Seit gestern veröffentlicht der Kanton Baselland quartalsweise die Zahl der Asylbewerber, die in den 86 Baselbieter Gemeinden leben. In der auf der Kantons-Homepage publizierten Auflistung ist auch ersichtlich, welche Ortschaften die kantonale Asylquote erfüllen und welche nicht. 

Diese beträgt seit Anfang April ein Prozent der Wohnbevölkerung einer Gemeinde. Als Reaktion auf die steigenden Asylbewerberzahlen in der Schweiz hatte sich der Kanton entschieden, die bisher gültige Quote von 0,8 Prozent zu erhöhen. Für die aktuellste Aufstellung, welche die Situation Ende März zeigt, ist deshalb noch die alte Asylquote massgebend. Und ein Blick in die Tabelle zeigt, dass zwei Drittel der Gemeinden zu wenig Asylsuchende aufnahmen.

Proaktive Erhöhung der Asylquote

Der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi erklärt diese Tatsache durch den Umstand, dass Ende März rund 1950 Asylsuchende im Kanton Baselland lebten. «Das sind weniger als 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung des Baselbiets.» In den ersten Monaten des Jahres sei die Zahl der Asylsuchenden wegen der Witterungsverhältnisse und der geschlossenen Balkanroute zurückgegangen. Die kürzliche Erhöhung auf ein Prozent habe proaktiv stattgefunden, um für mehr Asylbewerber gewappnet zu sein. Es sei gut möglich, dass der prognostizierte Anstieg der nationalen Asylzahlen in der zweiten Jahreshälfte zu einer weiteren Erhöhung auf 1,2 Prozent führe.

Eine der Gemeinden, die laut der Liste ihr Soll nicht erfüllt, ist Reinach. Gemeindepräsident Urs Hintermann betont, dass man zwar durchaus über Kapazitäten für die vorgegebene Anzahl Asylbewerber verfüge. «Der Kanton Baselland hat uns jedoch weniger Personen zugewiesen, als wir aufnehmen müssten.» Die Tabelle sei in seinen Augen mit Vorsicht zu geniessen, da darin nicht ersichtlich sei, dass Reinach auch Asylbewerber von Binningen und Arlesheim beherberge. «Mit diesen Gemeinden haben wir ein Übernahmeabkommen und erhalten für jeden Asylbewerber eine Rückvergütung.» In den beiden Wohnzentren an der Pfeffingerstrasse und am Kägenhofweg sowie in privaten Wohnungen würden mehr Menschen leben als aufgelistet seien.

Arboldswil will neue Asylsuchende

Überhaupt keine Asylsuchende wohnten Ende März in acht bevölkerungsarmen Baselbieter Gemeinden. Darunter Burg im Leimental, dessen Asylbewerber einige Kilometer von der Gemeinde entfernt untergebracht sind. «Ettingen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, unsere Asylbewerber bei sich aufzunehmen», sagt Dieter Merz, Gemeindepräsident von Burg im Leimental. Sein Dorf sei verkehrstechnisch schlecht erschlossen und habe keinen Wohnraum, in dem es möglich sei, Asylbewerber einzuquartieren. Der Vertrag mit Ettingen laufe in wenigen Monaten aus, weshalb man derzeit nach einer Nachfolgelösung suche. «Wir stehen mit Rolf Rossi in Kontakt.»

In Arboldswil, wo derzeit ebenfalls keine Asylbewerber heimisch sind, herrscht hingegen kein Kapazitätsproblem. «Wir warten darauf, dass uns eine neue Familie zugewiesen wird», sagt Gemeindepräsident Johannes Sutter. Eine syrische Familie habe das Dorf kürzlich verlassen und lebe nun in Bubendorf.