Herzstück

Auf den Hund gekommen

«Ich bin eben ein Hundemensch. Bevor ich zur Welt kam, hatten meine Eltern schon einen Hund.» (Archivbild)

«Ich bin eben ein Hundemensch. Bevor ich zur Welt kam, hatten meine Eltern schon einen Hund.» (Archivbild)

Martin Dürr ist evangelischer Pfarrer und Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft beider Basel.

Wir müssen über Hunde reden. Aber vorher eine Nachricht an alle Katzenmenschen: Katzen sind auch toll! Ich bin eben ein Hundemensch. Bevor ich zur Welt kam, hatten meine Eltern schon einen Hund. Er war ein richtiger Hund, eine Niederlauf-Irgendwas-Promenadenmischung namens Strolchi (nach dem Disney- Film «Susi und Strolch»). Ich teilte schon im Laufgitter mein Essen mit Strolchi, darum liebte er mich besonders. Als er eines Tages hochbetagt unter ein fahrendes Auto tappste und starb, habe ich meinen Vater das einzige Mal weinen sehen.

Unsere Eltern wollten uns nicht sagen, wer Strolchi überfahren hatte. Als wir beiden Söhne von einer Nachbarin je eine Schachteln mit kleinen Schokoladen erhielten, wussten wir es trotzdem. Nach Strolchi kamen nur noch Rauhaar-Dackel. Der erste, ein überzüchtetes Ding hiess mit vollem Namen: Xilla vom Modestübchen. Das sagt eigentlich alles.

Es war extrem uncool, mit ihr zu spazieren, weil sie Angst vor allem hatte und sich einfach hinsetzte, wenn zum Beispiel ein Ochsner-Mistkübel auf dem Trottoir stand. Als eh schon unsicherer Teenager fand ich das peinlich, wenn ich den stocksteif sitzenden Dackel den Berg hinaufziehen musste, während andere mit richtigen Hunden unterwegs waren und grinsten. Die Alternative war aber Geschirr abtrocknen und das fand ich noch schlimmer. Der letzte Dackel, Suse, kam zu unseren Eltern als sie schon zwei Jahre alt war. Sie hatte eine abgebrochene Lehre als Entenjägerin hinter sich. Das ist wahr!

Ich bin überzeugt, dass sie aus disziplinarischen Gründen hinausgeworfen wurde. Bei unseren Eltern brannte sie mehrmals durch und kehrte oft erst am nächsten Tag wieder heim. Sie schien nicht mal ein schlechtes Gewissen zu haben. Weil ich inzwischen schon lange nicht mehr bei den Eltern wohnte, bellte sie mich jedes Mal wütend an, wenn ich einen Besuch machte. Sie dachte wohl, dass ich ihr die erfolgreich erlegten Enten klaue. Besser wurde es erst, nachdem mein Vater starb. Sie schien zu wissen, dass ich jetzt Chef des Rudels war.

Meine Mutter ging dann jahrelang in Riehen allein mit Suse spazieren. Dabei lernte sie einen Mann kennen, der begeistert war von Suse. Der Mann hiess Ernst Beyeler, wie sich herausstellte. Darum fand meine Mutter ihn auch ganz nett – was ungefähr die höchste Auszeichnung war, die jemand von ihr erhalten konnte.

Ich habe mir manchmal vorgestellt, dass Beyeler Suse als Alleinerbin einsetzt. Dann wäre die Fondation via meine kürzlich verstorbene Mutter an mich gelangt. Ich könnte dann sagen: Wenn Ihnen ein Bild von Picasso oder Monet gefällt, sagen Sie es einfach dem Personal und erwähnen Sie das Codewort «Suse». Die helfen Ihnen gerne beim Einpacken.

Als Suse sehr alt war und sich kaum mehr bewegen konnte, sagte meine Mutter: Ich darf nicht sterben, das würde ihr so viel Kummer bereiten. Ich antwortete: Das Problem ist, Suse denkt dasselbe über dich. Das fiel mir jetzt wieder ein, als ich im Schreibtisch meiner Mutter einen Zettel fand: «Bin mit Suse unterwegs».

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