Gelterkinden

Auf leisen Poren durch das Dorf

Der Flüsterbelag in Gelterkinden

Der Flüsterbelag in Gelterkinden

Das Pilotprojekt des lärmarmen Deckbelags auf der Sissacherstrasse in Gelterkinden bewährt sich. Eine erste Zwischenbilanz nach zwölfmonatiger Erprobung fällt positiv aus - die Bevölkerung äussert sich zufrieden.

Seit dem 27. Juli 2010 flüstert der motorisierte Verkehr auf leisen Sohlen über die Sissacherstrasse in Gelterkinden. Dank eines neuartigen Belags mit feinen Poren sind die Lärmimmissionen auf einem 500 Meter langen Abschnitt der täglich von weit über 13000 Fahrzeugen befahrenen Einfallsachse in das Dorf stark zurückgegangen. Selbst Velofahrer müssen die Ohren spitzen, wenn sie die von hinten herannahenden Fahrzeuge hören wollen. Bis zu 8,5 Dezibel, was einem grossen Durst entspricht, «schluckt» der neuartige Deckbelag Nanosoft. Der Lärm ging spürbar zurück.

Die Fachleute, auch diejenige des Kantons, sprechen dabei von einem «Quantensprung». Zum Vergleich: Eine Reduzierung um 10 Dezibel empfindet das menschliche Ohr als Halbierung des Lärms. Eine solche um 3 Dezibel entspräche der Halbierung der Verkehrsmenge. Nach einer zwölfmonatigen Betriebsphase der Pilotstrecke mit Temperaturschwankungen, Streusalz und Schmutzeinträgen zogen die Verantwortlichen eine erste Zwischenbilanz.

«Unsere Erwartungen in den neuen Strassenbelag wurden sowohl aus dem Blickwinkel des Lärmschutzes als auch in betrieblicher Hinsicht erfüllt», bestätigte Kantonsingenieur Oliver Jacobi.
Die Wintereigenschaften konnten noch nicht abschliessend beurteilt werden, da der Winter sehr kurz war. Die ersten Erfahrungen, so Jacobi, liessen aber keine Nachteile erkennen. Jeder Belag werde nach dem Einbauen mit zunehmender Zeit wieder «lauter». Um zu erfahren, wie sich die «Lärmkurve» entwickelt, wird die Lärmentwicklung jährlich im September gemessen. So erfahren die Fachleute, wie schnell die lärmmindernde Wirkung nachlässt und wann sich die langfristige Wirkung einpendelt.

An der Quelle ansetzen

Der Lärmschutz soll wenn möglich an der Quelle (Motor, Pneu, Belag) ansetzen, so will es auch das Umweltrecht. Das Tiefbauamt setzt im Siedlungsgebiet deshalb fast ausschliesslich lärmarme Beläge ein, so dass gewisse Massnahmen in Lärmschutzprojekten entfallen können. In der Auswahl der geeigneten Strecken und bei der Lärmsanierungsplanung findet eine enge Zusammenarbeit mit der Aufsichtsstelle Lärmschutz im Amt für Raumplanung statt.

Hochwirksame lärmmindernde Beläge werden nur dort vorgesehen, wo sie andere Lärmsanierungsmassnahmen wie Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster im Wesentlichen ersetzen können. Da die Lebensdauer dieser nichtnormierten Beläge noch unbekannt ist, muss die Kostenersparnis durch den Wegfall von Wänden oder Fenstern so gross sein, dass in deren Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren der lärmmindernde Belag zwei- bis dreimal ersetzt werden könnte, ohne dass dadurch Mehrkosten für den Steuerzahler entstehen. Noch nicht entschieden ist, wie sich das Sparpaket auf den Lärmschutz auswirken wird. Jacobi rechnet aber mit «drastischen Kürzungen» des Budgets, welches bis anhin bei 6 Millionen Franken pro Jahr lag.

In Gelterkinden ist man ob des neuen Strassenbelags des Lobes voll. Nikki Albrecht, der Inhaber eines Fotogeschäfts, schwärmt in höchsten Tönen: «Sensationell, tolle Sache. Im Laden hört man die Autos, die draussen vorbeifahren, nicht mehr», würdigt der Anwohner die Leistung des Tiefbauamts. Natürlich hätten sich die Leute an das Flüstern der Reifen gewöhnt. Aber beim Passieren der Übergangsstellen zwischen altem und neuem Belag spüre man richtig, wie frappant der Unterschied zwischen den beiden Belägen ausfällt.

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