Friedhofs-Aufwertung

Auch Kleinstgeschöpfe sollen bestattet werden können: Liestal plant jetzt zwei ganz neue Grabformen

Die grosse Neugestaltung des Liestaler Friedhofs gibt es nicht, dafür neue Grabformen. (Archivbild)

Die grosse Neugestaltung des Liestaler Friedhofs gibt es nicht, dafür neue Grabformen. (Archivbild)

Ein Urnengarten, ein Grabfeld für Föten und ein Begegnungsort sollen Friedhof aufwerten. 

Den grossen Wurf beim Liestaler Friedhof gibt es definitiv nicht. Die Pläne in der Höhe von einer Viertelmillion Franken für eine umfassende Neugestaltung der fast einzigen Grünfläche in Zentrumsnähe, die diesen Namen verdient, sind in einer Schublade verschwunden. Die zuständige Stadträtin Marie- Theres Beeler (Grüne) begründet das mit der finanziell angespannten Situation und sagt: «Wir versuchen nun, peu à peu ohne zusätzliche Budgetmittel das umzugestalten, womit die Bevölkerung nicht ganz zufrieden ist.»

Im Vordergrund stehen zwei neue Grabformen – ein Urnengarten und ein Grabfeld für frühgeborene Kinder. Beides sei ihres Wissens ein Baselbieter Novum, sagt Beeler, die als Spitalseelsorgerin arbeitet. Diese Neuerungen erfordern eine Änderung des Friedhofreglements, was an der morgigen Einwohnerratssitzung traktandiert ist.

Urnengarten soll ohne Pflegeaufwand erinnern 

Die Idee eines Urnengartens sei aus einem verbreiteten Unbehagen bei Hinterbliebenen entstanden. Beeler: «Viele ältere Leute verfügen testamentarisch, dass sie im Gemeinschaftsgrab bestattet werden wollen, um die Angehörigen nicht mit der Grabpflege zu belasten. Doch diesen fehlt dann eine persönliche Erinnerung.» Das hat in Liestal zur Folge, dass rund ums Gemeinschaftsgrab ein Wildwuchs von Andenken in Form von Blumen, Kerzen oder kleineren Kunstwerken aufgestellt werden.

Der Urnengarten kommt dem Bedürfnis der Angehörigen entgegen, ohne sie zu belasten: Auf einem derzeit brachliegenden Friedhofsteil soll künftig die Asche in verrottbaren Urnen beerdigt und das Grab mit einer individuell beschrifteten Platte in der Grösse von 40 mal 40 Zentimetern versehen werden. Beeler rechnet damit, dass dadurch die Bestattungen im Gemeinschaftsgrab – in diesem Jahr waren es bis jetzt 56 und damit 60 Prozent aller Bestattungen – um die Hälfte zurückgehen.

Eigene Grabform für Kleinstgeschöpfe

Für Föten, die vor der 22. Schwangerschaftswoche respektive mit weniger als 500 Gramm Gewicht sterben, gibt es keine Bestattungspflicht. Bis vor ein paar Jahren seien diese Kleinstgeschöpfe im Spital zusammen mit amputierten Körperteilen entsorgt worden, erzählt Beeler. Mittlerweile würden Föten, die von ihren Eltern nicht individuell bestattet werden, kremiert und einmal jährlich im Wald begraben. Neu soll in Liestal nun die Möglichkeit geschaffen werden, Föten auf Wunsch der Eltern in einer kleinen Urne auf dem Friedhof zu bestatten. Und das unmittelbar neben dem «Zerbrochenen Ei», an dem jährlich im November mit einer Feier der verstorbenen Frühgeburten gedacht wird.  

Als weitere Neuerung soll der Liestaler Friedhof einen Begegnungsort erhalten: Unweit des Haupteingangs wird eine Wiese zu einem Mergelplatz mit Sitzgelegenheiten und Brunnen aufgewertet. So könnten etwa nach einer Bestattung die Angehörigen auf dem Friedhof zusammensitzen, sagt Beeler. So etwas fehle heute. Eine Liestaler Stiftung habe dafür einen Beitrag in Aussicht gestellt. Beeler rechnet mit einer Realisierung im nächsten Frühjahr.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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