Erdbebenkreuz

Aufgefrischtes Gedenken an das Grosse Basler Beben am 18. Oktober 1356

Ein Wahrzeichen in Reinach- Das frisch restaurierte Erdbebenkreuz von 1978.

Ein Wahrzeichen in Reinach- Das frisch restaurierte Erdbebenkreuz von 1978.

So wie Häuser regelmässig neu herausgeputzt, sprich renoviert, werden müssen, so müssen auch historische Denkmäler von Zeit zu Zeit eine Auffrischung über sich ergehen lassen.

So geschehen beispielsweise anfangs September in Reinach mit dem 1978 vom Reinacher Grafiker Willy Göttin gestalteten Erdbebenkreuz. Dieses steht unweit der 11er-Tramstation Landhof am Rande der Reinacher Heide. Mit seinen schief gestellten Steinplatten erinnert es an das grosse Basler Erdbeben vom 18. Oktober 1356.

Die Wieder-Einweihungsfeier wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst begangen. Zusätzlich veröffentlichte die für die Betreuung des Kreuzes zuständige Reinacher Zunft zu Rebmessern zu diesen Anlass eine kleine, sehr schön gestaltete historische Publikation, die die Bedeutung von Weg- und Flurkreuzen aufzeigt und der speziellen Geschichte des Erdbebenkreuzes nachgeht; verfasst wurde sie vom bekannten Reinacher Historiker Franz Wirth.

Verdiente Strafe für Hohn und Spott

Flur- und Wegkreuze, wie sie im Birseck und im Laufental, diesen ehemals unter der Herrschaft des Bischofs von Basel stehenden Gebieten noch heute in stattlicher Zahl anzutreffen sind, gehören gewissermassen zum kulturhistorischen Inventar der Dörfer dieser Täler: In Reinach sind es sieben.
Das auffallendste ist dabei das Erdbebenkreuz, das genau dort steht, wo sich vor mehr als 650 Jahren ein legendäres Ereignis zugetragen haben soll: «In Begleitung von Ritter Werner von Bärenfels ritt Graf Walram nach der Jagd in ausgelassener Stimmung von seinem Schloss Pfeffingen nach Basel.

Nördlich des Dorfes Reinach trafen sie auf einen Priester, den sie auf unflätige Weise anpöbelten. Der Gottesmann tadelte sie und warnte sie vor Unglück. Spottend liessen die beiden Edelleute den Priester zurück und ritten weiter. Vor der Stadtmauer wollte Graf Walram, vom schlechten Gewissen geplagt, zum Priester zurückehren, um sich zu entschuldigen. Er fand ihn aber weder am Ort der vormaligen Begegnung noch in der näheren Umgebung. Als er weiter heimwärts zu seinem Schloss Pfeffingen reiten wollte, begann unter ihm die Erde zu beben. Ringsum sah er, wie stolze Schlösser in Trümmer fielen.

Auch sein eigener Wohnsitz in Pfeffingen wurde verwüstet. Später erfuhr er, wie beim Zusammensturz der Burg seine Frau und seine Kinder wie durch ein Wunder gerettet worden waren. In Basel soll dagegen Graf Walrams Freund, Werner von Bärenfels, dem Erdbeben zum Opfer gefallen sein. Graf Waldram glaubte, er und seine Familie seien wegen seiner reuigen Haltung vor dem Tode gerettet worden. Zum Dank errichtete er an der Stelle der Begegnung ein hölzernes Votivkreuz, das später im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ersetzt wurde, bis man schliesslich anstelle des hölzernen ein steinernes errichtete.»

Antworten auf zahlreiche Fragen

Wirth schildert aufgrund verschiedener Quellen, was am Lukastag 1356 geschah, weitet aber das Thema aus: Wie wohnten die Leute damals in Stadt und Land, wie wurde das Münster betroffen und wie stark wurden Gebäude in der näheren und weiteren Umgebung Basels heimgesucht – beispielsweise die Burgen Angenstein und Pfeffingen? Wichtig natürlich auch die Beantwortung der Frage: «Was meinen die Erdbebenfachleute zu den Ursachen des Bebens?»

Es ist der Zunft zu Rebmessern zugute zu halten, nicht nur dieses Reinacher Wahrzeichen renoviert, sondern auch das Interesse am Thema neu erweckt zu haben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1