Das Bruderholzspital galt bisher als Klotz am Bein des Kantonsspitals Baselland (KSBL). Seit der Fusion der drei kantonseigenen Spitäler werden hier die grössten Defizite geschrieben, die besten Ärzte laufen davon. Recherchen zeigen nun: Nicht nur das Bruderholz betroffen, sondern auch am Standort Liestal sind zahlreiche Abgänge von Kaderärzten zu beklagen. Alleine in den letzten drei Monaten haben 12 Ober- und Leitende Ärzte das KSBL verlassen; das ist mehr als jeder 20. Kaderarzt. Sechs der zwölf Abtrünnigen waren ausschliesslich am Hauptstandort in Liestal tätig, zwei weitere sowohl in Liestal als auch auf dem Bruderholz. Und gemäss aktueller Mitarbeiterliste des Kantonsspitals ist bisher keiner der zwölf Abgänge ersetzt worden.

Das KSBL bestätigt die zwölf Abgänge seit Ende Oktober 2018. Sprecherin Anita Kuoni sagt: «Es gehört jedoch zur Tagesordnung, dass Oberärzte, die noch in der Ausbildung zum Facharzt stehen, Kliniken wechseln und deshalb – oft auch nur vorübergehend – das KSBL verlassen.» Sechs der zwölf Stellen seien bereits wieder besetzt, die Eintritte würden zwischen Januar und Juni erfolgen. Bei vier Stellen laufe der Rekrutierungsprozess und lediglich zwei Stellen würden nicht wieder besetzt. «Über alle Standorte hinweg verzeichnen wir eine stabile und in Spitälern übliche Fluktuation um 10 Prozent.»

«Abgänge sind besorgniserregend»

Gesundheitsökonom Willy Oggier lässt solche gruppenübergreifenden Fluktuationszahlen nicht gelten. Er sagt: «Operiert werde ich als Patient an einem einzelnen Standort. Wenn dort 20 Prozent des Personals fehlen, dann hilft es mir wenig, dass der Personalbestand in der ganzen Gruppe relativ konstant ist.» Für Oggier sind vor allem die drei leitenden Ärzte, die das KSBL in den letzten drei Monaten verlassen haben, besorgniserregend. «Leitende Ärzte sind Aushängeschilder der Spitäler und wichtig, um für Privatversicherte attraktiv zu bleiben.»

Oggier sagt, dass es auch für Leitende Ärzte Gründe gebe, den Arbeitsort zu wechseln, etwa wenn sie am neuen Ort zu Chefärzten werden. Die bz-Recherchen zeigen jedoch, dass dies in mindestens zwei von drei Fällen nicht so war. Ein leitender Arzt im Bereich Hämatologie wechselt in derselben Stellung in die Ostschweiz, eine leitende Ärztin im Bereich Rehabilitation und Altersmedizin zu einem spezialisierten Privatspital im Kanton Aargau. Und auch mehrere Oberärzte wechselten ihren Arbeitgeber, ohne in der Hierarchie aufzusteigen.

Fusion als einzige Perspektive

Im September noch versprach KSBL-CEO Jürg Aebi gegenüber der bz, weitere Abgänge von Kaderärzten zu verhindern, indem den Angestellten neue Perspektiven geboten würden. Darauf angesprochen, dass dies offenbar nicht gelungen sei, wird klar, dass alle Hoffnungen in die Spitalfusion gesteckt werden. «Wir zeigen auf, welche Perspektiven sich durch die Neuausrichtung ergeben: neue Chancen im Universitätsspital Nordwest, Schwerpunktbildungen an den Standorten, Bündelung der Kompetenzen, attraktive und familienfreundliche Stellen in der zukünftigen Tagesklinik auf dem Bruderholz.»

Gesundheitsökonom Oggier sagt, dass die Unsicherheiten auch bei einer Fusion nicht einfach so verschwinden. «Wenn der Eindruck da ist, dass einer der beiden Fusionspartner mächtiger ist als der andere, dass der Kleinere also eher geschluckt wird, dann beginnen die Ärzte, sich umzuschauen. Und die, die als erste gehen, sind eher diejenigen, die auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben und entsprechend einfach und schnell eine neue Stelle finden. Also genau die, die man eigentlich als Spital nicht ziehen lassen will.»