Studie

Auf vier Spuren durch den Hardwald: Baselland will Ausbau der Rheinfelderstrasse

Drohnenflug über den Hardwald

Drohnenflug über den Hardwald

Neben dem Westring gibt noch ein anderes Strassenbauprojekt zu reden. Baselland möchte den Ausbau der Rheinfelderstrasse, die parallel zur A 2 durch den Hardwald führt, auf vier Spuren prüfen.

Beim grossen Schulterschluss in Sachen Autobahnausbau am Dienstagabend war es bloss eine Randbemerkung. Aber eine, die es in sich hat. Schon in wenigen Jahren soll die Rheinfelderstrasse zwischen Schweizerhalle und Birsfelden zur durchgehend vierspurigen Kantonsstrasse ausgebaut werden. Der Baselbieter Kantonsingenieur Drangu Sehu bestätigt gegenüber der bz entsprechende Absichten der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD).

So ist vorgesehen, bereits im kommenden Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die unter anderem Aufschluss über das Kosten-/Nutzen-Verhältnis eines solchen Ausbaus geben soll. Je nach Resultat könnte bereits zwei Jahre später eine entsprechende Planungsvorlage ausgearbeitet und in den politischen Prozess eingespeist werden. Die Kosten für die Machbarkeitsstudie liegen erfahrungsgemäss im sechsstelligen Bereich.

Bypass für achtspurige A 2

Die Vorteile der Erweiterung liegen für den Baselbieter Kantonsingenieur auf der Hand: In erster Linie geht es um die Bypassfunktion für den laut neuestem Stand bis 2038 auf acht Spuren ausgebauten Autobahnabschnitt Hagnau-Augst. Sollte der Verkehrsfluss auf der A 2 beispielsweise durch Unfälle oder Baustellen behindert sein, müsse der Kanton für Ausweichkapazitäten sorgen, die dem totalen Verkehrskollaps auf dieser Achse wenigstens einigermassen entgegenwirken können. «Wir als Kanton dürfen uns nicht einfach zurücklehnen, wenn der Bund die A 2 bei uns um zwei Spuren erweitert, sondern müssen auf unseren Strassen die Mitverantwortung für die Durchlässigkeit tragen», fordert Drangu Sehu.

Der Lastwagenunfall mit anschliessender stundenlanger Totalsperrung der A 2 im vergangenen März habe die dramatischen Auswirkungen eines solchen Kollapses auf die Region aufgezeigt.
Hinzu kommt: Ein parallel zur A 2 führender, vierspuriger Kantonsstrassen-Bypass könne verhältnismässig einfach und kostengünstig erstellt werden. Die Strecke zwischen der Autobahnausfahrt Pratteln/Schweizerhalle und dem «Erdnusskreisel» eingangs Hardwald, dem künftigen Eingangspunkt zum Autobahn-Rheintunnel, führt durch überwiegend unbewohntes Industriegebiet, und die Schneise durch den Hardwald bietet laut Sehu genügend Platz für eine technisch «unkomplizierte» Spurerweiterung.

Ein zweiter Fokus gilt dabei dem Grundwasserschutz. Die stellenweise marode Rheinfelderstrasse genüge den heutigen Ansprüchen nicht mehr. Der angestrebte Strassenneubau würde auf der Strecke quer durch das wichtige Trinkwassergewinnungsgebiet der Hardwasser AG für moderne Schutzstandards sorgen. Wohlgemerkt auf einer Strecke, die für Gefahrentransporte zur chemischen Industrie in Schweizerhalle und dem Muttenzer Auhafen unumgänglich ist.

Für Sehu steht ausser Frage, dass das Baselbiet idealerweise den Vierspurausbau der Rheinfelderstrasse vornehmen muss, noch bevor ab 2029 die Bagger für den Rheintunnel und die A 2-Erweiterung Hagnau-Augst auffahren. Oder erst danach, aber keinesfalls gleichzeitig. Das würden nur schon die begrenzten Kapazitäten von Tiefbau-Unternehmen nicht zulassen.

Widerstand angekündigt

Wie bei allen Strassenbauprojekten in der Region wird auch hier mit Verzögerungen zu rechnen sein. Noch während des Informationsanlasses am Dienstagabend zur gemeinsamen Basler Hochleistungsstrassen-Strategie lief, kündigten der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) und die Grünen Baselland Widerstand gegen den «Betonwahn» und sämtliche Erweiterungen von Strassenkapazitäten an – egal ob auf Autobahn oder Kantonsstrassen. Insbesondere auch der Ausbau der Rheinfelderstrasse werde zu Mehrverkehr führen: «Dieser Mehrverkehr fährt mitten ins Herz von Birsfelden und von dort in die angrenzenden Stadtquartiere», befürchtet VCS-Geschäftsführerin Stephanie Fuchs, «und dass der Doppelkreisel eingangs Birsfelden den Verkehr vor dem Dorf abfangen und wieder auf die Autobahn lenken soll, ist lahmes Wunschdenken.»

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