Energie

Auch Adev möchte ein Baselbieter Windkraftwerk

Windkraft ist eine von vier Adev-Spezialitäten.

Windkraft ist eine von vier Adev-Spezialitäten.

Adev-Verwaltungsratspräsident Eric Nussbaumer fordert verlässliche Bedingungen für dezentrale Stromproduktion. Im Interview verrät er, wie man die Erfahrungen aus dem Bau in St. Brais für eine Windkraftanlage im Baselbiet nutzen kann.

Herr Nussbaumer, EBL und EBM investieren in erneuerbare Energien. Wozu braucht es die Adev noch?

Eric Nussbaumer: Wir haben eine Überzeugung und gute Ideen, wie man die Energieversorgung zukunftsfähig gestalten kann. Das setzen wir seit bald 30 Jahren um. Es wäre seltsam, wenn wir, weil andere dies mittlerweile auch tun, nun aufhören würden.

Bezüglich der Energiemenge sind sie aber immer noch sehr klein ...

Immerhin produzieren wir 30 Gigawattstunden Strom, mit denen man die Bevölkerung von Liestal und Sissach versorgen kann. Der Energiemarkt lässt Platz auch für kleinere Akteure, man soll nicht alles den Global Players überlassen.

Was zeichnet die Adev aus?

Wir haben ein verlässliches Geschäftskonzept, indem wir sagen: Die Energiewende lässt sich nur machen, wenn die Bürgerinnen und Bürger daran teilhaben können. Zweitens haben wir Innovation nie gescheut. Wir haben schon sehr früh Projekte umgesetzt, die andere infrage stellten mit Argumenten wie: «Eine Ölheizung ist doch viel einfacher.» Wir haben die verschiedenen Elemente einer nachhaltigen Energieversorgung von Anfang aufgebaut und werden dafür regelmässig ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Solarpreis.

Bei der Windkraft wurden Sie aber beim Standort Liesberg von der EBM ausgestochen.

Da waren die Verträge mit der Bürgergemeinde eigentlich schon fast unterschriftsreif. Aber wir wurden schon oft überboten. Wir bekommen nichts geschenkt und stehen im Wettbewerb. Störend ist höchstens, wenn man den Eindruck bekommt: «Der andere ist hundertmal grösser als wir und kann sofort Millionen sprechen, die eigentlich nicht refinanzierbar sind.» So bekamen wir ein Kleinwasserkraftwerk nicht, weil ein Elektrizitätswerk es kaufte, um es stillzulegen, damit kein dezentraler Produzent entsteht. Oder bei Windkraftanlagen konnten andere Projektentwickler eine sehr viel höhere Pacht für den Standort anbieten.

Streben Sie weiter ein eigenes Windkraftwerk im Baselbiet an?

Wir sind sehr interessiert und probieren es immer wieder. Wir hoffen, dass sich an einem Standort die Bürger für uns entscheiden, weil sie sich direkt beteiligen können: In St. Brais stehen die Aktionäre mit Namen auf der Turbine.

In St. Brais im Jura haben Sie Windkraftanlagen gebaut und haben diesbezüglich Schweizer Erfahrungen, über die EBM und EBL noch nicht verfügen. Können Sie diese im Baselbiet einbringen?

Entscheidend ist, dass man intensiv mit der Bevölkerung spricht: Direkte Demokratie und Windenergie sind zwei anspruchsvolle Partner. Wir sind hier nicht in Deutschland, wo ein Oberbürgermeister sagen kann, er wolle den Windpark, und dann wird gebaut. Wir haben das Mitwirkungsverfahren in der Raumplanung. Der Dialog ist der entscheidende Punkt. Zweitens bleibt die Wahrnehmung von Windturbinen auch nach dem Bau ein Konfliktpotenzial. In St. Brais gibt es heute noch Leute, die das super finden, und solche, die sehr vehement sagen, sie möchten das nicht vor ihrem Dorf.

Werden in St. Brais nun weitere Anlagen gebaut?

Es gibt einen zweiten Standort auf der anderen Seite, wo ein anderes Elektrizitätswerk den Zuschlag für die Projektentwicklung bekommen hat. Es gibt aber eine kleine Gruppe, die sehr kritisch eingestellt ist und in den Medien grossen Lärm macht. Solche Auseinandersetzungen haben wir auch bei grossen Staumauern oder Solaranlagen auf exponierten Dächern. Das gehört zur energiepolitischen Diskussion in der Schweiz.

Fühlen Sie sich in St. Brais weiter von der Mehrheit der akzeptiert?

Ja. Das können Sie dort selbst überprüfen gehen.

Die Preise an der Strombörse sind wegen der Kohlenkraftwerke derzeit im Keller. Welche Rendite kann Adev unter diesen Bedingungen den Investoren bieten?

Wir arbeiten vor allem mit den gesetzlichen Einspeisevergütungen. Diese sind wie bei den Netzbetreibern so berechnet, dass eine Gesamtkapitalrendite zwischen 4 und 5 Prozent resultiert. Wenn man dann technisch alles richtig macht, geht es auf – aber nur dann.

An den Fördermodellen wird aber dauernd etwas geändert. Gerade diesen Sommer kommt nun das neue Energiegesetz ins Parlament.

Das Problem ist: Viele reden von der Energiewende, wollen sie aber eigentlich bremsen. Sie sagen, man solle «nicht den gleichen Fehler wie in Deutschland machen». Damit meinen sie, dass Deutschland nun zeitweise 40 Prozent Sonnenenergie im Netz hat. Was daran falsch sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Die Energiewende beinhaltet ja, dass wir am Schluss mehr erneuerbare Energie im Netz haben. Die Kritiker sagen auch, die Fördersysteme brauche es nicht. Aber wir bauen das Energiesystem um, und in der Energiewirtschaft sind verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend für den Netzumbau und die Investition in Kraftwerke. Es geht also um Verlässlichkeit.

Ist die Diskussion auf Bundesebene nicht zu verwirrend für all jene, die nicht als Experten drinstecken?

Ich empfinde das nicht so. Es wird nicht am Grundsatz, sondern an einzelnen Stellschrauben des bestehenden Fördermodells herumjustiert. Dazu gehört, dass man die Förderpreise der Technologie- und Marktentwicklung gemäss absenkt. Da war es etwas unglücklich, dass man dies teilweise jährlich und dann wieder halbjährlich gemacht hat und dass im letzten Jahr die Förderdauer gesenkt wurde. Im Grundsatz ist das Fördermodell aber immer das gleiche.

Trifft dies auch auf das Energiegesetz zu, das diesen Sommer ins Parlament kommt?

Bisher wurde die Förderung in drei Artikeln geregelt, im Entwurf des Bundesrats sind es rund 15. Die Tendenz ist, alles sehr detailliert und kompliziert zu machen. Im Grundsatz ist es aber eine Fortsetzung des jetzigen Systems. Wir müssen einfach darauf achten, dass der Umbau keinen Bremseffekt auslöst, sondern eine grössere Marktdynamik bringt.

Was halten Sie als Nationalrat von der Energiepolitik des Kantons Baselland?

Bis Ende der 90er-Jahre war sie pionierhaft, gerade bezüglich der verlässlichen Rahmenbedingungen für dezentrale Stromproduktion. Als 1998 das eidgenössische Energiegesetz kam, hat sich Baselland etwas ausgeruht und es gab eine Delle. Man hat den freiwilligen Kauf von Solarstrom erlaubt – andere Kantone gingen da weiter. Zu Zeiten von Jörg Krähenbühl und mit dem Energiepaket im Gebäudebereich hat man wieder ein Niveau erreicht, dass man in der Schweiz unter den Top Ten ist. Heute wartet Sabine Pegoraro mit der Revision des Baselbieter Energiegesetzes darauf, was der Bund macht. Früher war das anders, da wollte der Kanton ein energiepolitischer Pionier sein.

Soll er dies wieder werden?

Ja, das soll er, aber nicht nur der Kanton. Das Gemeinwesen hat auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene die Verpflichtung, die Energiewende zu gestalten – aus drei Gründen: Wir sind eine Volkswirtschaft, die extrem von fossiler Energie abhängig ist und wir tun gut daran, dies zu überwinden. Gerade weil wir nicht wissen, wie sich die Ölpreise entwickeln, ist es richtig, rechtzeitig auf erneuerbare Energien umzustellen. Und drittens geht es um den Klimaschutz.

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