Ende Juni geht Hans-Peter Ulmann in Pension. Am Dienstag stellte der altgediente CEO der Psychiatrie Baselland an einer Medienkonferenz seinen letzten grossen Wurf vor: Die Psychiatrie erstellt auf ihrem weitläufigen Gelände nebst dem Neubau für die Jugendpsychiatrie zwei weitere Neubauten für 66 Millionen Franken. Das Baugesuch wird in den nächsten Tagen eingereicht, bezugsbereit sollen die beiden Gebäude namens F und G Anfang 2023 sein.

Das mit fünf oberirdischen und einem unterirdischen Geschoss grössere Gebäude, das G, kommt auf den heutigen Personalparkplatz zu stehen. Es ist das Resultat eines Abwägungsprozesses zwischen Sanieren und Neubauen. Denn das Haus G mit 96 Betten soll in erster Linie die Alterspsychiatrie beherbergen, die heute im denkmalgeschützten Gebäude an der Rheinstrasse, dem sogenannten Pfrundhaus, untergebracht ist. Dieser Standort auf der andern Seite der Bahngleise sei für die Psychiatrie wegen der langen Wege ineffizient, vor allem aber genüge das Pfrundhaus nicht mehr den Patientenbedürfnissen, sagte Ulmann. Die Grundrisse eigneten sich nicht für moderne Therapiekonzepte, die Haustechnik sei veraltet und energetisch heize man ein ganzes Quartier mit. Ulmann: «Nur schon für die Sanierung der Haustechnik und der Gebäudehülle müssten wir gegen 37 Millionen Franken aufwenden.»

Die Antwort heisst deshalb Neubau. Das Pfrundhaus will die Psychiatrie im Gegenzug 2023 an den Kanton weiterreichen, auf dessen Boden es steht. Kantonsarchitekt Marco Frigerio bewertet das positiv: «Das kommt in einem guten Moment. Denn wir stehen zusammen mit der Stadt Liestal am Anfang einer Masterplanung, die das betreffende Gebiet mit einschliesst.» Das städtebaulich wertvolle Pfrundhaus biete sich an für eine Nutzung in den Bereichen Wohnen und Dienstleistungen, so Frigerio.

«Lange Reibungszeit, gute Qualität»

Den zweiten Neubau, das Haus F, will die Psychiatrie an das heutige Gebäude B mit Verwaltung, Restaurant und diversen Abteilungen anbauen. In diesen Neubau mit zwei Ober- und drei Untergeschossen inklusive grossem Parking soll dereinst die Krisenintervention ziehen. Als Vorteile der unterirdisch miteinander verbundenen Neubauten hob Ulmann die moderne Infrastruktur, die kurzen Wege mit Synergien für Therapie und unterstützende Bereiche wie die Küche und die Energieeffizienz hervor. Damit ist das Thema Sanierung für die Psychiatrie aber nicht vom Tisch. Denn, so hielt Ulmann fest, auch beim Haus B bestehe grosser Sanierungsbedarf. Die entsprechende Planung beginne in diesem Jahr. Aber der scheidende CEO betonte: «Unter dem Strich wollen wir nicht wachsen beim Bettenangebot, die Aufenthaltsdauer pro Patient nimmt eher ab.» Auch bei der Psychiatrie gelte ambulant vor stationär.

Zählt man alles zusammen, investiert die Psychiatrie in den nächsten Jahren um die 110 Millionen Franken: 66 für die beiden Neubauten, 12 für die Jugendpsychiatrie, bei der im Juni Baubeginn ist, und 30 bis 35 Millionen für die Sanierung von Haus B. Wie soll das alles finanziert werden? Ulmann: «Das ist happig und eine Belastung. Aber wir können das tragen.» 60 Millionen Franken nehme man als Fremdkapital zu sehr günstigen Bedingungen auf.

Alice Scherrer, Präsidentin des Verwaltungsrats der Psychiatrie Baselland, fasste die Planungszeit des «Masterplan Campus Liestal» seit 2013 mit den Worten zusammen: «Die lange Reibungszeit hat zur guten Qualität beigetragen.»