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Auch Büsserach verliert seine Poststelle

Auch der Santichlaus kann seine Päckli bald nicht mehr in Büsserach zur Post bringen.

Auch der Santichlaus kann seine Päckli bald nicht mehr in Büsserach zur Post bringen.

Geht es nach der Post, soll bei Schliessungen bald auch der Kanton mitreden können. Bisher wurden nur betroffene Gemeinden angehört.

Nun trifft es auch Büsserach. Die Poststelle der Gemeinde im Schwarzbubenland wird voraussichtlich nächsten Sommer durch eine Agentur ersetzt. Das teilte die Post am Dienstag mit. «Natürlich bedauert der Gemeinderat die Schliessung der Poststelle, denkt jedoch, dass mit der Postagentur eine akzeptable Lösung gefunden wurde», sagt der Büsseracher Gemeindepräsident Josef Christ. In Büsserach den Hausdienst der Post anzubieten, sei für die Gemeinde hingegen keine Option gewesen. Die Agentur ermögliche weiterhin ein breites Angebot an Postdienstleistungen, und die längeren Öffnungszeiten seien sicher positiv zu werten. «Natürlich bedeutet die Schliessung der Poststelle eine Umstellung für die Bevölkerung. Mit der Poststelle in Breitenbach und Laufen kann das gesamte Dienstleistungsangebot jedoch in akzeptabler Nähe weiterhin angeboten werden.»

Büsserach ist nur die neuste von einer Vielzahl von Postschliessungen in der Region, die in den letzten Wochen bekannt wurden. Neben der Hauptpost in Basel, deren Schliessung für eine Demonstration sorgte, sind etwa auch Reigoldswil sowie die beiden letzten Poststellen im Diegtertal in Zunzgen und Diegten betroffen. Dies passt auch in den jüngst angekündigten Plan der Post, bis 2020 schweizweit 600 Poststellen zu schliessen. Wie viele davon auf die Region entfallen, könne zum heutigen Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden, sagt Post-Mediensprecherin Jacqueline Bühlmann.

Diegten unterschreibt nicht

Viele Gemeinden haben die Umstellung von einer Poststelle auf eine Agentur bereits durchgemacht. So etwa Buckten im Jahr 2008. Gemeindepräsident Peter Riebli erzählt, man habe schnell festgestellt, dass die Agentur für Buckten eine sehr gute Lösung sei. «Die Leute sind sehr zufrieden», weiss er. Ein grosser Vorteil seien die längeren Öffnungszeiten, vor allem da die Poststelle ihre zuletzt immer stärker einschränken musste.

Diegten hingegen ist noch immer entschieden gegen die bevorstehende Schliessung. «Wir haben uns bis zum Schluss dagegen gewehrt und den Beschluss nie unterschrieben», erzählt Gemeindepräsident Ruedi Ritter. «Aber am Schluss liegt die Entscheidung leider nicht bei uns.» Das letzte Wort hat nämlich die Post. Sie muss die betroffene Gemeinde zwar anhören, eine einvernehmliche Lösung suchen und die regionalen Gegebenheiten berücksichtigen, behält aber das Recht am endgültigen Entscheid.

Bisher keine aktive Rolle ist den Kantonen zugedacht. Dies konstatierte auch Regierungsrat Thomas Weber (SVP) in einer Landratssitzung Mitte November als Begründung, wieso das Postulat von SP-Landrat Andreas Bammatter nicht als dringlich zu erklären sei. Dieser wollte den Regierungsrat auffordern, sich gegen Poststellenschliessungen zur Wehr zu setzen, sollten diese zu einem Abbau des Service public in den Gemeinden führen. «Zudem soll geprüft werden, wie Gemeinden frühzeitig in den Prozess eingebunden werden können, um nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.»

«Nicht instrumentalisieren lassen»

Während der Baselbieter Landrat die Dringlichkeit mit 48 zu 29 Stimmen abgelehnt hat, beschloss der Kantonsrat in Luzern, einen gleichlautenden Vorstoss mit 70 zu 40 Stimmen zu überweisen. Mit den Postulaten solle auch verhindert werden, dass der Regierungsrat von der Postführung instrumentalisiert werden könne.

Denn auch die Post möchte künftig nicht mehr nur mit Gemeinden, sondern auch mit den Kantonen reden. «Wir wollen weg von Einzelbetrachtungen, hin zu Gebietsbetrachtungen», so Bühlmann. Neben gesetzlichen Erreichbarkeitsvorgaben des Bundes sollen deshalb künftig «auch regionale Kriterien und Bedürfnisse» berücksichtigt werden. So sollen bis Ende Jahr mit fast allen Kantonen erste Gespräche geführt werden, die noch bis im zweiten Quartal 2017 andauern. «In diesen Gesprächen wird gemeinsam definiert, welche Poststellen bis 2020 garantiert werden.»

Bammatter hätte es gern gesehen, wenn der Kanton als «aktiver Brückenbauer zwischen den Gemeinden» in die Gespräche gestartet wäre. «Es geht mir nicht darum, um jeden Preis an den Poststellen festzuhalten», betont der 56-Jährige. «Aber es muss eine Strategie hinter den Schliessungen stehen.» Der Kanton müsse sich klar werden, worauf verzichtet werden könne und dürfe. «Es kann nicht sein, dass sich die Gemeinden gegenseitig zerfleischen und am Schluss jene ihre Post behält, die sich am heftigsten wehrt.»

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Autor

Julia Gohl

Julia Gohl

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