Öffentlicher Verkehr

Auf Testfahrt im Läufelfingerli-Ersatz: Hier zählt jede Minute

Der Bus zwischen Olten und Läufelfingen ist bei der Fahrt am Dienstag fast leer.

Der Bus zwischen Olten und Läufelfingen ist bei der Fahrt am Dienstag fast leer.

Die SBB steht wegen Ersatzbussen für das Läufelfingerli in der Kritik. Eine Fahrt im Bus zeigt, wo die Tücken liegen.

Dienstagmorgen, 7.30 Uhr, die rosafarbenen Wolken legen sich über die noch angenehm kühle Morgenluft am Oltner Bahnhof. Pendler gehen über den Fussgängerstreifen zur Unterführung, ziehen sich Masken über die Gesichter. Doch kaum jemand bewegt sich in Richtung Kante C6, wo die Bahnersatzbusse zu finden sind. Dort steht er sieben Minuten vor der Abfahrt schon bereit: Der Bus, der bis im Dezember die S9 – das Läufelfingerli – auf Solothurner Seite ersetzt.

Seit dem 7. September und bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember fährt die S-Bahn aufgrund Personalmangels nicht. Die Baselland Transport (BLT) und die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu (BOGG) fahren die Strecke zwischen Olten und Sissach während dieser Zeit mit Ersatzbussen – die BLT zwischen Sissach und Läufelfingen, die BOGG zwischen Läufelfingen und Olten. Doch der Bahnersatz steht seit seiner Einführung in der Kritik: Passagiere ärgern sich über Verspätungen und Zeitverlust.

Die Fahrt im Bus dauert doppelt so lange

Immerhin ersteres ist an diesem Dienstagmorgen kein Problem. Es ist 7.36 Uhr, als der Motor anfängt zu brummeln. Sobald die Uhr auf 7.37 springt, fährt die Busfahrerin los – mit nur zwei Fahrgästen. Beim einzigen Halt auf Solothurner Boden, Trimbach Leinfeld, steigt niemand dazu. Ohne Verkehr ist es ein Leichtes, den Hauenstein zu passieren: Eine Minute zu früh erreichen wir den Bahnhof Läufelfingen. Dennoch: Was mit dem Läufelfingerli nur neun Minuten dauert, nimmt mit dem Bus 21 Minuten in Anspruch. Weiter trägt das Umsteigen mit zehn Minuten zum Zeitverlust bei. Bis Sissach wird die Reise insgesamt 55 Minuten dauern. Mit der S-Bahn waren es 22.

Auch der zweite Bus steht schon bereit, bis zur Abfahrt steigen sechs Fahrgäste ein. Sie verteilen sich auf den langen Gelenkbus, trotz Maske will man nicht zu nahe beieinander sitzen. «Jetzt geht das noch, bald werden aber noch viel mehr Leute einsteigen», meint eine junge Frau. Sie fährt die Strecke zwischen Läufelfingen und Sissach jeden Tag. Den Wechsel von S9 zu Ersatzbus findet sie «ziemlich mühsam». Besonders, wenn der Bus Verspätung habe: Dann verpasse sie ihren Zug in Sissach. Wollte sie einen früheren Bus nehmen, müsste sie eine Stunde früher aufstehen. «Das lohnt sich einfach nicht», so die Frau.

Kleine Verspätung, ärgerliche Folgen

Dass es zu Verspätungen kommt, ist auf der Strecke gut möglich. Bei dieser Fahrt beispielsweise muss der Bus bei einer Strassenbaustelle in Buckten halten. Kommt der Bus planmässig um 8.24 Uhr in Sissach an, bleibt denjenigen, die Richtung Basel unterwegs sind, drei Minuten zum Umsteigen auf den Interregio mit zwei Stopps bis Basel. Sieben Minuten bleiben bis zur Abfahrt der S3, die sechsmal hält. Der nächste Schnellzug fährt erst eine halbe Stunde später.

«Wenn der Bus nur zwei Minuten Verspätung hat, muss man schon den Bummler nehmen», sagt ein Fahrgast, der in Rümlingen mit vier weiteren Personen zugestiegen ist. Auch in Diepflingen kommen Gäste hinzu. Einer unter ihnen ärgert sich weniger über die Verspätungen als über die Distanz, die er morgens nun zurücklegen muss: Während das Läufelfingerli am Bahnhof hielt, befindet sich die Haltestelle für den Ersatzbus rund einen halben Kilometer entfernt an der Hauptstrasse.

In Sissach treffen die insgesamt 25 Personen im Bus heute mit nur einer Minute Verspätung ein – unter normalen Umständen kaum bemerkenswert. Doch in diesem Fall ist bei einigen Passagieren Fluchen zu hören, wie sie aus dem Bus Richtung Gleis 3 rennen, um ihren Zug zu erwischen.

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