und qualitativ wachsen» sagt Gemeindepräsident Zeller. (Archiv)

Die Gemeinde habe mit 9200 Einwohnern eine Idealgrösse erreicht. Arlesheim soll sich künftig qualitativ weiterentwickeln, meint Gemeindepräsident Heinz Zeller.

Die Arlesheimer Gemeindeversammlung hat am Mittwoch die Revision des Zonenplans Siedlung gutgeheissen. Im Zuge der Ortsplanrevision ist damit die erste von drei Etappen geschafft, die Zonenpläne Ortskern und Landschaft folgen noch. Für die Gemeinde ist es ein bedeutendes Geschäft.

Die letzte Zonenplanrevision ist 30 Jahre her, eigentlich sollten aber alle 15 Jahre die Zonenvorschriften überarbeitet werden. Der Gemeinderat liess sich fünf Jahre Zeit mit der Vorbereitung des Geschäfts. Es habe ausserordentlich viele Informationsveranstaltungen und über 100 Einzelgespräche im Rahme der Mitwirkung gegeben, erklärt Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller. «Es ist ein hochkomplexes Geschäft, nirgends hat man sonst so viele Betroffene.»

Wachsen ohne zu wachsen

Die Botschaft der neuen Zonenvorschriften für das Siedlungsgebiet markiert einen Paradigmenwechsel für die Gemeinde. Arlesheim habe sich in den vergangenen Jahren massvoll entwickelt, jetzt sei aber genug, 9200 Einwohner seien eine ideale Grösse. Überspitzt formuliert, hat Arlesheim beschlossen, nicht mehr zu wachsen. Zeller relativiert aber: «Es geht hier um eine Haltung. Das als Behörde zu planen, ist allerdings schwierig.»

Trotzdem steht Arlesheim allein auf weiter Flur. Die Nachbargemeinden wollen wachsen. Alle wollen wachsen, nur Arlesheim nicht. Nicht ganz: «Wir wollen besser werden und qualitativ wachsen», so Zeller. Das scheint der Konsens innerhalb der Bevölkerung zu sein, die an der Gemeindeversammlung mit grosser Mehrheit bei nur zehn Gegenstimmen die Revision verabschiedete.

Paradox: Das angestrebte Nullwachstum der Bevölkerung ist ohne expansive Siedlungsentwicklung nicht zu erreichen. Die Gemeinde rechnet, dass für ihr Stagnationsziel dennoch 35 neue Wohneinheiten pro Jahr benötigt werden. Das Zauberwort hierfür heisst Verdichtung. Im Zonenplan sind die entsprechenden Gebiete nun entlang der Verkehrshauptachsen definiert. Einer der Urbanisierungs-Hotspots ist das Gebiet um den Bahnhof Dornach-Arlesheim. Die angestrebte Verdichtung sei aber moderat, geht aus dem Ratschlag hervor. Und für alle unbebauten Areale gilt eine Quartierplanpflicht.

Als Wirtschaftsstandort aber will Arlesheim durchaus noch wachsen. Die Zonenvorschriften für das Gewerbe wurden so geändert, dass dort praktisch flächendeckend höher gebaut werden darf. Die maximale Bauhöhe beträgt in nicht sensiblen Zonen nun 24 Meter.

Wie der Mitwirkungsbericht zeigt, ist der Gemeinderat auf alle wichtigen Anliegen des Gewerbe- und Industrievereins eingetreten. Dazu zählte etwa die nach oben angepasste Gebäudehöhe. Ohne diese Möglichkeit zu wachsen, könnte beispielsweise die Weleda keinen weiteren Ausbau realisieren. Der Wunsch der Arbeitsgruppe Standortpolitik und der FDP, das bestens erschlossene Areal der Stadtgärtnerei als Gewerbefläche einzuzonen, zerschlug sich aber. Die Gesetzgebung ermögliche das nicht, so die Begründung.

Für Bauherren eine ganz wesentliche Änderung bringt die Grünflächenziffer, welche die Bebauungsziffer ablöst. So wird die durch die Überbauung versiegelte Fläche limitiert. Neu sind im Siedlungsraum auch überall Flachdächer zulässig, die idealerweise begrünt werden. Diese würden auch Lebensräume für Pflanzen und Tiere bilden und entlasteten die Siedlungsentwässerung.

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