Die Massnahme war radikal. Im Frühling 2004 beschloss der Birsfelder Gemeinderat, dass sich ab 22 Uhr niemand mehr auf dem Birsfelder Teil des Birskopf aufhalten darf. Vorangegangen waren jahrelang Reklamationen der Anwohner wegen nächtlicher Lärmorgien.

Zwar gab es juristische Bedenken, ob ein so undifferenziertes Aufenthaltsverbot rechtsstaatlich korrekt sei. Und die jugendlichen Parknutzer wehrten sich mit einer Demo für ihr Recht auf nächtliche Partys. Doch der Gemeinderat blieb hart.

Seit zehn Jahren weist an warmen Sommerabenden ein privater Sicherheitsdienst darauf hin, dass man den Park nach 22 Uhr verlassen muss. Manche Parknutzer brauchen eine zweite Aufforderung - oder vielleicht sogar eine dritte, unzweideutige. Aber dann ist der Park leer.

«Das Verbot hat sich eingebürgert»

Der Gemeinderat könnte Bussen aussprechen, aber das war bisher nie nötig. «Das Verbot hat sich eingebürgert», sagt Samir Stroh, Abteilungsleiter Sicherheit. Jedenfalls erhält Gemeinderat Claudio Botti, 2004 und seit einem Jahr wieder für Sicherheit zuständig, keine Reklamationen von Anwohnern mehr. «Wenn man mit den Leuten spricht, verstehen sie, warum sie weggehen sollen», hat er festgestellt. Und es sei schliesslich Aufgabe des Gemeinderats, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Der Sicherheitsdienst kostet 32 000 Franken pro Jahr.

Botti und Stroh sind sich bewusst, dass die meisten Jugendlichen um 22 Uhr nicht heimgehen. Sie wechseln einfach auf die Basler Seite des Birskopf, wo man sich frei aufhalten darf. «Dort gibt es ja keine Anwohner», sagt Botti. «Ich habe jedenfalls noch nie etwas Negatives aus Basel gehört.»

Doch auf der Stadtseite ist man nicht ganz so glücklich über den abendlichen Vergnügungstourismus. Niklaus Hofmann, Leiter der kantonalen Allmendverwaltung, formuliert es diplomatisch: «Wir haben im letzten Jahr mehrmals gehört, dass es auf dem Basler Birsköpfli Probleme gab.» Er weist auf das Konfliktpotenzial hin, das es bei verschiedenen Benutzergruppen auf dem kleinen Basler Park geben kann.

Jetzt handelt die Basler Seite. Diesen Sommer wird der Kanton, zusammen mit der Christoph Merian-Stiftung, in einer Studie den Ist-Zustand untersuchen und «die Probleme objektivieren», so Hofmann. Befragt werden die Platznutzer, aber auch der Betreiber des Cafés und die Gemeinde Birsfelden. «Dass die Birsfelder Seite um zehn zugeht, haben wir dabei sicher im Fokus», sagt Hofmann.

Im Herbst sollte die Studie vorliegen, aufgrund derer Massnahmen getroffen werden sollen - in Zusammenarbeit mit Birsfelden, wie Hofmann betont. Zudem soll ab kommendem Jahr ein neuer Café-Pächter Ansprechperson für Anliegen an die Verwaltung sein.

Niklaus Hofmann versteht zwar, dass der Birsfelder Gemeinderat die Parkanwohner schützen muss. «Aber generell nachts den Zutritt zu verbieten, ist vielleicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.» In Basel vertrete man lieber die Haltung, öffentlichen Raum grundsätzlich offen zu halten und bei Bedarf eine Art Hausordnung zu erstellen.

Birsfelder pilgern nach Basel

Eigentlich kennt auch Birsfelden andere Methoden als Verbote, um mit Jugendlichen im öffentlichen Raum umzugehen. Darauf weist Philipp Frei hin, Verantwortlicher für die mobilen Jugendarbeiter der Stiftung Jugendsozialwerk im Auftrag der Gemeinde Birsfelden. An anderen Brennpunkten in der Gemeinde habe man «mit Streetworkern viel erreichen können», sagt Frei. Verbote seien effizient, wenn man sie gut umsetzen könne - Probleme mit Jugendlichen löse man damit aber nicht nachhaltig. «Sie verschwinden ja nicht einfach.»

Auf dem Birskopf habe man sich inzwischen daran gewöhnt, jede Nacht über die Birs zu pilgern. Aber bei den Jugendlichen, die aus Birsfelden stammen, bleibe vor allem eines hängen: «Wir sind Birsfelder, und am Abend werden wir aus Birsfelden rausgeschmissen.» Dabei, findet Frei, müsse die Gemeinde doch froh sein, wenn sie im Ort bleiben würden.