Klettern

Aufruhr in der Vertikalen: Rigoroses Kletterverbot an beliebter Seewner Wand

Natur zuerst: Im Gebiet Fulnau zwischen Grellingen und Seewen darf künftig nicht mehr geklettert werden.

Natur zuerst: Im Gebiet Fulnau zwischen Grellingen und Seewen darf künftig nicht mehr geklettert werden.

In Seewen wird ein Naturreservat eingerichtet. Dies bedeutet ein Kletterverbot an einer beliebten Wand. Einsprechen darf die IG Klettern Basler Jura nicht: Das Bundesgericht hat ihr die Einspracheberechtigung abgesprochen.

In der regionalen Kletter-Szene herrscht Fassungslosigkeit: Soeben hat das Bundesgericht eine Beschwerde der IG Klettern Basler Jura gegen ein Kletterverbot in einer abgelegenen und selten begangenen, aber attraktiven Wand abgelehnt. Der Kanton Solothurn will im waldreichen Gebiet Fulnau zwischen Grellingen und Seewen ein Naturreservat mit entsprechenden Schutzvorschriften einrichten. Unter anderem wächst dort ein seltenes Moos, das schweizweit sonst nirgends festgestellt wurde.

Das Bundesgericht verneint, dass die IG sowie zwei private Kletterer gegen den Entscheid der Solothurner Regierung überhaupt zur Einsprache berechtigt sind. Patrik Müller, Präsident der IG Klettern Basler Jura, ist überzeugt: «Dieses Urteil hat Konsequenzen für die Anliegen aller Sportler, die den Wald und die freie Natur nutzen.» Laut Müller werden es künftig nicht nur Kletterer, sondern auch OL-Läufer, Mountainbiker und Pferdesportler schwer haben, ihre Interessen vor Gericht wahrzunehmen.

Mehrheit der IG-Mitglieder wohnt im Baselbiet

Die geforderten Hürden, um bei Nutzungsbeschränkungen auf öffentlichem Grund Beschwerde erheben zu können, sind aus Sicht der Kletterer unrealistisch: So verlangt die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht nur, dass eine Nutzung häufig und regelmässig erfolge. Zudem muss die angefochtene Beschränkung – vorliegend das Kletterverbot – die Freizeitgestaltung der Beschwerdeführenden spürbar einschränken. Beide Bedingungen sind laut Bundesgericht nicht gegeben.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte zuvor das Solothurner Verwaltungsgericht. Dieses verwies darauf, dass die Mehrheit der IG-Mitglieder im Kanton Baselland und damit teilweise in deutlicher Distanz zur Seewener Kletterwand wohnten.

Artenreichtum wird durch Kletternutzung nicht beeinträchtigt

Dies entspreche der Charakteristik einer Natursportart, entgegnet Müller. Gewiss verfügten die Kletterer der Region über mehrere Möglichkeiten, ihr Hobby auszuüben, und seien durch dieses Verbot nicht stark eingeschränkt. «Doch wenn man das zur Bedingung für eine Beschwerde macht, dann können Natursportler ihre Interessen gar nie in ein Verfahren einbringen.» Dies auch deshalb, weil abgesehen vom allgemeinen freien Betretungsrecht keine gesetzliche Grundlage für Freizeitsport in der Natur existiert.

Die IG wolle im Basler Jura ein vielfältiges Angebot an Klettergebieten und -routen erhalten. Laste der Druck nicht auf wenigen Wänden, sei dies durchaus im Sinne des Naturschutzes und der Allgemeinheit. Zudem stellt Müller klar: «Ein von uns in Auftrag gegebenes Gutachten hat festgehalten, dass der Artenreichtum durch die Kletternutzung nicht beeinträchtigt wird.» Hingegen würden mit dem von der Regierung verabschiedeten Zonenplan nun Forstmassnahmen erlaubt, die just die zu schützende Vielfalt bedrohen, ärgert sich Müller.

Kritik an Solothurner «Schreibtisch-Entscheid»

Das vom Kanton verhängte Kletterverbot bezeichnet Müller als «Schreibtisch-Entscheid». Eine Begehung des strittigen Waldgebiets mit Behördenvertretenden habe es nie gegeben. Die IG Klettern will sich im Kanton Solothurn nun auf anderem Weg einbringen. In Baselland funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Kanton sehr gut. Dort gibts einen von ihm organisierten Runden Tisch mit Interessengruppen aus dem Sport, Naturschutzverbänden und Bürgergemeinden als Waldeigentümern.

Rolf Manser, Leiter des Solothurner Amts für Wald, Jagd und Fischerei, weist die Kritik zurück: Die Kletterer seien in die jahrelangen Verhandlungen einbezogen worden; Besprechungen habe es wiederholt gegeben. Auch betont er, dass man andernorts im Kanton sehr wohl einvernehmliche Lösungen mit Kletterern habe treffen können.

Im vorliegenden Fall seien die Fronten wohl aus verschiedenen Gründen verhärtet gewesen. Manser fügt aber an: «Ich bin offen für Ideen wie Runde Tische, um das Einvernehmen mit den Betroffenen bei solchen Nutzungskonflikten zu verbessern.»

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